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© Thor Jorgen Udvang, 123rf.com

Ferngesteuert

Komfortable grafische Fernwartung

13.05.2010
Teamviewer demonstriert eindrucksvoll, wie einfach Fernwartung auch über Router und Firewalls hinweg funktionieren kann. Jetzt gibt es die beliebte Software auch für Linux.

Bereits 60 Millionen User nutzen die kommerzielle Fernwartungslösung Teamviewer (http://teamviewer.com) unter Windows und seit kurzem auch Mac OS. Nun kann man damit auch Linux-Rechner fernwarten beziehungsweise fernwarten lassen: Mit der neuen Version 5 liefert der Hersteller aufgrund vieler Nachfragen die Software auch für Linux aus. Teamviewer ermöglicht den einfachen Remote-Zugriff auf andere Rechner über das Netz. Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass auf diesen ebenfalls Teamviewer läuft. Dabei vereint Teamviewer alle Funktionen in einem Standalone-Programm, spezielle Client- oder Server-Versionen gibt es nicht.

Auf jedem Rechner erzeugt Teamviewer automatisch eine weltweit eindeutige ID. Bei jedem Start generiert die Anwendung ein neues Passwort, mit dessen Hilfe eine Gegenstelle dann via ID auf den Rechner zugreift. Dieses Verfahren verhindert, dass jemand, der sich einmal auf dem Rechner angemeldet hat, in Zukunft auch weiterhin ohne Zutun des Besitzer auf diesen zugreifen kann. Auf Wunsch können Sie das Passwort aber auch beibehalten oder selbst festlegen, beispielsweise für den Zugriff unterwegs auf den eigenen Rechner daheim.

Über einen der weltweit verteilten Teamviewer-Server im Internet, der die mit 256 Bit verschlüsselte UDP-Verbindung zwischen den beiden Parteien initiiert, gelingt der Remotezugriff ohne Port-Forwarding auch über Router und Firewalls hinweg. Nur falls etwa ein Proxy-Server oder eine Firewall mit Content-Filter dies unmöglich macht, läuft der Transfer direkt über die Teamviewer-Server. Dies erkennen Sie in den Verbindungsinformationen daran, dass dort HTTP statt UDP steht. Falls Sicherheitsbedenken bezüglich der Nutzung firmenfremder Server bestehen, verkauft Teamviewer auf Nachfrage auch einen eigenen Authentifizierungsserver.

Sogar über Modem-Verbindungen lassen sich mit Teamviewer Fremdrechner bedienbar fernwarten. Der deutsche Softwarehersteller hat in Version 5 die Kompression sogar noch verbessert, sodass nun noch weniger Daten über die Leitungen wandern. Video, Flash-Banner und andere Anwendungen, bei denen sich permanent der Bildschirminhalt ändert, erweisen sich dennoch als problematisch. Über eine etwas schnellere DSL-Verbindung funktionieren allerdings auch solche Anwendungen akzeptabel flüssig.

Privatanwender dürfen das Programm kostenlos nutzen, für kommerzielle Einsätze bietet der Hersteller Lizenzen an. Teamviewer gibt es für Windows, Mac OS und Linux, wobei sich alle Systeme untereinander per Fernzugriff erreichen lassen. Daneben gibt es auch noch einen iPhone-Client, zudem kann man nach kostenloser Online-Registrierung über ein Flash-Interface mit einem beliebigen Webbrowser einen Rechner fernadministrieren.

Der Web- und der iPhone-Client sind die einzigen Versionen, die nur administrieren können und nicht in beide Richtungen arbeiten. Bei den anderen Varianten kann jeder Teamviewer administrieren und administriert werden, auch ein Richtungswechsel im laufenden Betrieb ist möglich.

Linux-Spezifika

Teamviewer stellt DEB- und RPM-Pakete für Linux in Version 5.0.8206 zum Download bereit. Daneben stehen auch ein X64-DEB-Paket sowie ein einfacher Tarball, der völlig ohne Installation auskommt, zur Auswahl. Teamviewer für Linux läuft derzeit noch unter dem Etikett "Beta", der Hersteller bittet um Feedback und Bugreports.

Das Programm basiert auf einer angepassten Wine-Version. Teamviewer hat jedoch einige Linux-spezifische Anpassungen vorgenommen, beispielsweise um das Auslesen der X-Server-Grafik zu beschleunigen. Es handelt sich also trotz der Verwendung von Wine nicht um eine reine Kopie der Windows-Version. Eine native Linux-Version gibt es derzeit noch nicht, wäre aber laut Hersteller abhängig von der Akzeptanz und Popularität der Anwendung durchaus denkbar.

Das Programm bietet eine Vielzahl an integrierten Fernwartungsfunktionen, beispielsweise Richtungswechsel, Rechnerneustart, einen simuliertes [Strg]+[Alt]+[Entf] sowie einen sehr komfortablen Dateitransfer zwischen den beiden Rechnern. Selbst der Mehrfach-Login auf einem gemeinsamen Rechner ist möglich – etwa für Schulungszwecke, um mehreren Anwendern gleichzeitig etwas zu demonstrieren.

Für solche Zwecke ist auch die in Version 5 hinzugekommene VoIP- und Videochat-Funktion nützlich. Löblicherweise setzt die Anwendung hier auf freie Codecs: Speex für Audio, Theora für Video. Dabei funktioniert Video unter Linux bislang allerdings nur in Empfangsrichtung, per V4L angebundene Linux-Webcams unterstützt Teamviewer noch nicht.

Daneben gibt es bei der Linux-Version noch ein paar weitere Einschränkungen: Die Whiteboard-Funktion, mit der die Anwender gemeinsam auf eine Tafel malen, funktioniert ebensowenig wie die VPN-Unterstützung. Ein X-Server ist Pflicht, virtuelle Konsolen überträgt das Programm nicht. Der "Affengriff" [Strg]+[Alt]+[Entf] arbeitet genau wie der Rechnerneustart und Eingabe/Anzeige am entfernten Computer deaktivieren nur dann korrekt, wenn der ferngewartete Rechner Windows verwendet – auch Mac-User schauen hier in die Röhre. Dasselbe gilt für das Ändern der Auflösung und das Entfernen des Desktop-Hintergrunds (um unnötigen Datenverkehr zu vermeiden).

Im Test

Die Linux-Version funktioniert trotz des Beta-Status schon recht gut. Was absolut immer klappte – egal in welchem Netz, hinter welchen Firewalls oder Gateways sich die Rechner versteckten – war der Verbindungsaufbau. Die zur Fernwartung wichtigste Voraussetzung meistert Teamviewer also mit Bravour. Auch Versionsprobleme gibt es keine, eine Verbindung zwischen einem v4-Mac-Client und einem v5-Linux-Client funktioniert problemlos.

Das Programm bietet beim Start (Abbildung 1) drei Betriebsmodi: Fernwartung, Präsentation und Dateiübertragung. Via Fernwartung bedienen Sie einen fremden Rechner, im Präsentationsmodus demonstrieren Sie einem oder mehreren Anwendern auf dem eigenen Rechner etwas. Die Dateiübertragung schließlich lässt alle Administrations- und Grafikfunktionen weg und transferiert ausschließlich Dateien von oder an entfernte Rechner. Dieser Modus lässt sich jedoch auch während der normalen Fernadministration jederzeit aufrufen.

Abbildung 1: Das Teamviewer-Fenster beim Start.

In der Menüleiste des Teamviewer-Startfensters verändern Sie unter Extras | Optionen diverse Voreinstellungen, wie etwa den eigenen Rechnernamen, oder vergeben ein fest vergebenes Passwort zum Remote-Login. Hier legen Sie auch fest, welche Rechte beim Zugriff übers Netz gelten sollen. Dabei akzeptiert Teamviewer auch eine White- oder Blacklist aller Rechner, die auf den Rechner (nicht) zugreifen dürfen.

Die Dateiübertragung findet in einem eigenen Fenster statt (Abbildung 2), das eine Zwei-Spalten-Ansicht bietet: links der eigene Rechner, rechts der entfernte. Um Dateien zu übertragen, markieren Sie diese und klicken dann auf den entsprechenden Knopf über der Spalte. Das erscheint unnötig umständlich, Drag & Drop oder wenigstens ein Transfer per Doppelklick würden sich hier anbieten. Der Hersteller will diesbezüglich nachbessern. Etwas störend für Linux-Anwender sind auch die Windows-typischen Wine-Symlinks und Laufwerksbuchstaben.

Abbildung 2: Dateiübertragungen zwischen den Rechnern sind komfortabel und übersichtlich.

Im normalen Fernwartungsmodus thront über dem entfernten Desktop eine ausblendbare Teamviewer-Funktionsleiste, über die Sie alle für die Fernwartung wichtigen Funktionen aufrufen. Unten rechts findet eine ebenfalls ausblendbare Verbindungsanzeige Platz, die auch Auskunft darüber gibt, wer gerade übers Netz auf den Rechner zugreift (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Ansicht eines entfernter Desktops in Teamviewer.

Auf Wunsch zeichnet das Programm, beispielsweise für Schulungszwecke, via Screencast die Arbeit auf dem fremden Rechner auf. Die speicherbaren Screencast-Dateien beinhalten einfach nur den Datenstrom, den Teamviewer übers Netz schickt, und fallen meist entsprechend kompakt aus. Für Administratoren lässt sich eine Rechnerliste anlegen, über die man mit nur einem Knopfdruck auf den entsprechenden Rechner zugreift.

Der Fokus der Übertragung lässt sich auf Wunsch ändern. Die Option Hohe Geschwindigkeit reduziert die Farbtiefe, sodass die Übertragung flüssiger läuft. Bevorzugen Sie eine optimale Bildqualität auch auf Kosten der flüssigen Bedienung, lässt sich auch das im Ansicht-Menü vorgeben. Die Einstellung Automatisch ändert die Methode je nach Verbindung selbst. Unschönerweise ändert Teamviewer im Geschwindigkeitsmodus das Standard-Grau mancher Desktops (etwa von Ubuntus Gnome) in ein fieses Rosa, wir bemerkten außerdem auch im farbreduzierten Modus keine flüssigere Bedienung. Insofern empfiehlt es sich zumindest bei Linux-Linux-Verbindungen, stets den Qualitätsmodus zu wählen.

Ein paar Möglichkeiten gibt es dennoch, die die Bedienung etwas flüssiger machen: Zuallererst sollten Sie Desktop-Effekte abschalten, wie sie etwa Compiz bietet. Da Teamviewer nur den Bildschirminhalt und nicht die Fenster überträgt, verursacht jeder Fenster-Zoom und jedes weiche Einblenden eines Fensters unnötigen Datenverkehr. Für den Browser empfiehlt sich aus dem selben Grund ein Flash-Blocker: Animierte Werbung erzeugt ein hohes überflüssiges Datenaufkommen – je größer die Fläche, umso schlimmer.

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Kommentare
Läuft nicht immer...
Berthold Weber (unangemeldet), Montag, 12. Juli 2010 08:56:10
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Der Teamviewer beta läuft - wenn er läuft recht ordentlich. Nach reichlichen Testversuchen hat mir die support-Abteilung von Teamviewer.com bestätigt: Bei 16-bit Farbtiefe geht nichts, hier ist ein bekannter bug. Jetzt kann man natürlich sagen dass ist ja nicht schlimm - einfach auf 24-bit umstellen. Aber: Einmal laufen nichtr wenige Linux-Systeme wegen der merklich besseren Grafikgeschwindigkeit unter 16-bit. Und dann gibt es noch eine ganze Reihe von Grafikkarten die auf das fbdev eben mit 16 bit angewiesen sind. Ob Teamviewer.com den bug zur finalen Version behebt -oder nicht- konnten die nicht sagen.


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Installation nicht möglich
bejo52 (unangemeldet), Sonntag, 13. Juni 2010 16:13:35
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Leider funktioniert das Installieren auf Suse 11.2 64-Bit nicht.
Er kann die Libraris:
libGLU.so.1 und liblcms.so.1 nicht finden. Sie sind aber definitiv im Verzeichnis /usr/lib64 vorhanden. Auch ein Link im Verzeichnis /usr/lib blieb ohne Erfolg.
Weiß jemand Hile?
Danke im Voraus


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Ubuntu 10.04 is nix mit Teamviewer!
Ludger Gebhardt, Samstag, 15. Mai 2010 13:34:26
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tja und wer dachte mit Teamviewer und Ubuntu 10.04 klappt es ...
bei mir nicht beim Start passiert nichts überhaupt nichts auch in der Konsole gestartet passiert nichts keine Meldungen etc.
Mir ein Rätsel na vielleicht gibt es ja eine Lösung?

MfG
nexus


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Re: Ubuntu 10.04 is nix mit Teamviewer!
ralph777hermann (unangemeldet), Sonntag, 13. Juni 2010 21:47:12
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Bei mir unter Ubuntu 10.02 mit KDE 4 läuft Teamviewer sofort nach der Installation. Allerdings 32 Bit !!!


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Muss frei sein mit Wine
ckpinguin (unangemeldet), Donnerstag, 13. Mai 2010 15:14:18
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Tja, wer wie ich dachte "hey, die sind aber nett, haben extra eine Linux-Version geschrieben. Endlich kann ich auch mit meinem Linux-Rechner an der Telefonkonferenz teilnehmen." wird etwas enttäuscht: Zwar funktioniert es, aber es ist ganz simpel per integriertem wine-server gelöst. Da wurde also praktisch nichts portiert. Naja, solange es funktioniert...
Andererseits könnte die einfache Portierbarkeit ein Argument sein, alle diese kleinen "brauche-ich-Windows-für"-Applikationen ohne grossen Aufwand einer neuen Zielgruppe zur Verfügung zu stellen: Den Linux-Nutzern, die wine selbst nicht anfassen wollen (zurecht, denn der Aufwand, eine Applikation sauber zum laufen zu bringen, steht in keinem Verhältnis).


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Re: Muss frei sein mit Wine
TeaAge (unangemeldet), Donnerstag, 13. Mai 2010 16:17:20
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Nein, die haben nicht einfach die Windows Version genommen und mit wine verpackt.
Zwar wird das ganze per wine realisiert, allerdings wurden einige Anpassungen vorgenommen um mit dem X-Server zusammen zuarbeiten.

Zum Beispiel hier auch im Kommentar zulesen:
http://www.linux-community....e-fuer-Linux-MacOS-und-Windows

Gruß


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