Volles Rohr!

Community-Spielespaß mit der Panzersimulation BZFlag

Als 1993 die erste öffentlich verfügbare Version von BZFlag ("Battle Zone Capture the Flag", [1]) erschien, rechnete keiner der Entwickler oder Spieler mit der stetig wachsenden Zahl an Fan-Websites in aller Welt [2], in deren Diskussionsforen die Spieler Tricks oder Erweiterungen austauschen.

Die Spielprinzipien sind recht schnell erklärt: Als teilnehmender Gamer fahren Sie mit einem Panzer in der Ego-Perspektive durch eine 3D-Welt (Abbildung 1). Diese liegt als Map (deutsch: Plan, Landkarte) auf einem Server. Neben Ihnen mit Ihrem Kettenfahrzeug tummeln sich dort freilich noch andere Spieler und schießen als Konkurrenten oder Teamgefährten, was das Rohr hergibt.

Abbildung 1

Abbildung 1: Mit Ihrem Panzer kämpfen Sie im Team oder gegen alle anderen Mitspieler.

In der Spielvariante "Free for all" geht es schlicht darum, alle feindlichen Panzer abzuschießen. Etwas anspruchsvoller und kniffliger hingegen gestaltet sich der Spielemodus "Capture the flag". Freunden von Egoshootern dürfte dieser Modus seit Quake [3] bestens bekannt sein: Sie steuern Ihren Panzer in die Basis der Gegner, stehlen dort dessen in Teamfarben gehaltene Fahne und bringen sie in die Heimatstation Ihres Teams.

Rein in den Sitz …

Um in den (virtuellen) Besitz eines roten, grünen oder vielleicht blauen Panzers zu kommen, müssen Sie das entsprechende BZFlag-Paket aus dem Repository Ihrer Distribution installieren. Als Nutzer einer Ubuntu-Distribution genügt dazu das folgende Shell-Kommando im Terminal:

$ sudo apt-get install bzflag

Möchten Sie zudem noch einem BZFlag-Server unterhalten, installieren Sie das Paket bzflag-server auf die gleiche, eben genannte Weise. Allerdings tritt bei der Ubuntu-Version 8.04 ("Hardy Heron") mit einigen Grafiktreibern ein Fehler [4] auf, bei dem sich der Start des Games in der Shell mit der Meldung aus Listing 1 sogleich beendet.

Listing 1

$ bzflag
X Error of failed request:  BadValue (integer parameter out of range for
operation)
[…]

Ein Workaround besteht in diesem Fall darin, BZFlag mit dem Parameter -window als Befehl in der Shell zu starten. Auf diese Weise begnügt sich der Panzer-Shooter mit einem Fenster, statt den ganzen Monitor in Beschlag zu nehmen. Die Fenstergröße passen Sie nun interaktiv in den Optionen des Spieles selbst an.

Sollte Ihr Linux-Distributor BZFlag nicht in seinen Lagerbeständen führen, dann bekommen Sie den Quellcode das Programms in ein Tar-Archiv gepackt direkt von der Downloadseite des Projekts [5]. Nach dem Herunterladen der im Augenblick aktuellen Version 2.0.14 entpacken Sie den Tarball mit dem Kommando tar xvjf bzflag-2.0.14.tar.bz2 und wechseln dann mit dem Befehl cd bzflag-2.0.14/ in das neu entstandene Verzeichnis mit dem Quelltext des Spieles.

Hier genügt der simple Dreischritt ./configure, make und make install, um bzflag samt Manpages in den Verzeichnispfad unter /usr/local zu installieren. Das setzt freilich voraus, dass sie die Entwicklerpakete zum Kompilieren installiert haben und sich zur Installation im dritten Schritt su oder sudo Administrationsrechte als Superuser [6] verschaffen. Mehr zur Installation aus dem Quellcode lesen Sie im kostenlosen Online-Heftarchiv [7].

… und Vollgas!

Nach dem ersten Start des Programms sehen Sie im unteren Bereich des Programmfensters unter anderem den Hinweis To register your callsign, go to and register for the forums, using your callsign. Das bedeutet, dass Sie sich mit einem Callsign (deutsch: Rufzeichen, Nicknamen), das Sie im Spiel führen, ebenfalls in den Foren rund um das Panzerspiel anmelden und mit anderen Gamern diskutieren können.

Des weiteren sehen Sie den Hinweis auf den Fan-Shop der BZFlag-Gemeinde unter http://store.bzflag.org, bei dem Sie zum Beispiel T-Shirts mit dem Logo des Spiels erwerben können. Im Augenblick hat der Shop aber seine Pforten geschlossen, da die Betreiber der Website an der Bezahlmöglichkeit via Paypal arbeiten.

Nach dem Start des Programms wählen Sie über die Pfeiltasten im Hauptmenü den Punkt Options aus. Über [Eingabe] öffnen Sie das Untermenü, aus dem Sie sich den Punkt GUI Settings herauspicken und erneut [Eingabe] drücken. Im darauf folgenden Dialog wechseln Sie mittels der Pfeiltasten auf die Option Locale und wählen die deutsche Lokalisierung der Spieleoberfläche mit German aus. Wie Sie sehen, spricht BZFlag nun Ihre Sprache. Ein zweimaliger Druck auf [Escape] bringt Sie ins Hauptmenü zurück.

Jetzt wählen Sie dort den ersten Punkt namens Spiel starten (Abbildung 2). Hier geben Sie das zuvor beschriebene Callsign in der entsprechenden Zeile ein, gegebenenfalls gefolgt vom Passwort. Der Parameter Email spricht für sich selbst: In der Regel finden Sie hier zunächst den Usernamen, mit dem Sie sich an Ihrem Linux-System angemeldet haben, und den Namen Ihres Rechners, also beispielsweise tux@localhost. Wenn Sie möchten, dürfen Sie die Voreinstellung verändern und dort Ihre tatsächliche Mailadresse angeben. Allerdings gilt es hier abzuwägen, ob der Spielespaß und die Gamer-Community schwerer wiegen als Privatsphäre und Datenschutz.

Abbildung 2

Abbildung 2: Im Menü Spiel starten geben Sie sich einen Nicknamen oder veröffentlichen Ihre Mailadresse.

Nun müssen Sie lediglich mit den Punkt Server suchen den nächsten Schritt zur Panzerballerei wagen. Daraufhin liefert Ihnen BZFlag eine Liste aller aktuell verfügbaren Game-Server zusammen mit einer kurzen Information über die Anzahl der Mitspieler oder den Spielemodus. Haben Sie sich den Server mit den besten Durchsatzraten ausgesucht, landen Sie wieder im Menü Spiel starten und wählen dort den Punkt Verbinden.

Sollte Ihnen nun der Kopf vor lauter Haupt- und Untermenüs schwirren, dann seien Sie beruhigt: Das Steuern des Panzers durch das virtuelle Schlachtfeld erledigen Sie weitaus einfacher und im Grunde mit der Maus. Im Zweifelsfalle zieht Sie der Menüpunkt Hilfe schnell aus der Bredouille.

Drumherum

Neben dem (momentan geschlossenen) Fanshop und den verschiedenen Foren erarbeitet sich die Gemeinschaft der Spieler ein BZFlag-Wiki mit dem kernigen Motto Be Bold!! und immerhin über 360 einzelnen Artikeln. Wenn Sie also wissen möchten, auf welche Weise sich einzelne Teams Punkte verdienen, wie Sie einen Spieleserver aufsetzen, eigene 3D-Welten kreieren oder was die seltsamen Flaggen, die in den Maps verstreut herumstehen, genau mit Ihrem Panzer tun, dann finden Sie dort umfassende Informationen – allerdings auf Englisch. Freilich existieren auch deutschsprachige Fan-Sites wie http://bzflag.at, die Ihnen weiterhelfen.

Fazit

BZFlag beweist: Selbst ein Oldtimer unter den Games gehört so lange nicht zum alten Eisen, wie sein Spielprinzip funktioniert und eine gewachsene Community ihn trägt. Dazu braucht es weder hyperrealistische Grafik noch hochmoderne Hardware, sondern einfach nur Freude am Spiel. 

Infos

[1] BZFlag: http://bzflag.org

[2] BZFlag-Fanseiten: http://my.bzflag.org/w/Other_Links

[3] Quake: http://www.idsoftware.com/games/quake/quake/

[4] OpenGL-Bug: https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+source/libsdl1.2/+bug/162151

[5] Download: http://sourceforge.net/projects/bzflag/files/

[6] Sudo-Artikel: "Was ist eigentlich sudo?", Heike Jurzik, LinuxUser 05/2002, S. 84, http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/05/084-zubefehl/sudo.html

[7] Programme selbst kompilieren: "Auf zu den Quellen", Andreas Kneib, LinuxUser 07/2005, S. 86, http://www.linux-user.de/ausgabe/2005/07/086-kompilieren/

[8] BZFlag-Wiki: http://my.bzflag.org/w/BZFlagWiki:Be_bold

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