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Instant-Klatsch

Java-basiertes Desktop-Blogging-System Thingamablog im Test

26.04.2010
Zwei Minuten genügen, um mit Thingamablog ein Online-Tagebuch aufzusetzen. So schreiben Sie ruck-zuck Beiträge und Artikel, statt komplexe Technik zu verwalten.

Weblogs stehen nach wie vor hoch im Kurs. Wer ein eigenes System aufsetzen möchte, braucht in der Regel einen gut ausgestatteten Server, denn die großen und bekannten Blog-Systeme erfordern fast alle PHP, Python oder Java sowie eine Datenbank. Thingamablog [1] möchte anders sein: An Nicht-Techies adressiert, gibt sich die Desktopanwendung mit einem Webserver und einem (S)FTP-Zugang zufrieden. Das Tool organisiert die Beiträge als statische HTML-Dateien. Erstellen Sie einen Eintrag oder ändern einen bestehenden, schiebt Thingamablog die neuen Dateien einfach auf den Server.

Das in Java geschriebene Standalone-Blogging-Programm stammt aus der Feder von Entwickler Bob Tantlinger. Der verspricht, dass mit seiner Applikation auch unerfahrene Anwender innerhalb von Minuten zum Ergebnis gelangen. Bei Bedarf verwalten Sie mit Thingamablog mehrere Weblogs, schreiben Beiträge offline und stellen diese mittels eines Klicks online. Ein integrierter Feedreader sammelt News ein, Beiträge importieren Sie per Mail, und Templates erlauben, dem Blog ein individuelles Aussehen zu geben. Der Kasten "Installation" erläutert, wie Sie die Software auf die Festplatte heben.

Installation

Thingamablog ist schnell heruntergeladen [2] und installiert. Setzen Sie eine RPM- oder DEB-basierte Distribution ein, richten Sie das Programm mit Hilfe des Paketmanagers auf der Platte ein. Anderenfalls entpacken Sie lediglich ein ZIP-Archiv. Die Software setzt Java 1.6 [3] oder neuer voraus, was bei aktuellen Distributionen meist zutrifft. Nach der Installation taucht Thingamablog in der Regel im Menü der Desktopumgebung auf. Anderenfalls starten Sie es von der Kommandozeile.

Mit Hilfe eines Assistenten, der die wenigen nötigen Parameter im Dialog abfragt, richten Sie die Software ein. Anschließend steht dem ersten Eintrag nichts entgegen: Mit einem Klick auf Create a new Weblog legen Sie los. Es öffnet sich wieder ein Wizard, um den Vorgang so angenehm und einfach wie nur möglich zu gestalten. Im ersten Schritt geben Sie URL und Basispfad der neuen Webpräsenz an, wobei der Basispfad auf den Speicherplatz des Nutzers auf dem Webserver zeigt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit einfachen Dialogen erleichtert die Software das Anlegen neuer Weblogs.

In weiteren Dialogen fragt Thingamablog noch Titel und Beschreibung, Autoren, Kategorien, das gewünschte Theme sowie die Daten für den (S)FTP-Zugang zum Server ab. Es besteht die Möglichkeit, später alle Einstellungen zu ergänzen oder zu verändern. Nach getaner Arbeit geht das Weblog mit einem Klick auf Publish the weblog oder das entsprechende Icon online (Abbildung 2). Der Reiter Tasks informiert über Fortschritt und Gelingen einzelner Aktionen (Abbildung 3).

Abbildung 2: Haben Sie die Software installiert, stellen Sie innerhalb von zwei Minuten ein neues Weblog online.
Abbildung 3: Thingamablog listet alle anstehenden Aufgaben auf und informiert über deren Fortschritt.

Neue Blogeinträge erstellen Sie ebenso leicht wie ein neues Blog. Ein Mausklick öffnet ein Fenster mit einem WYSIWYG-Editor, in dem Sie den neuen Beitrag verfassen. Erfahrene Anwender, denen der Funktionsumfang des Editors nicht ausreicht, greifen bei Bedarf direkt auf den HTML-Code zu (Abbildung 4).

Abbildung 4: Neue Beiträge erstellen Sie in einem WYSIWYG-Editor, wobei Sie bei Bedarf direkt ins HTML eingreifen.

Sie haben die Möglichkeit, neben Titel und Text auch Schlüsselworte und eine Beschreibung anzugeben, die Thingamablog später in den HTML-Metatags Keywords und Description verwendet. Den fertigen Beitrag lagern Sie auf Vorrat (Post) oder veröffentlichen ihn gleich (Post**&**Publish).

Im rechten Bereich befinden sich noch die Punkte Labels und Extra Fields. Extrafelder fügen, wie der Name schon vermuten lässt, einem Blogeintrag neue Felder hinzu, sofern das Theme eine solche Funktion unterstützt. Da die Extrafelder als normaler Absatz im jeweiligen Blogeintrag auftauchen, scheint deren Nutzen nicht ganz klar.

Die Labels dienen dazu, die anzuzeigenden Einträge zu organisieren. Angenommen, es existiert ein Label topnews, so sorgt beispielsweise ein Eintrag wie Listing 1 im Template Front Page dafür, dass dort alle mit "Topnews" verschlagworteten Beiträge auftauchen. Neben den Labels führt die Hilfe zu Thingamablog noch eine ganze Reihe weiterer Schlüsselwörter auf, die dabei helfen, die Beiträge zu strukturieren.

Listing 1

<h1>Topnews</h1>
<Entries label="topnews">
  …
</Entries>

Anpassen

Out of the Box funktioniert das mit Thingamablog aufgesetzte Weblog schon recht gut. Jeder, der schon einmal etwas von Suchmaschinenoptimierung gehört hat, sieht aber sofort, dass ein URI wie /archives/2010/03/entry_0.html kein gutes Ranking verspricht. Um auch den Seitentitel im Ressource Identifier zu integrieren, finden Sie unter Einstellungen | Entry Pages die Option Use entry title as filename, was den URI schon suchmaschinenfreundlicher gestaltet. Weitere Anpassungen nehmen Sie bei Bedarf in den Sektionen Kategorien und Archiv vor.

Wer wissen möchte, welche Seiten bei den Lesern am besten ankommen, greift heute häufig zu Google Analytics. Die Javascript-Schnipsel, die Google zum Auswerten der Besucherströme bereitstellt, fügen Sie einfach in die Thingamablog-Template-Seiten ein (Abbildung 5). Einmal auf diese Weise integriert, tauchen sie automatisch in zukünftigen Beiträgen auf. Um sie auch in älteren Beiträgen zu verwenden, nutzen Sie die Aktion Republish the entire weblog, die das komplette Blog erneut auf den Server kopiert.

Abbildung 5: Mit wenigen Codezeilen haben Sie den Code von Google Analytics ins Template integriert.

Das Desktop-Blogging-System legt die einzelnen Beiträge in einer lokalen HSQL-Datenbank ab, bevor es daraus die HTML-Struktur generiert. Obwohl Sie also weder PHP noch ein ausgewachsene Datenbank auf dem Server brauchen und es leicht fällt, die lokale Datenbank zu sichern, bringt diese Herangehensweise einige Nachteile mit sich: So können Sie beispielsweise Beiträge nur von einem Rechner absetzen – es sei denn, Sie tragen das Thingamablog-Verzeichnis auf einem mobilen Datenträger mit sich herum. Schreiben mehrere Autoren Beiträge, von denen jeder lokale Dateien auf seinem Rechner hat, treten schnell Inkonsistenzen auf.

Import per Mail

Thingamablog bietet eine Funktion, mit der Sie bei Bedarf Beiträge aus einer E-Mail-Nachricht importieren. Dazu richten Sie im Programm unter Configure | Post from email der Zugriff auf das Mailkonto ein, auf dem die Beiträge von außerhalb eingehen. Diesen Account durchsucht Thingamablog entweder automatisch in angegebenen Zeitabständen oder nach einem entsprechendem Mausklick.

Das System verwendet dabei ein zu definierendes Schlüsselwort (in der Vorgabe POST) als Trigger, um eine E-Mail als Artikel zu erkennen und einzulesen. Das Schlüsselwort muss im Betreff der Mail stehen, gefolgt von den Kategorien und dem Titel des Eintrags (Beispiel: POST in Hartes Brot: Himmlisch, diese Ruhe). Der Body der Mail enthält den Inhalt des zugesandten Beitrags, wobei die einzelnen Angaben innerhalb verschiedener Tags erfolgen (Listing 2).

Listing 2

$body_start$
Lorem ipsum est ne esse porro facilisi, pri id viris diceret vulputate. Vix in amet sapientem qualisque, eum clita tollit dicant et, nihil option posidonium ad ius. Graeci detracto sententiae cu nec, soleat iisque moderatius duo cu. Option meliore offendit at quo, tale agam suscipiantur eos id, no fierent fastidii vituperata mei. Eu nostrud appareat abhorreant sea, ei has tibique consequat intellegebat, elit euripidis splendide pro at.
$body_end$
$extra1_start$
keine Extratouren zum Ersten
$extra1_end$
$extra2_start$
keine Extratouren zum Zweiten
$extra2_end$
$description_start$
Das Kind schläft, himmlisch
$description_end$
$keywords_start$
Kind, Schlaf
$keywords_end$

Sobald Sie einen per Mail zugesandten Eintrag importiert haben, stellt Thingamablog diesen auch schon online. Das eröffnet eine komfortable Möglichkeit, dass mehrere Autoren von verschiedenen Rechnern aus etwas zum Weblog beisteuern. Den jeweiligen Autoren eines Textes ermittelt die Software anhand der Absenderadresse. Findet Thingamablog keinen passenden Eintrag, so schlägt es dem ersten Autor aus der Liste den Beitrag zu. Möchten Sie mit Thingamablog mehrere Weblogs betreiben, brauchen Sie dazu entweder verschiedene Mail-Accounts oder verschiedene Schlüsselwörter.

Steht ein neuer Beitrag, gilt es die Welt darüber zu informieren. Viele Blogsysteme nutzen einen sogenannten Ping-Service, um andere Dienste über eine definierte Schnittstelle von neuen Artikeln in Kenntnis zu setzen. Auch Thingamablog kommuniziert auf Wunsch mit Ping-Services [4]; diese Funktion hat der Entwickle jedoch in der Vorgabe deaktiviert. Abhilfe schafft Configure | Ping Services, wo Sie die entsprechenden Dienste eintragen und jene aktivieren, die Sie später via Blog | Ping Services nutzen möchten.

Schickt ein Crash die Festplatte mit der Thingamablog-Datenbank ins digitale Nirwana, ist guter Rat teuer: Eine Funktion, mit deren Hilfe Sie Daten aus den veröffentlichten Beiträgen rekonstruieren, gibt es nicht. Es liegt also an Ihnen, die Daten zu sichern. Thingamablog unterstützt Sie dabei auf Wunsch, in dem es beim Beenden ein mit Zeitstempel versehenes Zip-Archiv anlegt. Dazu gilt es vorab unter Tools | Profile Backup Settings die nötigen Einstellungen vorzunehmen und zu aktivieren.

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