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© Maxim Kazmin, 123rf.com

Speicher satt

Stratos Online-Storage HiDrive im Test

12.05.2010 Unter der Bezeichnung HiDrive offeriert jetzt der renommierte Hoster Strato eine preisgünstige "Online-Festplatte" mit TÜV-geprüfter Datensicherheit und offenen Schnittstellen. Wir haben uns das Angebot genauer angesehen.

Zahlreiche Anbieter offerieren inzwischen das Speichern von Daten im Internet. In ihrer Zielrichtung unterscheiden sie sich jedoch erheblich: So richten sich so genannte One-Klick-Hoster wie Rapidshare [1], Megaupload [2] oder Despositfiles [3] in erster Linie an Filesharer, die ihre Daten anonym Jedermann zum Download bereitstellen. Diese Dienste bedienen sich zum Up- und Download beinahe ausnahmslos des Webbrowsers respektive des HTTP-Protokolls und sind in den kostenfreien Varianten sowohl für den Up- als auch Downloader mit mehr oder weniger starken Einschränkungen verbunden. Bei anderen Projekten, wie etwa Dropbox [4] oder Canonicals Online-Storage "Ubuntu One" [5] steht das Speichern der Daten im Vordergrund. Hier benötigt man zum Zugriff spezielle Software und proprietäre Protokolle.

Strato geht mit seiner Pruduktlinie HiDrive [6] einen ganz anderen Weg: Es verwendet als Zugriffsoptionen ausschließlich Standardprotokolle wie SMB, WebDAV, FTP oder Rsync, sodass sich die Daten von praktisch jedem beliebigen Rechner aus ohne Zusatzsoftware erreichen lassen. Prinzipiell funktioniert HiDrive fast wie ein lokales NAS, unterscheidet sich von diesem allerdings durch einige Eigenheiten. Die umfassen sowohl einige Vorzüge als auch gewisse Nachteile (siehe Tabelle "HiDrive: Pro und Kontra").

HiDrive: Pro und Kontra

Strato bietet mit HiDrive faktisch ein Online-Pendant zum klassischen Network-attached Storage (NAS) in den eigenen vier Wänden. Beide Konzept haben spezifische Vorzüge und Nachteile:

Pro HiDrive

Kontra HiDrive

(+) Hohe Ausfallsicherheit (--) Flaschenhals Internetverbindung
(+) Niedrige Kosten (--) Unsicherheitsfaktor Erreichbarkeit
(+) Einfache Verwaltung (--) Daten per Default unverschlüsselt auf einem öffentlichen Server
(+) Dezentrale Datensicherung (--) potenziell leichtere Erreichbarkeit für Angreifer
(+) Integriertes Backup

Produktmerkmale

Strato offeriert sein Online-Speicherangebot für Privatnutzer ab einer Größe von 100 GByte bis zu 2 TByte. Die Preise bewegen sich zwischen 3,90 Euro und 29,90 Euro im Monat, das entspricht in der kleinsten Variante einem GByte-Preis von 3,9 Cent, in der größten einem von 1,5 Cent. Die im Test verwendete Variante mit 500 GByte kostet 9,90 Euro im Monat. Sie erlaubt das Anlegen von bis zu fünf Benutzerkonten. Die Pro-Variante des Dienstes richtet sich in erster Linie an kommerzielle Nutzer und bietet Speichervolumina von 1 bis 5 TByte zum Preis von 39,90 bis 149 Euro monatlich. Im Gegensatz zur Consumer-Version gibt es hier 120 User-Accounts dazu.

Für allen Angebote sichert Strato unlimitierten Traffic und eine Anbindung mit einer Bandbreite von 100-Mbit/s zu. Auch die Anschlussmöglichkeiten ans Netz fallen bei allen Varianten identisch aus. Die Liste zeigt die angebotenen Dienste und die Adressen, mit denen Sie diese ansprechen:

  • FTP(S) – ftp.HiDrive.strato.com
  • SFTP – sftp.HiDrive.strato.com
  • WebDAV(S) – http(s)://WebDAV.HiDrive.strato.com
  • SMB/CIFS – \\smb.HiDrive.strato.com\root oder \\cifs.HiDrive.strato.com\root
  • Rsync – rsync.HiDrive.strato.com
  • OpenVPN – openvpn.HiDrive.strato.com
  • SCP – scp.HiDrive.strato.com

Zum Transfer großer Datenmengen auf den Online-Speicher bietet das Unternehmen einen Festplattenservice an: Gegen eine Gebühr von 39 Euro lädt der Hoster den Inhalt eingeschickter Platten bis zu einer Größe von 500 GByte auf den angemieteten Speicherplatz. Kunden der Pro-Produktgruppe erhalten diesen Service kostenlos.

Setup

Wie erwähnt bietet Strato zum Einrichten der Online-Festplatte eine webbasierte Verwaltungsoberfläche, die Sie über die Adresse http://www.HiDrive.strato.com erreichen. Nach dem Login erscheint zunächst eine Übersicht, die sich in die Bereiche Konto anlegen, Speicher verwalten, Laufwerk einrichten, Dateimanager und BackupControl gliedert (Abbildung 1).

Abbildung 1: Dank der übersichtlich aufgebauten Verwaltungsoberfläche passen Sie Stratos HiDrive in wenigen Minuten an Ihre Bedürfnisse an.

Im Setup Kontenverwaltung legen Sie neue Nutzer an oder bearbeiten die Einstellungen bestehender User. Neben den Zugangsdaten legen Sie hier fest, welche Protokolle der Benutzer verwenden darf und welche Zugriffsrechte er auf das gemeinsame Verzeichnis public erhält. Generell legt HiDrive für jeden Nutzer einen eigenen Ordner mit dessen Anmeldenamen an, auf das kein anderer als er selbst zugreifen kann. Das Verzeichnis public hingegen steht allen eingetragenen Nutzern mit den eingestellten Berechtigungen zur Verfügung.

Zwar besitzt die User-Konfiguration eine Checkbox namens Administrator Konto, die sich im Test jedoch nicht aktivieren ließ. Administrative Rechte bleiben dementsprechend ausschließlich auf das von Strato dafür vorgesehenen Basis-Konto beschränkt. Zwar steht das Web-Login auch den normalen Nutzern zur Verfügung, jedoch ausschließlich zum Verwalten der eigenen Dateien und Einstellungen.

Über Speicher verwalten stellen Sie die Quotas für jedes Verzeichnis beziehungsweise Konto ein. Diese Funktion gestattet Ihnen beispielsweise, den verfügbaren Speicherplatz eines neu angelegten Nutzers auf ein bestimmtes Limit zu beschränken. Ein sehr wichtiges und zugleich durchdachtes Feature erreichen Sie über den etwas irreführenden Namen BackupControl. Dabei handelt es sich nicht um ein Backup im eigentlichen Sinn, sondern um eine Versionierung: Sie können in regelmäßigen Abständen Sicherungen bestimmter Verzeichnisse anlegen (Abbildung 2), die auf ihrem virtuellen Datenträger lagern und deren Umfang auf dessen Restkapazität angerechnet wird. Sie legen fest, in welchen Intervallen HiDrive den Dateistand sichert und wie lange es die alten Versionen vorhält.

Abbildung 2: Das integrierte Versionierungsmodul BackupControl erlaubt Ihnen das Anlegen zeitgesteuerter Versionssicherungen bestimmter Verzeichnisse.

Aus den angelegten Datensicherungen spielen Sie bei Bedarf per Drag & Drop ältere Dateiversionen mit dem Dateimanager wieder ein. Dabei stellt HiDrive nur Dateien wieder her, jedoch keine Verzeichnisse oder gar Verzeichnisbäume. Auch das komplette Wiederherstellen eines kompletten Versionsstands in einem Rutsch beherrscht HiDrive nicht.

Der Dateimanager verhält sich analog zu lokalen Dateibrowsern, zeigt in Ordnern enthaltene Bilder an und öffnet textbasierte Dokumente in einem Editor. Berühren Sie eine der angezeigten Dateien mit der Maus, erscheint im Symbol links oben ein kleiner Pfeil. Ein Klick darauf öffnet ein Kontextmenü, das Ihnen anbietet, die Datei herunterzuladen, umzubenennen, zu löschen oder einen Freigabelink zu erzeugen. Das gleiche Menü erreichen Sie übrigens beim Rechtsklick auf eines der Icons (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Dateimanager in der webbasierten Oberfläche bietet nur rudimentäre Verwaltungsfunktionen.

Interessant ist vor allem der Punkt Freigabe: Link erzeugen. Er ermöglicht, für die gewählte Datei einen allgemein erreichbaren Downloadlink zu generieren. Sie legen in der Konfiguration sowohl die Dauer der Gültigkeit als auch die Anzahl der möglichen Downloads fest. Die getestete Version, "Media 500", limitiert diese auf maximal 50 Downloads pro Datei, die binnen längstens 30 Tagen erfolgen müssen. Die kleinste Variante, "Media 100", erlaubt lediglich 20 Freigabe-Links für eine Dauer von 10 Tagen.

Neben dem Verwalten und Herunterladen erlaubt der Dateimanager auch das Hochladen von Dateien. Das muss nicht zwangsläufig von der von der lokalen Festplatte aus erfolgen, die Dateien dürfen sich auch unter einer eingegebenen URL finden. HiDrive lädt dann ohne Umwege über den Client die gewählte Datei von der URL in das aktuell geöffnete Verzeichnis auf dem Online-Speicher. Der Browser tritt entsprechend nur als Vermittler auf. Im Test dauerte der Transfer einer 4,2 GByte großen Datei rund 130 Sekunden, was einem Datendurchsatz von ungefähr 32 MByte/s entspricht und damit die von Strato zugesicherte Bandbreite von 100 Mbit/s um mehr als das Dreifache übertrifft. Der Uploader unterstützt allerdings ausschließlich Transfers via HTTP, bei FTP verweigert er den Dienst.

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Thomas Leichtenstern

Thomas Leichtenstern

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