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© Max Borovkov, 123rf.com

Medienzentrale

Enna: Mediacenter mit Starpotential

11.06.2010
Das noch junge Mediacenter-Projekt Enna aus dem Geexbox-Fundus wartet mit viel Bedienkomfort und einigen ungewöhnlichen Funktionen auf.

Filme sehen, Musik hören, Fotos betrachten, Bücher lesen und die Wettervorhersage der nächsten Stunden und Tage abfragen – mit Enna [1] alles kein Problem. Das neue Mitglied in der Familie der freien Mediacenter soll auf dem Weg zur Version 1.0 noch lernen, Anwender mit Spielen zu bespaßen, Fernsehsendungen, Podcasts und Streams der zahlreichen Internetradios widerzugeben und mit Mediaservern Kontakt aufzunehmen. Wir haben die aktuelle Version 0.4 installiert und getestet, wie gut sie sich bereits jetzt im Alltag schlägt.

Ennas Entwicklung begann als Benutzerschnittstelle für die neueste Version der Mediacenter-Distribution Geexbox [2]. Die Anwendung läuft vorerst nur unter Linux, an Portierungen für Mac OS X und Windows arbeiten die Entwickler. Das in C geschriebene Programm basiert auf den Enlightenment Foundations Libraries (EFL, [3]). Die Benutzeroberfläche spricht aktuell neben Englisch auch Deutsch, Französisch und Italienisch.

Enna installieren

Den einfachsten Weg, Enna ins Wohnzimmer zu holen, stellt die Live-CD Geexbox dar. Daneben finden sich auf der Website auch Verweise zu Paket-Repositories [9] für Ubuntu "Karmic Koala" und und das auf dem Nokia N900 laufende Maemo 5. Wer mit einer anderen Distribution arbeitet und Enna als Standalone-Anwendung auf seinem Rechner haben möchte, muss in den sauren Apfel beißen und Enna aus den Quellen installieren.

Als Abhängigkeiten setzt Enna einen Mediaplayer (MPlayer [10], Xine oder GStreamer), das Versionskontrollwerkzeug Mercurial [11] und die EFL-Bibliotheken E_Dbus, Ecore, Edje, Eet, Efreet, Eina, Elementary, Embryo und Evas ([12],[13]), sowie die Geexbox-Entwicklungen Libinfo*[14], Libvalhalla [15] und Libplayer [16] voraus. Die vom Geexbox-Projekt entwickelten Quelltexte von Enna, Libinfo, Libvalhalla und Libplayer lassen sich jeweils mit dem Befehl hg clone http://hg.geexbox.org/Paket herunterladen.

Sind die alle Abhängigkeiten gelöst, installieren Sie Enna mit dem klassischen Dreisatz ./configure, make und – mit Root-Rechten – make install.

Bedienung

Installieren Sie Enna aus den Paketrepositories, taucht das Mediacenter im Anwendungsmenü der Desktopumgebung auf. Anderenfalls starten Sie es mit dem Befehl enna auf der Kommandozeile. Enna nimmt sofort den kompletten Desktop in Beschlag (Abbildung 1). Zur Auswahl stehen Musik, Foto, Video, Bücher und die Wettervorhersage, ein eigener Reiter widmet sich der Konfiguration. Jeder Bereich, auch Aktivität genannt, wartet mit einem eigenes Hintergrundbild auf, sodass Sie auch aus der Ferne leicht ersehen, was Sie ausgewählt haben.

Abbildung 1: Das Mediacenter Enna bietet Möglichkeiten, die über reines Multimedia hinausgehen.

Enna ist für viele Fälle des medialen Alltags gewappnet. DVDs, Videodateien, Audiodateien, Fotos und Bücher – Enna spielt alles ab, sofern die nötigen Codecs auf dem Rechner zu finden sind. Die grundlegende Bedienung erfolgt intuitiv, alternativ zur Maus steuern Sie das Mediacenter mittels [Eingabe] und [Rückschritt] sowie den Pfeiltasten. Für die feinere Bedienung mittels Shortkeys lassen sich fast alle Tasten des Keyboards nutzen, das Enna-Team hat rund 30 Tastenkombinationen mit Funktionen vorbelegt [4]. Bei im Rechner vorhandener Infrarotschnittstelle können Sie Enna auch mit einer Fernbedienung steuern, müssen dazu die mit der Fernbedienung verknüpften Aktionen allerdings erst einmal selbst definieren.

Anders als der Name suggeriert, verbergen sich hinter dem Menüpunkt Konfiguration lediglich zwei Infoanzeigen (Abbildung 2). Eine gibt Aufschluss über die Ausstattung des Rechners, die zweite zählt die an Enna beteiligten Entwickler auf. Die meisten Einstellungen müssen Sie aktuell in der Datei ~/.enna/enna.cfg vornehmen. Hier legen Sie beispielsweise fest, welche Dateiformate Enna für die einzelnen Aktivitäten berücksichtigen soll (siehe Tabelle "Voreingestellte Formate").

Abbildung 2: Der Konfigurationsbereich steckt noch in den Kinderschuhen, aktuell zeigt er nur Infos über System und Entwickler an.

Voreingestellte Formate

Grafik JPEG, PNG, GIF, TIFF, XPM
Audio 3GP, AAC, APE, APL, FLAC, M4A, MAC, MKA, MP2, MP3, MP4, MPC, OGG, RA, WAV, WMA
Video ASF, AVI, DIVX, DVR-MS, EVO, FLC, FLI, FLV, M1V, M2V, M4P, M4V, MKV, MOV, MP4, MP4V, MPE, MPEG, MPG, OGM, QT, RM, RMVB, SWF, TS, VDR, VOB, VRO, WMV, Y4M

In der Konfigurationsdatei geben Sie neben den Formaten auch an, welche Rendering-Engine Enna verwendet oder welche Verzeichnisse es mittels Shortcuts direkt ansteuern kann. Für die Mediendatenbank geben Sie an, welche Verzeichnisse Enna innerhalb definierter Intervalle automatisch nach Mediendateien durchsuchen soll. Die Treffer archiviert das Mediacenter in einer auf SQLite basierenden Mediendatenbank. Darüber hinaus legen Sie hier in einer Blacklist fest, welche Schlüsselwörter nicht in der Datenbank auftauchen sollen.

Wer die Konfigurationsdatei genau liest, sieht, dass die Entwickler bereits an vielen der noch geplanten Features zu arbeiten scheinen, denn es lassen sich (zum Teil auskommentierte) Bereiche für TV und Mediastreams über das Netzwerk finden.

Aktivitäten

Steuern Sie in ein Medienbereich in Enna an, lassen sich alle angeschlossenen Partitionen durchsuchen. Im Bereich Fotos präsentiert Enna bislang ausschließlich Thumbnails (Abbildung 3), andere Ansichten – etwa eine aus Dateinamen bestehende Liste – haben die Entwickler noch nicht implementiert. Das aktuell ausgewählte Foto erscheint etwas hervorgehoben, mit [Eingabe] starten Sie eine Diashow gestartet. Das Anzeige-Intervall dazu modifizieren Sie in der enna.cfg unter slideshow_delay. EXIF-Informationen liest Enna noch nicht aus und kann im Hochformat aufgenommene Bilder auch nicht automatisch drehen.

Abbildung 3: Fotos zeigt Enna immer im Querformat an, ein Druck auf die Eingabetaste startet eine Diashow.

Die Wiedergabe von Musik funktioniert auch in der aktuellen Enna-Version schon bestens. Haben Sie in der enna.cfg Pfade dazu vorgegeben, tauchen diese im Menü der Orte an erster Stelle auf, sodass Sie sie schnell ansteuern. Auch entfernte File- und Mediaserver lassen sich zur Wiedergabe heranziehen, sofern Sie diese vorher in der Konfigurationsdatei eingetragen haben. Während der Wiedergabe sowie in regelmäßigen Intervallen durchsucht die vom Geexbox-Team entwickelte Libvalhalla die ID3-Tags der Stücke und legt die gefundenen Informationen in einer SQLite-Datenbank ab. So können Sie später Ihre Musiksammlung nach nach Künstlern, Alben oder Genres durchforsten und gegebenenfalls das zu den Werken gehörige Albumcover einblenden (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Libvalhalla liest ID3-Tags aus und katalogisiert die Musiksammlung in einer SQLite-Datenbank.

Die Aktivität Video steht sowohl für Videodateien als auch das Abspielen von DVDs. Enna greift für die Videowiedergabe via Libplayer auf andere Anwendungen wie Mplayer oder Xine zurück. Je nach dem Stand der auf dem Rechner installierten Bibliotheken spielt Enna mehr oder weniger DVDs ab, auch hinsichtlich der DVD-Menüs hängt vieles von den vorhandenen Libraries ab (Abbildung 5).

Abbildung 5: Je nach Bibliotheksausstattung des Rechners spielt Enna auch ausländische DVDs ab.

Gibt es eine aus Dateien bestehende Videosammlung, blendet das Mediacenter zu jedem Film unter einem Vorschaubild die wichtigsten Eigenschaften ein. Hierzu zählen vertikale Auflösung und Übertragungsart, Tonsystem, Dateiformat, Dauer, Genre sowie eine kurze Beschreibung der Handlung. Vorschaubild und Plot bezieht Enna von Geexbox.org oder Diensten wie Thetvdb.com und Tvrage.com. Allerdings stimmen die ausgegebenen Informationen zum Teil in keiner Weise mit den Filmen überein (Abbildung 6).

Abbildung 6: Enna sucht die Informationen zu Videodateien auf entfernten Servern zusammen. Dabei kann schon mal etwas schiefgehen, wie hier in der Ankündigung zu "Big Buck Bunny".

Unter BookStore nimmt Enna Kontakt zu Bücherseiten auf, wobei es momentan lediglich die Anbieter Gocomics [5] und OneManga [6] unterstützt. Die versorgen den Anwender mit etlichen Comics, darunter Leckerbissen wie "Garfield", "Calvin and Hobbes" oder "Pickles" sowie vielen Mangas (Abbildung 7). Es gibt sicher bequemere Arten, sich Comics und Bücher zu Gemüt zu führen – aber wenn Enna später auch das Fernsehprogramm abspielen kann, bieten Comics sicher eine angenehme Alternative zu den Werbeunterbrechungen.

Abbildung 7: Der BookStore unterhält, wenn Filme und Musik einmal ausgehen.

Ein Merkmal, das bislang kaum ein Mediacenter aufweist, ist das aktuelle Wetter und dessen Vorhersage für die nächsten vier Tage. In der Konfiguration legen Sie fest, für welche Stadt Enna das Wetter anzeigen soll. Die Entwickler haben die Funktion mit idyllischen Bildern hinterlegt, die durchweg Fernweh erzeugen und nichts mit der oft tristen Realität zu tun haben (Abbildung 8). Aktuell lässt sich das Wetter nur für einen Ort vorhersagen, zukünftig sollen hier mehrere Ziele möglich sein.

Abbildung 8: Die Wetter-Aktivität zeigt, ob in den nächsten Tagen eher die Badehose oder doch der Friesennerz angesagt ist.

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