Ein kleiner, schwarzer 4 x 10 x 12,5 Zentimeter großer Kasten sorgte Ende 2008 für Furore: Western Digitals WD TV war der erste günstige Mediaplayer für HD-Medien bis 1080p im rechenaufwändigen H.264-Format, der – damals ein absolutes Novum – auch noch Unterstützung für das offene Containerformat Matroska (.MKV) bot. Für um die 90 Euro ging die kleine Mediaschachtel so zahlreich über den Ladentisch, dass sie des öfteren sogar in Münchens bekannter Computermeile Schillerstraße ausverkauft war.
Über zwei USB-Anschlüsse bindet der WD TV beliebige USB-Massenmedien an. Das gilt nicht nur für USB-Sticks, Digicams und Camcorder, sondern auch für Festplatten – was für den Harddisk-Hersteller Western Digital wohl der Hauptgrund war, ein solches Gerät überhaupt anzubieten. Das sehr stromsparende und völlig lüfterlose Gerät gibt zahllose Containerformate und Codecs über FBAS/Composite in SD-Auflösung oder wahlweise auch via HDMI in HD aus und verfügt zudem auch über einen analogen und optisch-digitalen Audioausgang.
Da Western Digital nicht nur regelmäßig nützliche Firmware-Updates veröffentlichte, sondern auch brav den Quellcode des Linux-basierten Mediaplayers, formte sich schnell eine Hacking-Community [1] um das populäre Gerät. Schnell integrierten findige Bastler Unterstützung für USB-Ethernet-Adapter, USB-Hubs, optische Laufwerke und USB-WLAN-Sticks, natürlich zusammen mit den entsprechenden Funktionen wie Telnet-Login, NFS, FTP, Youtube, UPNP/DLNA, RSS-Feed-Anzeige, Apple-HD-Kinotrailern und vielem mehr.
Dies bemerkte natürlich auch Western Digital und trug den Wünschen der Käuferschaft zumindest teilweise Rechnung, indem es unlängst den Nachfolger WD TV Live veröffentlichte. Neben 100-MBit/s-Netzwerkbuchse und Unterstützung für zahlreiche USB-WLAN-Sticks [2] (alle mit Ralink-Chipsatz) integriert das WD TV Live nun zusätzlich einen HD-fähigen analogen YPbPr-Komponentenausgang und unterstützt endlich Stereo-Downmix von DTS-Audio (letzteres war allerdings auch schon in der B-Revision des Vorgängers enthalten). Optische Laufwerks- und USB-Hub-Unterstützung vermisst der Anwender jedoch weiterhin.
Aber die Konkurrenz schläft nicht: Seagate veröffentlichte zur selben Zeit eine H.264-fähige Version des FreeAgent Theater mit dem Zusatz "+" als direkte Konkurrenz zu WDs vielseitiger Schachtel. Das WD TV Live kostet bei WD offiziell 135 Euro, im Handel rund 110 Euro. Für das FreeAgent Theater+ gibt Seagate einen unverbindlichen Verkaufspreis von 140 Euro an, im freien Handel wandert es für rund 120 Euro über den Ladentisch.
Western Digital legt seinem Gerät Netzteil und Fernbedienung plus Batterien, eine CD mit Handbuch und Windows-Konvertersoftware sowie je eine A/V-Composite- und YPbPr-Komponenten-Kabelpeitsche bei. Bei Seagate gibt es noch zusätzlich ein Netzwerkkabel und einen Composite-SCART-Adapter dazu. Keiner der beiden Anbieter legt jedoch ein HDMI-Kabel bei – die Hersteller bekämen es in Mengenabnahme als Cent-Artikel, der Anwender muss es im Fachhandel zumeist vollkommen überteuert einkaufen.
Technische Daten
| Hersteller | Seagate | Western Digital | ||
| Modell | FreeAgent Theater+ | WD TV Live | ||
| SOC | Realtek RED1073MD, 400 MHz | Sigma Design SMP8655AD, 500 Mhz | ||
| RAM | 128 MByte | 512 MByte | ||
| Flash | 256 MByte | 512 MByte | ||
| Dateisysteme | FAT16/32, NTFS, Apple-HFS+ | FAT16/32, NTFS, Apple-HFS+, Ext3 (rw), Ext4 (ro) | ||
| LAN-Protokolle | Appleshare, SMB, UpnP | Appleshare, DLNA, SMB, UpnP | ||
| SMB-Server | nein | ja | ||
| Maße (mm) | 30 x 183 x 175 | 40 x 100 x 125 | ||
| Anschlüsse | 100-Mbit/s-Ethernet, 3 x USB 2.0, HDMI, A/V, S/PDIF (optisch), YpbPr | 100-Mbit/s-Ethernet, 2 x USB 2.0, HDMI, A/V, S/PDIF (optisch), YPbPr | ||
| Zubehör | Netzteil, Fernbedienung, A/V-Composite-Kabelpeitsche, YpbPr-Kabelpeitsche, Composite-SCART-Adapter, Netzwerkkabel | Netzteil, Fernbedienung, A/V-Composite-Kabelpeitsche, YpbPr-Kabelpeitsche | ||
| Stromverbrauch (Idle / Last / Off) | 8,2 / 10,0 / 0,0 | 6,5 / 8,5 / 5,0 Watt | ||
| Besonderheiten | 1 x USB 2.0 als Festplatten-Dock, keine Pause-Funktion bei Online-Videos, integrierte Hilfe-Seiten, Reset-Taster, Lautstärke und Zoom auf Fernbedienung | sehr enge Positionierung der Anschlüsse | ||
| Preis (UVP/Straße) | 140 / 120 Euro | 135 / 110 Euro | ||
| Unterstützte Formate | ||||
|---|---|---|---|---|
| Containerformate | AVI, MKV/MKA, DAT (VCD/SVCD), MP4/MOV (nur mit ISO-MPEG4 oder H.264-Codec), WMV (nur WMV3 bzw. 9/VC-1), MPG, ISO (unverschlüsselt, DVD, AVCHD, BD), MPEG-TS (TP, M2T, MOD, TS, MTS, M2TS), WAV, VOB, FLV | AVI, MKV/MKA, DAT (VCD/SVCD), MP4/MOV (nur mit ISO-MPEG4 oder H.264-Codec), WMV (nur WMV3 bzw. 9/VC-1), MPG, ISO (unverschlüsselt, DVD, AVCHD, BD), MPEG-TS (TP, M2T, MOD, TS, MTS, M2TS), WAV, VOB | ||
| Video-Codecs | H.264/AVC, WMV3/VC-1, DivX/Xvid, ISO-MPEG4 und MPEG1/2 (alle bis 1920 x 1080), RMVB (bis 1280 x 720) | H.264/AVC, WMV3/VC-1, DivX/Xvid, ISO-MPEG4 und MPEG1/2 (alle bis 1920 x 1080) | ||
| Audio-Codecs | AC/M4A, MP3, M2A, AIFF, (L)PCM, WMA (kein WMA Pro/5.1), DTS/DTS-MA und Dolby Digital (beide Bitstream und Stereo-Downmix), OGG, FLAC | AC/M4A, MP3, M2A, AIFF, (L)PCM, WMA (kein WMA Pro/5.1), DTS/DTS-MA und Dolby Digital (beide Bitstream und Stereo-Downmix), OGG, FLAC | ||
| Grafik | BMP (nur unkomprimiert), JPEG (nur RGB, kein Progressive), GIF, TIFF (nur single-layer), PNG | BMP (nur unkomprimiert), JPEG (nur RGB), GIF, TIFF (nur single-layer), PNG | ||
| Untertitel | SRT, ASS, SSA, SUB oder SMI (im Container oder separat als eigene Datei) | SRT, ASS, SSA, SUB oder SMI (im Container oder separat als eigene Datei) | ||
| Playlists | M3U, PLS, WPL | M3U, PLS, WPL | ||
| Features | ||||
| Dateimanager | nein | ja | ||
| Internet-Funktionen | Video (Youtube, zahlreiche Channels), Foto (Flickr, Picasa), RSS-Feeds, Firmware-Update | Video (Youtube), Fotos (Flickr), Webradio (Live365), Firmware-Update | ||
| Video | ||||
| Wiederaufnahme abgebrochener Videos | nur online, nur für das letzte gesehene Video | für alle Videos (nicht online) | ||
| Spulen (online) | 2x | 10-Sekunden-Sprünge | ||
| Spulen (Datei) | 2x (mit Sound), 4x, 8x, 16x, 32x | 10-Minuten-Sprünge, 2x, 4x, 8x, 16x | ||
| DVD-Menüs | ja | nein | ||
| Foto | ||||
| Funktionen | Zoomen, Drehen, Scrollen, Slideshow | Zoomen, Drehen, Scrollen, Slideshow | ||
| Audio | ||||
| Anzeige Albumcover | nein | ja | ||
WD TV Live
Als erstes testeten wir bei Western Digitals nun graumetallic matt statt wie der Vorgänger hochglänzend schwarz gefärbter Medienschachtel (Abbildung 1) die Online-Update-Funktion. Die funktioniert perfekt, lediglich einige missglückte Übersetzungen (Abbildung 2) sorgen für Belustigung. In den Menüs finden sich weitere Kuriositäten, wie Bauelemente für Composite-Video oder 8**Bisschen für 8 Bit. Dass die Statusleiste Barre**d'Information heißt, legt den Verdacht nahe, dass die französische Lokalisierung die Ausgangsbasis für die deutsche war.
Als neues Feature gibt es einen etwas umständlich zu bedienenden Dateimanager, der sich im Einstellungsmenü versteckt. Damit verschieben Sie Dateien zwischen den angeschlossenen USB-Laufwerken oder Netzwerk-Freigaben, kopieren oder löschen sie. Der Transfer geht sogar für USB-2-Verhältnisse etwas gemächlich zu Werk (wir maßen rund 12 MByte/s zwischen zwei NTFS-Laufwerken), aber es funktioniert.
Das Gerät reagiert noch einen Tick flotter als der Vorgänger, was wohl dem von 300 auf 500 MHz beschleunigten SMP8655AD-Chip von Sigma Designs (MIPS, Codename "TangoX") zu verdanken ist. Er bringt auch einen integriertem 333-MHz-DSP für das Videodecoding mit. Statt 128 MByte RAM gibt es nun satte 512 MByte, was sich nicht nur in flotterer Bedienung bemerkbar macht: Das WD TV Live spielt nun auch 1080p-Videos in H.264 mit sehr vielen Reference-Frames (siehe Kasten "Reference-Frames") problemlos ab. Dabei verschluckte sich der Vorgänger noch mit Klötzchenhusten, das neue System bewältigte im Test bis zu 15 Ref-Frames ohne Schwierigkeiten.
Reference-Frames
Als Reference Frames (auch Ref-Frames genannt) bezeichnet man die zurückliegenden Bilder, aus denen sich der aktuelle Frame Bildinhalte holen darf. Zwar erlaubt H.264 selbst bis zu 16 Ref-Frames, der Blu-ray/AVCHD-Standard schreibt jedoch maximal vier bei einer Auflösung von 1920x1080 vor. Das ist auch das Maximum, das die meisten Hardwareplayer (Blu-ray-Player, Playstation 3, Xbox 360, Popcorn Hour Mediacenter) unterstützen. Das Hauptproblem bei vielen Reference-Frames stellt – insbesondere bei Embedded-Geräten – der Speicherverbrauch dar: Das System muss alle vergangenen Frames zur Referenzierung vollständig im Speicher vorhalten. Die Anzahl der Reference Frames finden Sie beispielsweise mit dem äußerst nützlichen Werkzeug Mediainfo [13] heraus.
Medienfreundlich
Das WD TV Live verweigert sich noch immer allen optischen Medien, obwohl nach Angabe des bekanntesten WD-TV-Firmware-Hackers seine Firmware Unterstützung dafür integriert, aber deaktiviert [4]. Dafür zeigt es sich gewohnt abspielfreudig, was Dateien angeht (siehe Tabelle "Technische Daten"). Die Files dürfen auf Dateisystemen der Typen FAT16/32, NTFS oder sogar Apple HFS+ liegen, wobei das Gerät (wie Linux selbst) auf HFS+ nur lesend zugreift. Zudem unterstützt das WD TV Live auch Ext3 (lesend und schreibend) und Ext4 (nur lesend) – was Western Digital nicht für erwähnenswert zu halten scheint, denn der Hersteller preist dieses Feature nirgendwo an.
Wir testen das WD TV Live mit diversen schwierigen, von HDTV-Sendern digital aufgezeichneten H.264-Beispielclips, wie sie x264-Entwickler zum Test verwenden [5]: Das WD TV spielt alle mit Bravour. Der Deinterlacer für Interlace-Material wie etwa dem bei TV-Sendern populären 1080i könnte etwas besser ausfallen, man sieht Kanten. Im Test stellt sich heraus, dass WDs Mediaplayer kein DivX/Xvid mit GMC ("Global Motion Compensation") unterstützt – das beherrschen allerdings auch viele andere Hardware-DivX-Playern nicht. Auch Videos in WMV1/2, DV oder in den sonstigen älteren Quicktime-Codecs spielt das Gerät nicht.
Dateien im Flash-Video-Container FLV zeigt das WD TV Live nicht einmal an – obwohl es den FLV-Standard-Codec H.264 unterstützt und auch problemlos die eingebetteten FLV-Videos auf Youtube spielt. ISO-Dateien gibt der Mediaplayer grundsätzlich als großen Videostream ohne eine eventuell vorhandene Menü-Navigation ab.



