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Weltoffen

Smartphone Palm Pre

19.04.2010
Mit dem auf Linux basierenden Touchscreen-Smartphone Pre macht Palm dem Apple iPhone optisch, haptisch, technisch und in Sachen Offenheit ernsthaft Konkurrenz.

Manche Leute glauben noch heute, Palm [1] hätte den PDA erfunden. Das stimmt zwar nicht – tatsächlich war das erste Produkt der Firma 1993 ein rechter Flop –, es zeigt aber den Stellenwert des Unternehmens im Markt für Taschencomputer. Der beruht nicht zuletzt auf dem 1996 eingeführten, stiftgesteuerten Palm Pilot, der sich in immer neuen Versionen hunderttausendfach verkaufte. Rasch wurde der Begriff Pilot quasi zum Synonym für PDA, und auch eine entsprechende Synchronisationssoftware für Linux trägt diesen Namen.

Zum Erfolg der Palm-Pilot-Serie trug nicht zuletzt deren Betriebssystem PalmOS bei, das besonders durch seine Art der Dateneingabe auffiel, eine Art Handschrifterkennung: Auf rechteckige Eingabeflächen im Display schreibt man mit einem Stift Buchstaben und Ziffern ("Grafitti"). Dazu gibt es eine optionale Bildchirmtastatur und vier Tasten. Das schlichte Bedienkonzept sprach offensichtlich die Anwender an, PalmOS erreichte fünf Major Releases.

Von PalmOS zu WebOS

Als Mobiltelefone und PDAs begannen, zu Smartphones zusammenzuwachsen, wurde jedoch bald klar, dass PalmOS bald nicht mehr in der Lage sein würde, die aus der neuen Hardware erwachsenden Anforderungen zu erfüllen. Daher begann Palm mit der Entwicklung eines neuen Betriebssystems für seine Geräte, das unter dem Codenamen "Nova" lief und 2009 als WebOS das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Bei WebOS handelt es sich um ein Multitasking-Betriebssystem, das auf einen Linux-Kernel aufsetzt. Während dieser der GPL untersteht, gilt das für das Betriebssystem selbst nicht: WebOS selbst ist proprietäre Software und Closed Source.

In Sachen Bedienung hat Palm das Betriebssystem konsequent auf die Anforderungen der Smartphone- und Web-2.0-Generation getrimmt: Ein kapazitiver Touchscreen dient als Eingabemedium, die Finger als Bedienelement. Anders als der Vorgänger PalmOS kommt WebOS mit einer Vielfalt von Verbindungsprofilen und -Technologien zurecht. Alle Daten gleicht das System mit Internet-Diensten ab, statt sie ausschließlich auf dem Gerät selbst zu speichern. Moderne Softwarekomponenten wie Webkit sorgen dabei optimale Darstellung.

Als erstes Gerät mit dem neuen System lieferte Palm ab Juni 2009 in den USA das Smartphone Palm Pre [2] aus. Seit Mitte Oktober ist das Gerät auch in Deutschland exklusiv beim Anbietern O2 [3] zu haben.

Die Hardware

Im rundlichen, knapp handflächengroßen hochglanzschwarzen Kunststoffgehäuse des Palm Pre steckt recht ordentliche Hardware (siehe Tabelle "Palm Pre – technische Daten"). Die Basis bildet ein System-on-Chip des Typs OMAP3430 von Texas Instruments. Als Prozessor dient eine ARM-CPU Cortex A8, die bis zu 600 MHz Taktrate verträgt, von Palm jedoch auf 500 MHz untertaktet wurde. Die Bildschirmansteuerung übernimmt eine PowerVR-SGX-530-Chip, unterstützt von einem ISP (Image Signal Processor). Für Multimedia-Power sorgt daneben ein mit 430 MHz getakteter DSP des Typs C64x+.

Als Arbeitsspeicher stehen 256 MByte RAM zur Verfügung. Zur Datenspeicherung gibt es 8 GByte Flash, von denen der Anwender allerdings nur knapp 7 GByte nutzen kann. Beides erweist sich in der Praxis zwar als mehr als ausreichend, nicht aber als wirklich üppig: Dank der leistungsfähigen Hardware und des Multitasking-OS tendieren viele Anwender dazu, Anwendungen nach Gebrauch nicht zu schließen, sondern im Hintergrund einfach weiterlaufen zu lassen. Ab etwa einem Dutzend offener Anwendungen wirkt der sonst wieselflinke Pre dann gelegentlich etwas träge. Und die Multimedia-Fähigkeit verleiten dazu, den Flash-Speicher rasch mit Videos, Musikstücken und Dokumenten zu füllen. Da wird es auf 7 GByte schnell etwas eng – und der Pre besitzt keinen Card-Slot, über den sich der Massenspeicher flexibel erweitern ließe. Diese Probleme kennt auch Palm und will im Laufe des Jahres mit einem Pre Plus kontern: Er wird verdoppelten Arbeits- und Massenspeicher aufweisen.

Das 3,1-Zoll-TFT-Display des Pre zeigt bei 24 Bit Farbtiefe 320 mal 480 Pixel in brillanten Farben an und regelt seine Helligkeit stromsparend über einen Umgebungslichtsensor nach. Bewegt man das Smartphone zum Telefonieren ans Ohr, schaltet ein Näherungssensor den Bildschirm ganz ab. Der Dritte im Sensor-Bund ist ein Lage- und Beschleunigungsmesser, der unter anderem beim Kippen des Geräts dafür sorgt, dass dafür geeignete Anwendungen wie etwa der Webbrowser ins Querformat wechseln. Diese Funktion unterstützt beispielsweise auch die Kamera-Applikation für die eingebaute 3,2-Megapixel-Digicam, die – nötigenfalls mithilfe eines LED-Blitzes – recht scharfe Bilder liefert und auch Videos erstellen kann.

Verbindung zur Außenwelt nimmt der Palm Pre via GSM und UMTS, über WLAN und per Bluetooth auf. Details dazu finden Sie in der Tabelle "Palm Pre – technische Daten". Gerade für die Internet-Konnektivität erweist sich die WLAN-Anbindung gegenüber dem hierzulande oft recht dünnen Mobilfunk als wahrer Segen. Neben den drahtlosen Techniken kommt auch ein Kabel zum Zug: Über die mitgelieferte Micro-USB-Strippe lässt sich der Pre als Massenspeicher am PC betreiben (Abbildung 1). Während das Telefon als USB-Laufwerk verwendet wird, lassen sich allerdings weder Anrufe noch SMS senden oder empfangen, wovor der Pre vor Aufnahme dieser Betriebsart mehrmals nachdrücklich warnt.

Abbildung 1: Der Palm Pre präsentiert als Massenspeicher eine übersichtliche Ordnerstruktur, in deren Root sich sogar eine Kopie der GPL findet.

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