Barrierefrei mit OOo

Bei OpenOffice ist die Unterstützung für Barrierefreiheit schon sehr weit gediehen. Die elementarsten Bestandteile sind das konsequente Verwenden von Formatvorlagen (siehe Kasten "OOo-Formatvorlagen") und der korrekte Export als Tagged-PDF, das Sie als Autor explizit anstoßen müssen. Der Export funktioniert weitgehend korrekt, erweist sich aber als immer noch fehleranfällig. Daher muss man die erzeugten Dokumente nachbearbeiten, beispielsweise mit Adobe Acrobat.

OOo-Formatvorlagen

Unter einer Formatvorlage versteht man bei OpenOffice die Darstellungsoptionen (Formatierungen) von Absätzen und Zeichen. Daneben lassen sich auch Inhalte vordefinieren, beispielsweise für Kopf- und Fußzeilen. OpenOffice unterscheidet die Formatvorlagen je nach Einsatzgebiet, etwa Absatzvorlagen für Textabsätze, Rahmenvorlagen für Rahmen und Grafiken sowie Seitenvorlagen zur Festlegung für die gesamte Seite. Ausgenommen sind hier nur die Einstellungen für die Spaltenaufteilung. Weitere Informationen zu den Vorlagen finden sich im OpenOffice-Wiki [40].

Für diesen Artikel erstellen wir ein Testdokument (Abbildung 7), das etliche Fallstricke aus dem Alltag enthält, wie beispielsweise einen Bereich mit zwei Spalten. Damit zeigen wir die einzelnen Arbeitsschritte vor und nach dem Export in das PDF/A-1a Format und prüfen die einzelnen Werkzeuge auf ihre Brauchbarkeit.

Abbildung 7: Das Testdokument für die Fähigkeiten von OpenOffice.

Nach dem Erstellen eines leeren Dokuments in OOWriter öffnen Sie den Formatvorlagen-Dialog über die Taste [F11] (Abbildung 8). Es empfiehlt sich, zunächst den gesamten Textinhalt zu erstellen und die Formatvorlagen erst am Ende des Arbeitsprozesses zuzuweisen. Diese Reihenfolge ist jedoch nicht zwingend. Im Testdokument verwenden wir die folgenden Formatvorlagen:

  • Titel und Untertitel,
  • Überschrift erster bis dritter Ordnung,
  • einen Link innerhalb eines Fließtextes,
  • eine Grafik mit Untertitel sowie
  • eine Tabelle.
Abbildung 8: Der OpenOffice-Dialog zur Zuweisung der Formatvorlagen.

Im ersten Schritt geben Sie den Text ein, erzeugen über Extras | Kapitelnummerierung eine Dokumentgliederung und weisen danach den einzelnen Textteilen die entsprechende Vorlage zu. Im zweiten Schritt erstellen Sie den mehrspaltigen Bereich. Dazu setzen Sie nicht etwa unsichtbare Tabellen ein, sondern legen stattdessen die Anzahl und Anordnung der Spalten über den Dialog Format | Spalten fest (Abbildung 9).

Abbildung 9: Zum Zuweisen der Spaltenanzahl gibt es in OpenOffice einen ausführlichen Dialog.

Im dritten Schritt folgt das Eintragen des Alternativtextes für Abbildungen: Mit einem Rechtsklick auf das Bild öffnen Sie das entsprechende Kontextmenü. Wählen Sie dort die Registerkarte Zusätze und tragen einen kurzen, beschreibenden Text für das Bild ein (Abbildung 10). Es empfiehlt sich, nur dann einen Alternativtext zu setzen, wenn das Bild wichtige Informationen übermittelt. Ansonsten ist es besser, das Bild mittels Umlauf | Im Hintergrund als Hintergrundbild abzulegen.

Abbildung 10: Über das Kontextmenü geben Sie zusätzliche Informationen zum Bild ein.

Wichtig: Der Alternativtext sollte eine neutrale Beschreibung des Bilds enthalten – in unserem Beispiel etwa: "Grafik eines sitzenden und grinsenden Pinguins". Sollte es sich um ein interaktives PDF-Dokument handeln und eine Grafik einen Button darstellen, müssen Sie im Alternativtext dessen Funktion des Buttons hinterlegen, zum Beispiel "Absenden". In der Bildunterschrift kann dann ein durchaus auch journalistischer Text stehen.

In Schritt 4 setzen Sie nun unter Datei | Eigenschaften | Beschreibung den Dokumenttitel und die Schlüsselwörter sowie einen Kommentar zum Dokument (Abbildung 11). Im vorletzten Schritt prüfen Sie das Dokument nun noch einmal akribisch: Sind alle Formatvorlagen und Tabellenüberschriften zugewiesen, alle Links als solche schon im Text angelegt? Ist der Text sprachlich logisch?

Abbildung 11: Unter Datei | Eigenschaften | Beschreibung setzen Sie die Dokumenteigenschaften.

Im sechsten und letzten Schritt steht nun der Export nach PDF an. Den stoßen Sie über den Menüpunkt Datei | Export als PDF an (Abbildung 12). Setzen Sie dabei im Dialogfenster das Häkchen vor PDF/A-1a gesetzt, erzeugt OpenOffice dabei die Tags automatisch. In Sonderfällen lässt sich der PDF/A-1a-Standard nicht verwenden – dann wählen Sie alternativ explizit die Option Tagged PDF.

Abbildung 12: Über die PDF-Export-Optionen sorgen Sie für die Erzeugung eines (beinahe) barrierefreien Dokuments.

Die Dateigröße kann beim Export erheblich zunehmen, da OpenOffice zusätzlich zum eigentlichen Inhalt die gesamten Markierungen im Dokument ablegt. So enthalten PDFS gemäß PDF/A-1a alle verwendeten Schriftarten sowie sämtliche Bilder oder extern referenzierten Dateien. Erweiterungen, welche die Darstellung des Textes im PDF-Betrachter verändern (etwa Javascript) bleiben andererseitsaußen vor.

Unser Dokument enthält eine Abbildung mit Transparenzen – das ist nach PDF/A-1a nicht konform. OpenOffice erzeugt dementsprechend eine Warnung (Abbildung 13) und retuschiert die Transparenzen.

Abbildung 13: Nicht PDF/A-1a-konform: Bei Transparenzen in Abbildungen warnt OpenOffice und bessert entsprechend nach.

Ausblick

Das korrekte Erzeugen eines weitgehend barrierefreien PDFs stellt aber erst die halbe Miete dar. Nun gilt es die Qualität des Dokuments zu prüfen und gegebenenfalls nachzubessern. Im nächsten Teil dieses Workshops stellen wir die dazu nötigen Werkzeuge und Verfahrensweisen vor. Außerdem untersuchen wir, wie gut die verschiedenen Lesewerkzeuge mit unserem Erzeugnis zurecht kommen und wo sie Schwachstellen aufweisen. Abschließend werfen wir dann einen Blick in die Zukunft barrierefreier PDF-Dokumente für Linux. 

Infos

[1] Braille-Schrift (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Brailleschrift

[2] Zugang für Alle: http://www.access-for-all.ch

[3] Gnome-mag: http://live.gnome.org/GnomeMag

[4] Compiz-Fusion-Plugin Ezoom: http://wiki.compiz.org/Plugins/Ezoom

[5] Virtual Magnifying Glass: http://sourceforge.net/projects/magnifier/

[6] LinAccess e.V.: http://www.linaccess.org

[7] Vergrößerungssoftware für Linux im Überblick: http://linuxwiki.de/LinAccess/Projekte/Compiz-eZoom

[8] Screenreader (Wikipedia, englisch): http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_screen_readers

[9] brlTTY-Projekt: http://dave.mielke.cc/brltty/

[10] PS/PDF-Tools, Teil 5: Frank Hofmann, "Scheibchenweise", LU 12/2009, S. 88, http://www.linux-community.de/artikel/19635

[11] Linux Screen Reader: http://live.gnome.org/LSR/

[12] Orca: http://projects.gnome.org/orca/

[13] Projekt SUE: http://service.it-science-center.de/mediawiki/index.php

[14] IT Science Center Rügen: http://www.it-science-center.de/

[15] SZS der Universität Karlsruhe: http://www.szs.uni-karlsruhe.de/

[16] Accessibility in Qt4.3: http://doc.trolltech.com/4.3/accessible.html

[17] Projekt Adriane: http://knopper.net/knoppix-adriane/

[18] Screenreader for Blind Linux Users: http://www.openblinux.de/

[19] Sprachausgaben bei Incobs: http://www.incobs.de/produktinfos/sprachausgaben/index.php

[20] OCR-Software bei Ubuntuusers.de: http://wiki.ubuntuusers.de/Texterkennung_(OCR)

[21] PDFlib-8: http://www.pdflib.com/download/pdflib-family/pdflib-8/

[22] Babett Schalitz: Accessibilityerhöhung von LaTeX, Diplomarbeit, TU Dresden, 2007, http://www.babs.gmxhome.de/da_start.htm

[23] Hyperref-Paket (CTAN): http://www.ctan.org/tex-archive/macros/latex/contrib/hyperref/

[24] PS/PDF-Tools, Teil 7: Frank Hofmann, "Innere Werte", LU 02/2010, S. 90, http://www.linux-community.de/artikel/20357

[25] Pdfx-Paket (CTAN): http://www.ctan.org/tex-archive/macros/latex/contrib/pdfx/

[26] PDF/A-1b-konforme Dokumente mit Pdftex: http://www.apfeltalk.de/forum/pdftex-pdf-1b-t299359.html

[27] "Generating PDF/A compliant PDFs from pdftex": http://support.river-valley.com/wiki/index.php?title=Generating_PDF/A_compliant_PDFs_from_pdftex

[28] "Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz": http://www.gesetze-im-internet.de/bitv/

[29] "Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen": http://www.gesetze-im-internet.de/bgg/

[30] W3C Web Content Accessibility Guidelines 2.0: http://www.w3.org/TR/WCAG20/

[31] W3C Web Accessibility Initiative (WAI): http://www.w3.org/WAI/

[32] W3C Authoring Tool Accessibility Guidelines (ATAG) 1.0: http://www.w3.org/TR/WAI-AUTOOLS/

[33] W3C User Agent Accessibility Guidelines (UAAG) 1.0: http://www.w3.org/TR/WAI-USERAGENT/

[34] Tools für PS/PDF-Tools (1): Frank Hofmann, "Bild und Druck", LU 08/2009, S. 78, http://www.linux-community.de/artikel/19014

[35] PDF/A (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/PDF/A

[36] PDF/A Competence Center: http://www.pdfa.org

[37] Assistive Technologien (Wikipedia, englisch): http://en.wikipedia.org/wiki/Assistive_technology

[38] Extensible Metadata Platform (XMP) bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Extensible_Metadata_Platform

[39] Extensible Metadata Platform: http://www.adobe.com/products/xmp/

[40] OpenOffice-Formatvorlagen: http://www.ooowiki.de/FormatVorlagen

Der Autor

Sebastian Andres studiert Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Der Blinde sitzt im Vorstand des LinAccess e.V. und der Berliner Linux User Group. Petra Kubina, B.A. Linguistik/Texttechnologie/Psychologie, ist Studentin im Master Linguistik an der Uni Bielefeld und Spezialistin für barrierefreies Webdesign. Außerdem arbeitet Petra im Skolelinux-Projekt mit. Frank Hofmann hat Informatik an der Technischen Universität Chemnitz studiert. Derzeit arbeitet er in Berlin im Open-Source-Expertennetzwerk Büro 2.0 als Dienstleister mit Spezialisierung auf Druck und Satz. Er gehört zum Vorstand der Linux User Group Potsdam.

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