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© Henry Chan, sxc.hu

Spiel- und Lernsoftware für Vor- und Grundschulkinder

Schöne neue Spielwelt

Das Softwarepaket Omnitux richtet sich an Kinder im Vor- und Grundschulalter. Ein Autorensystem sorgt für Kontrolle beim Lernen und Spielen.

Gerade auf Kinder im Vor- und Grundschulalter übt der Computer eine magische Anziehungskraft aus. Um dieses Interesse in die richtigen Bahnen zu lenken und für die Kinder gleichzeitig einen Lerneffekt erzielen, brauchen Sie altersgerechte Software. Linux bietet Ihnen dabei wesentlich mehr Flexibilität als proprietäre Systeme und Lösungen: Bei deren Konzeption steht in vielen Fällen weniger die kindliche Entwicklung im Vordergrund als vielmehr das kommerzielle Interesse des Herstellers.

Speziell die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen, die noch nicht lesen und schreiben können, taucht bei Software-Entwicklern zudem selten als Zielgruppe auf. Für diese Kinder eignen sich primär Programme, die auf spielerische Weise kognitive Fertigkeiten wie Konzentration, Zuordnung, Assoziation und Gedächtnis trainieren.

Die recht neue Spielesammlung Omnitux legt genau hierauf den Fokus. Sie steht zudem als freie Software unter der GPL und liegt seit kurzem in der Version 1.0.0 auf dem Server [1]. Omnitux besteht aus einem grafisch und multimedial anspruchsvoll gestalteten Bündel von Spielen, die die verschiedenen Aspekte der Entwicklung kleinerer Kinder berücksichtigen.

Installation

Auf der Projektseite sowie auf der Heft-DVD finden Sie vorkompilierte Pakete sowohl für Fedora und OpenSuse als auch für auf Debian basierende Distributionen. Verwenden Sie keine Distribution, die auf RPM- oder DEB-Pakete setzt, laden Sie Omnitux als Quellcode von der Projektseite herunter und kompilieren es selbst. Ein Download in akzeptabler Zeit setzt jedoch eine schnelle Netzwerkanbindung voraus, da das Programmpaket mehr als 125 MByte umfasst.

Im Test ließen sich auf Anhieb allerdings weder das RPM- noch das DEB-Paket unter aktuellen Distributionen installieren, da Omnitux für einen reibungslosen Betrieb das Python-pygame-Archiv zwingend benötigt, und zwar in einer neuen Variante ab Version 1.7. Das erhalten Sie fertig kompiliert für OpenSuse [2], verschiedene Fedora-Systeme [3] und für Ubuntu [4].

Nach Installation des PyGame-Pakets ließ sich die eigentliche Software problemlos auf die Festplatte packen. Die Routine legt dabei unter Gnome – sofern nicht schon vorhanden – im Menü Anwendungen ein Untermenü Bildung an, in dem Sie den Starter für Omnitux finden.

Omnitux startet mit einem kleinen Ruckler im Vollbildmodus, wobei es die Größe der Grafiken automatisch der jeweiligen Auflösung anpasst. Der Startbildschirm erscheint auch für kleine Kinder verständlich und einfach zu bedienen: Aus der Mondperspektive sehen Sie eine kleine Weltkugel mit dem Pinguin Tux davor. Um dieses Symbol herum finden sich neun Spielegruppen und zuoberst ein Auswahlfeld für die Sprachwahl. Oben rechts im Bild befindet sich ein kleiner Schalter zum Verlassen des Programms. Die jeweilige Auswahl nehmen Sie ausschließlich mit der Maus vor, wobei als Mauszeiger das Symbol einer überdimensionierten rechten Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger zum Einsatz kommt.

Einfache Navigation

Generell folgt das Bedienkonzept von Omnitux einer einfachen Regel: Eine weiße Hand in blauem Kreis mit ausgestrecktem Zeigefinger am Rand eines Auswahlfensters bedeutet stets, dass ein Klick hierauf ein Menü zurück führt. Befindet sich eine geöffnete Tür mit einem Pfeil im roten Kreis im Übungsfenster, so bedeutet dies, dass ein Klick die jeweilige Lektion beendet und das Programm zur Gruppenauswahl zurückkehrt.

Innerhalb der Auswahlfenster gruppieren sich die einzelnen, durch ein Symbol visualisierten Lektionen jeweils um die mittig angeordnete Weltkugel. So sehen Sie alle Übungen einer Untergruppe auf einen Blick. Berührt der Mauszeiger eines der Symbole, so zeigt die Software am unteren Bildrand das Thema der Lektion an. Die konsequente Verwendung dieser wenigen, eingängigen Symbole macht die Software auch für Ungeübte leicht verständlich (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die einfache Oberfläche eignet sich bestens für kleine Kinder.

Nach dem ersten Start stellen Sie zunächst die Lokalisation der Software richtig ein. Omnitux unterstützt neben Deutsch auch Englisch, Französisch, Polnisch und Portugiesisch. Die gewünschte Sprache erreichen Sie durch Klicken auf die entsprechenden Flaggen im Hauptfenster.

Direkt nach dem Start der Spielesammlung ertönt meditative Musik. Sämtliche Spiele und Übungen von Omnitux haben die Entwickler mit verschiedenen Kompositionen unterlegt, die selbstverständlich unter freien Lizenzen stehen. Zusätzlich untermalt das Programm in einigen Lektionen Zahlen und Buchstaben akustisch. Damit sich kleine Kinder die Symbole besser einprägen, benennt ein Sprecher beispielsweise beim Abheben von Memory-Karten das Gezeigte.

Abwechslung

Durchaus anspruchsvoll und abwechslungsreich verzweigt das Auswahlfeld Kunst in ein Untermenü mit verschiedensten Übungen: So finden sich hier nicht nur Spiele mit musikalisch-künstlerischem Thema, sondern auch geografische Lektionen. In diesen gilt es, Fotos mit Bauwerken entweder anhand einer Deutschland- oder einer Weltkarte einem Ort zuzuordnen (Abbildung 2). Selbst Erwachsene, die nicht alle architektonischen Wahrzeichen kennen, lernen hier noch etwas dazu. Ein Zufallsgenerator sorgt für ständig wechselnde Motive innerhalb einer Übungsgruppe.

Abbildung 2: Bei den Geografie-Lektionen lernen oft auch Erwachsene noch etwas dazu.

Die Übungen in der Gruppe Puzzles stellen bereits höhere Anforderungen an den Anwender. Daher erlaubt es die Software, bei den meisten Spielen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade einzustellen. Kleine Tux-Symbole symbolisieren dabei die verschiedenen Stufen. Auch kleinen Kindern erschließt sich sofort: Je mehr Pinguine sich aneinander scharen, desto komplizierter fällt die Lektion aus.

Im Bereich der (noch nicht lokalisierten) Rubrik Differences bietet die Software anhand von realen Fotos und Cartoons Übungen, um die visuelle Auffassungsgabe und die Konzentrationsfähigkeit zu fördern. Ähnlich wie auf einem Blatt Papier gilt es, die Unterschiede zwischen zwei vordergründig gleichen Bildern zu markieren. Nach einem Mausklick an der richtigen Stelle setzt die Software automatisch rote Kreise an die jeweiligen Bildbereiche. Da es nur zwei Bilder in kräftigen Farben zu vergleichen gilt, fallen diese Lektionen auch kleinsten Kindern leicht (Abbildung 3).

Abbildung 3: Wer genau hinsieht, findet die Unterschiede zwischen den beiden Bildern.

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