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Ständiger Begleiter

Jetbook von Ectaco

16.04.2010 Wenn das Urlaubsgepäck vor lauter Büchern und Zeitungen zu schwer wird, dann schlägt die große Stunde der E-Book-Reader. Mit dem Jetbook von Ectaco haben Sie Ihre Lieblingslektüre auf 220 Gramm im Handgepäck stets mit dabei.

Das Ecacto Jetbook ist ein E-Book-Reader mit 5-Zoll-Bildschirm und 120 MByte internem Speicher. Neben der Standardversion, die in Deutschland für rund 200 Euro über den Ladentisch wandert, gibt es auch noch die Lite-Variante. Sie bringt keinen internen Akku mit, sondern wird mit AA-Batterien betrieben. Obwohl die beiden Geräte auf den ersten Blick identisch aussehen, weicht die Hardware leicht voneinander ab. Zumindest gibt es für die Lite-Version eine andere Firmware als für die Variante mit integriertem Akku. Für diesen Text benutzten wir die Standard-Variante. Als Sprachspezialist hat die Firma Ectaco dem Jetbook auch einige Wörterbücher spendiert, darunter auch Englisch-Englisch und Englisch-Deutsch.

Formatvielfalt

Bei der Veröffentlichung des Jetbooks wurde Ectaco oft gerügt, da der E-Book-Reader lediglich eine Handvoll Formate unterstützte. Seither hat die Firma die Linux-Firmware ständig verbessert, sodass das Jetbook zurzeit mit praktisch allen DRM-freien E-Book-Formaten klar kommt. Um Missverständnissen gleich vorzubeugen: Am besten eignen sich als E-Books einfache Textdateien. Ein besonderes E-Book-Format bietet sich bei einer umfangreichen Sammlung an, da Sie dann nach Kategorie, Autor oder Stichwort suchen und ordnen können.

Vom Gedanken, auf dem Gerät PDF-Dateien zu lesen, sollten Sie sich verabschieden, ebenso vom Wunsch, damit Fotos anzuschauen: Aktuelle E-Book-Reader sind weder dazu gedacht noch dazu gemacht, optisch ansprechende Designs darzustellen – die aktuelle Display-Technik beschränkt sich auf das Anzeigen von Schriften. Diese Aufgabe erfüllt das Jetbook überdurchschnittlich gut, da der E-Book-Reader mit praktisch allen Zeichensätzen West- und Osteuropas klarkommt, egal ob Latin1, Unicode oder Kyrillisch.

Möchten Sie selbst E-Books erstellen, eignen sich aus Open-Source-Sicht dazu die Formate EPUB und FictionBook (FB2) am besten. EPUBs erstellen Sie am einfachsten mit Sigil [1], für das Fiction-Book-Format gibt es eine umfangreiche Toolsammlung für OpenOffice [2]. Das E-Book-Verwaltungsprogramm Calibre [3] verfügt zudem über Import- und Export-Filter für die gängigsten freien E-Book-Formate. Selbst ohne Tools lassen sich aus einem bestehenden E-Book leicht eigene erstellen: Office-Dateien nicht unähnlich, handelt es sich bei EPUB und FB2 um im ZIP-Format komprimierte XML- beziehungsweise XHTML-Dateien, die sich in jedem Editor bearbeiten lassen.

Einschalten, lesen

Das Jetbook liegt mit seinen 11 x 15 Zentimetern sehr gut in der Hand (Abbildung 1). Mit rund 220 Gramm ist das Gerät leicht genug, um es auch über längere Perioden in der Hand zu halten. Die 120 MByte interner Speicher fallen im Unterschied zur Konkurrenz etwas mickrig aus (der erste Kindle verfügte bereits über 256 MByte Speicher, aktuelle Geräte kommen mit 2 GByte), doch über eine externe Speicherkarte lässt sich das Lesefutter im Nu auf mehrere GByte aufstocken. Zudem belegen die meisten E-Books nur ein paar KByte. Die SD-Karte verschwindet beim Jetbook komplett unter der Abdeckung an der oberen Geräteseite, die auch den USB-Anschluss verbirgt.

Abbildung 1: Das Jetbook ist etwas kleiner als ein gewöhnliches Taschenbuch und lässt sich problemlos mit einer Hand halten.

Ectaco gibt die Lauzeit des Akkus mit 20 Stunden oder 11 500 Seiten an. In intensiven Tests über drei Tage mussten wir das Gerät kein einziges Mal aufladen – es hing aber des Öfteren am USB-Bus des Testrechners und bekam somit immer wieder etwas Strom. Die Doku und der Reader selbst weisen daraufhin, dass die Akkulaufzeit bei gleichzeitigem Musikhören deutlich kürzer ausfällt.

Den MP3-Player-Teil des Jetbooks hat Ectaco ganz schlicht gehalten (Abbildung 2). In einer Übersicht lassen sich Songs einzeln auswählen, die man anhören möchte. Die ausgewählten Stücke lädt der Player dann auf Knopfdruck als Hintergrundmusik. Einen Zufallsmodus gibt es nicht, man kann lediglich zwischen auf- und absteigender alphabetischer Sortierung wählen. Der MP3-Player versieht tadellos seine Dienst, solange Sie nicht gleichzeitig E-Books lesen. Beim parallelen Laden von Bildern oder neuen E-Book-Dateien müssen Sie jedoch mit Aussetzern rechnen.

Abbildung 2: Der MP3-Player des Jetbooks beschränkt sich auf die nötigsten Funktionen.

Das Jetbook reagiert auf Eingaben recht flott, einzig bei PDF-Dateien im MByte-Bereich müssen Sie mit größeren Ladezeiten rechnen. Eine Textdatei mit knapp 400 (E-Book)-Seiten erscheint nach rund 15 Sekunden auf dem E-Ink-Display. Probleme gab es bei der Verbindung mit dem PC – hier klappte die Erkennung des Readers nicht immer auf Anhieb. Durch die vielen Ein- und Aushängevorgänge verweigerte zudem der interne Speicher während der Tests einmal den Schreibzugriff. Ein beherztes

# fsck.vfat -aw /dev/sdb1

mit Admin-Rechten auf der Kommandozeile verschafft in einem solchen Fall Abhilfe. Sehr gut funktioniert die Zusammenarbeit mit der Software Calibre: Sie erkennt das Jetbook automatisch und hilft beim Übertragen von Büchern auf das Jetbook und zurück (Abbildung 3).

Abbildung 3: Calibre ist die mit Abstand beste Software zur Verwaltung der elektronischen Buchsammlung.

Die meisten Bedienelemente des Jetbook befinden sich (zumindest für Rechtshänder) genau an der richtigen Stelle, einzig mit der rund sechs Zentimeter langen Wippe zur Linken des Geräts wussten wir den Tests nicht mit anzufangen. Sie ist eigentlich zum Blättern gedacht, das sich aber über die zwei dafür vorgesehenen Tasten deutlich einfacher gestaltet. Das Display fällt relativ scharf aus, zeigt aber doch bei einigen Fonts kleine Ecken. Bei der kleinsten Schriftgröße gerät die Darstellung vollends pixelig.

Bilder skaliert das Jetbook je nach E-Book-Format gut oder gar nicht. Mangels einer Zoom-Möglichkeit sehen Sie dann von der geplanten Abbildung nur einen Ausschnitt. Die Rotation um 90 Grad funktioniert schnell und einwandfrei.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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