Gitweb

Um die grundlegenden Eigenschaften des Git-Webinterfaces einzurichten, öffnen Sie die Konfigurationsdatei /etc/gitweb.conf in einem Texteditor und fügen die folgenden beiden Zeilen hinzu (oder ändern bereits vorhandene ab):

$projectroot = "/home/git/";
$projects_list = "/home/git/project_list";

In /home/git/project_list schreiben Sie die Repositories, die Gitweb anzeigen soll. Die Datei folgt der Syntax: linux-2.6-local mgl. Dabei ist linux-2.6-local der Name des Repositories und mgl der Name der Person, der das Repository gehört. Um mit Anderen zusammenzuarbeiten, sorgen Sie nun noch dafür, dass diese Gitweb von außen erreichen. Steht das "DocumentRoot" von Apache auf /var/www/, gehen Sie wie folgt vor:

$ mkdir /var/www/gitweb
$ cd /var/www/gitweb && ln -s /usr/share/gitweb/* .

Sie erreichen Gitweb (Abbildung 3) nun über die URL http://git.example.org/gitweb/. Die Web-GUI gestattet Ihnen einen schnellen Überblick über aktuelle Veränderungen und Commits und erweist sich beim Auslesen von Logs als sehr nützlich. 

Abbildung 3: Gitweb ist ein Webfrontend für Git und hilft Ihnen, den Überblick zu behalten.

Git: Not macht erfinderisch

Linux wurde nicht von Anfang an in einem System zur Quelltextverwaltung gepflegt. Bis ins Jahr 2002 änderte Linus Torvalds (Abbildung 4) den gesamten Quelltext ausschließlich in Form von Patches. Dieser Workflow erwies sich allerdings im Hinblick auf das Entwicklungsmodell von Linux als immer unpraktikabler. Denn soviel war klar: Der Kernel-Maintainer konnte sich unmöglich alleine weiterhin um den gesamten Kernel-Quelltext kümmern.Deshalb übernahmen sogenannte Subsystem-Maintainer die Verantwortung für einzelne Teilbereiche des Kernels. Sie sichteten den Code und und leiteten aus ihrer Sicht brauchbare Vorschläge an Torvalds weiter.

Abbildung 4: Linux-Erfinder Linus Torvalds schneiderte dem Linux-Kernel ein eigens Versionskontrollsystem auf den Leib.

Für ihn und seine Zuarbeiter wäre es allerdings auf Dauer in hohem Maße unpraktikabel gewesen, ständig Patches hin- und herzuschicken und diese direkt auf Ordner mit entpackten Quellen anzuwenden. Deswegen beschloss Linus Torvalds 2002, das kommerziellen Versionskontrollsystem Bitkeeper für den Linux-Kern einzusetzen. Dessen Hersteller erlaubte zwar das kostenlose Benutzen der Anwendung, jedoch nur, solange der Anwender nicht an einem anderen Versionskontrollsystem mitarbeitete. Viele Entwickler der "alten Garde" empfanden diese Einschränkung als unzumutbar.

Andrew Tridgell, eigentlich bekannt als Samba-Entwickler, begann daraufhin mit der Entwicklung der Alternative Sourcepuller, die zu Bitkeeper kompatibel war. Er gab an, selbst niemals Bitkeeper verwendet zu haben. Bitkeeper-Chef Larry McVoy nannte Tridgells Verhalten trotzdem "unanständig" und behauptete, es handele sich um Reverse-Engineering. Neue Bitkeeper-Versionen standen in der Folge nicht mehr kostenlos zur Verfügung. Torvalds brauchte eine Alternative zum gerade erst zwei Jahre verwendeten Bitkeeper.

Er testete daraufhin alle gängigen VCS und stellte dabei fest, dass keines davon effizient genug erschien. Daraufhin beschloss er kurzerhand, selbst ein passendes System zu entwickeln. Bald darauf, im April 2005, veröffentlichte Torvalds die erste Alpha-Version von Git. Am 16. Juni 2005 erschien Linux 2.6.12, das bereits mit dem neuen System verwaltet wurde. Kurz darauf fingen andere Entwickler an, Patches für Git zu senden – die Entwicklung verselbständigte sich. Linus Torvalds übergab die Pflege des Projekts im Juli 2005 schließlich an Junio Hamano, der sich seither darum kümmert.

Git hat mittlererweile viele andere Versionskontrollsysteme verdrängt und gehört zu den meistbenutzten Anwendungen seiner Art. Die aus der Not heraus entstandene Lösung etablierte sich praktisch über Nacht zur dominierenden Lösung zur Versionskontrolle. Inzwischen existieren außerdem diverse Tools und Konnektoren, um Git mit anderen VCS zu verknüpfen. So erlaubt Git das Ansprechen von Mercurial- und SVN-Repositories sowie das gegenseitige Befüllen.

Der Autor

Der Debian-Entwickler Martin Loschwitz arbeitet seit vielen Jahren mit Versionskontrollsystemen, in den letzten Jahren vor allem mit Git.

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