Multitalent

Englisch lernen leicht gemacht

Wie eh und je benötigen Sprachschüler auch im digitalen Zeitalter ein Wörterbuch, um sich die Vokabeln der zu erlernenden Sprache anzueignen. Heute gesellen sich elektronische Wörterbücher den herkömmlichen gedruckten Werken hinzu – meist aber, ohne die Möglichkeiten des Computers auszunutzen. Anders das einsprachige Longman Dictionary of Contemporary English (DCE) – mit ihm wird das Erlernen der englischen Sprache zum echten Erlebnis.

Dabei beeindruckt das Lexikon bereits quantitativ: Laut Hersteller [1] bietet das einbändige Nachschlagewerk 250 000 Erklärungen zu Begriffen und Phrasen, 165 000 Beispiele sowie 18 000 Synonyme und Antonyme. Zudem finden sich grammatikalische Hinweise in großer Zahl. Besonderen Wert legte der Hersteller ganz offensichtlich auf eine gute Verständlichkeit der Erklärungen auch für weniger versierte Nutzer. So genügt das Verständnis von nur etwa 2000 Wörtern des Allgemeinwortschatzes für alle wichtige Definitionen, so dass auch Anfänger sie leicht erfassen.

Auf den ersten Blick erscheinen diese Zahlen wenig spektakulär. Die wahren Qualitäten des Longman DCE offenbaren sich erst, wenn man die sowohl zur Paperback- als auch zur gebundenen Ausgabe erhältliche DVD-ROM näher in Augenschein nimmt.

Longman DCE im Überblick

Longman Dictionary of Contemporary English -- New Edition

Langenscheidt, München 2010

2112 Seiten, DVD-ROM

Hardcover: ISBN 978-3-526-51679-8, 35,95 Euro

Kartoniert: ISBN 978-3-526-51680-4, 30,95 Euro

Systemvoraussetzungen: CPU 350 MHz, 256 MByte RAM

Komplett überarbeitete Installation

Während sich die ältere, noch auf zwei CD-ROMs gelieferte Ausgabe des Longman DCE unter Linux nur etwas umständlich installieren ließ und bei manchen weniger gängigen Distributionen ernste Probleme bereitete, wurde die Installationsroutine für die aktuelle fünfte Ausgabe des Nachschlagewerks komplett modifiziert. Laut Hersteller gestalten sich die Hard- und Softwarevoraussetzungen eher moderat. So reichen eine CPU mit 350 MHz Taktfrequenz sowie 256 MByte Arbeitsspeicher aus, als Betriebssystem genügt das nicht mehr ganz taufrische Ubuntu 5.10. Selbstverständlich lässt sich das Longman Dictionary jedoch auch auf anderen, nicht der Debian-Entwicklungslinie abstammenden Distributionen problemlos installieren und nutzen.

Wir testeten das Lexikon unter Ubuntu 8.04.1 und 9.10 sowie OpenSuse 11.1. Die Einrichtung auf der Festplatte geht denkbar einfach vonstatten: Nach dem Einlegen und Mounten der DVD-ROM wechseln Sie im Terminal in deren Unterverzeichnis linux und führen das Shellskript setup.sh aus. Daraufhin startet entweder eine Routine im Textmodus mit blauem Hintergrund oder (unter Ubuntu 8.04.1) – ein grafischer Installer.

Der Einrichtungsassistent lässt sich zunächst die proprietäre Lizenz bestätigen, um dann den Installationspfad und die zu konfigurierenden Komponenten des Nachschlagewerkes abzufragen. Möchten Sie alle Komponenten des DCE nutzen, belegt die Vollinstallation rund 2,4 GByte Platz auf der Platte. Die Einrichtungsroutine prüft, ob der angegebene Pfad genügend freien Speicher bietet, und verweigert die Installation, falls die Kapazität nicht ausreicht. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, packt der Installer das Nachschlagewerk ohne weitere Abfragen auf die Festplatte.

Zum Abschluss legt der Installer zwar einen Starter auf der Arbeitsoberfläche an, nimmt aber keine Einträge in Menüs vor: Die müssen Sie gegebenenfalls manuell anlegen. Mit einem Klick auf den Starter aktivieren Sie das Lexikon. Lediglich Ubuntu 9.10 fällt hier aus dem Rahmen, indem es beim ersten Aufruf des Longman DCE in einem Fenster nachfragt, ob die Software vertrauenswürdig sei? Sofern Sie auf den Schalter Als vertrauenswürdig markieren klicken, startet es die Software ordnungsgemäß, und die überflüssige Abfrage entfällt zukünftig.

Etwas behäbig

Die Retrieval-Software des Longman DCE basiert auf einer älteren Version des Mozilla-Browsers mit diversen Plugins und startet daher auch auf schnellen Rechnern mit leichter Verzögerung. Im laufenden Betrieb zeigen sich jedoch keinerlei Geschwindigkeitseinbußen. Nach dem Start präsentiert sich das Wörterbuch in einem aufgeräumten Fenster mit insgesamt zwölf bebilderten Kategorien. Eine klassische Menüleiste sucht man im Hauptfenster vergebens (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Aufgeräumt und übersichtlich: Das Hauptfenster des Longman DCE.

Anstelle einer herkömmlichen Dokumentation haben sich die Entwickler etwas Besonderes einfallen lassen, um den Anwender mit den Möglichkeiten des Nachschlage- und Übungswerks vertraut zu machen: Unten links findet sich im Programmfenster eine Schaltfläche Guided Tour, die in ein zweigeteiltes Fenster verzweigt. Dort finden sich links die wichtigsten Funktionen des eigentlichen Wörterbuches übersichtlich aufgelistet, rechts stehen thematisch geordnet Stichwörter zu den besonderen linguistischen Funktionen, die die Software bietet (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Multimediale Hilfestellung soll den Umgang mit dem Lexikon erleichtern.

Hierzu gehören unter anderem ein sogenannter Language Activator, ein Writing Assistant, ein Vocabulary Trainer sowie Übungs- und Lehrmaterialien. Die hier aufgeführten Kategorien korrespondieren mit den Schaltflächen im Hauptfenster der Software. Wenn Sie nun auf einen der Themenbereiche klicken, öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem ein hochauflösendes Flash-Video die jeweilige Funktion quasi live demonstriert. Dazu gibt ein Sprecher Erläuterungen in englischer Sprache.

Hier zeigten sich jedoch leichte Schwächen, da die Filmsequenzen sehr viel Rechenleistung beanspruchen. Das führt gelegentlich selbst auf Rechnern mit hohen Taktfrequenzen zu einer stotternden Tonwiedergabe, sodass die Videos für weniger geschulte Anwender nur eingeschränkte Hilfestellung bieten. Leider scheint die Ursache für dieses Manko in dem beim Longman DCE mitgelieferten, veralteten Flash-Player in der Version 9.0.31.0 zu liegen. Verschiedene Änderungen an der Audiokonfiguration der einzelnen Testdistributionen brachten keine Besserung. Lediglich die Verminderung der Wiedergabequalität (durch Rechtsklick im Flash-Player und entsprechende Auswahl im Menü) verbesserte die Audiowiedergabe rudimentär.

Allgemeines multimedial

Das eigentliche Allgemeinwörterbuch aktivieren Sie durch einen Klick auf die Schaltfläche oben links im Hauptfenster. Sodann führt sie das Programm in eine dreigeteilte Oberfläche. In deren größter, mittig angeordneter Spalte erscheint der Suchbegriff mitsamt Lautschrift sowie einer ausführlichen Erklärung, oft auch mit Beispielen (Abbildung 3). Verschiedene Farben und Schriftgrößen ermöglichen, Besonderheiten wie beispielsweise abgewandelte Begriffe leicht zu unterscheiden. Bei nahezu allen Suchwörtern finden sich zudem zwei kleine Lautsprechersymbole in blauer und roter Farbe. Ein Mausklick auf eines der beiden Symbole stößt die akustische Wiedergabe des Begriffs an, wobei der rote Lautsprecher das betreffende Wort in britischem Englisch nennt, der blaue Lautsprecher dagegen in amerikanischem Englisch.

Abbildung 3

Abbildung 3: Ein Füllhorn an Informationen bietet das herkömmliche Wörterbuch.

In der linken, kleinen Spalte findet sich die Suchfunktion samt erweiterter Suchmaske. Die rechts im Fenster angeordnete Spalte bietet unterschiedliche Verweise, unter anderem auf Synonyme. Hier residiert auch die Rubrik Pronunciation, die per Mausklick eine Fülle von begriffsspezifischen Beispielen anzeigt. Diese können Sie sich alle vorlesen lassen und erfahren so auch in schwierigen Fällen die korrekte Aussprache und Betonung.

Anders als im Hauptfenster gibt es in den einzelnen Modulfenstern jeweils am oberen Rand rechts eine Menüleiste für die wichtigsten Einstellungen. Hier wählen Sie unter anderem aus, ob die Software Begriffe zuerst in amerikanischem oder britischem Englisch wiedergibt und welche Schriftgröße sie verwendet. Die zwar vorhandene Schaltfläche Help bietet allerdings nur eine grobe Gesamthilfe, die nicht kontextsensitiv arbeitet. Eine weitere Leiste mit Schaltflächen direkt über dem eigentlichen Arbeitsbereich in den einzelnen Fenstern gestattet den schnellen Wechsel zu anderen Kategorien: Hier räumen Sie per Mausklick grammatikalische Zweifel aus oder wechseln zu den Übungseinheiten. Ein Vokabeltrainer lässt sich hier ebenso schnell aktivieren wie ein sogenannter Writing Assistant, der in einem kleinen Fenster nur die wichtigsten Funktionen bietet.

Lernmittel

Neben den eigentlichen Funktionen eines Nachschlagewerks bietet das Longman DCE auch eine Fülle von Materialien sowohl für den Sprachschüler als auch für den Lehrenden. Die Schaltfläche Exercises – im Hauptfenster links in der mittleren Reihe angeordnet – verzweigt in einen zweigeteilten Bildschirm, in dessen linker Spalte Sie Übungen nach Themenbereichen sortiert auswählen. Im rechten, größeren Bereich des Fensters lassen sich dann die hinterlegten Lektionen im Multiple-Choice-Verfahren durcharbeiten. Die Auswahl der einzelnen Themenbereiche nehmen Sie mithilfe einer horizontal angeordneten Schlagwortleiste vor, die von der Schaltfläche Grammar bis zum Exam Practice insgesamt acht Module bietet (Abbildung 4).

Abbildung 4

Abbildung 4: Nicht nur auf rein sprachliche Trockenübungen beschränkt: die Lektionen des Longman DCE.

Das Modul Exam Practice bereitet den Schüler auf verschiedene anerkannte Sprachtests vor. Dabei bedient sich das Wörterbuch multimedialer Elemente und gestattet es beispielsweise, Lektionen zum Sprachverständnis mithilfe von vorgesprochenen Audiodateien praxisnah zu bearbeiten.

Auch Lehrer an allgemeinbildenden Schulen profitieren vom Materialschatz des Lexikons. So finden Sie unter dem Reiter Teacher Resources im Hauptfenster eine Fülle von Arbeitsmaterialien, die sich sinnvoll in die drei Rubriken Worksheet, Quiz und Homework untergliedern. In diesen Sparten finden sich mehrere hundert vorgefertigte PDF-Dateien, die Sie ausdrucken und an die Schüler verteilen können (Abbildung 5). Zu jeder Lerneinheit wird kurz das vorgegebene Lernziel erläutert, was eine gezielte Auswahl anhand der Unterrichtsinhalte ermöglicht. Ubuntu öffnet die PDF-Dateien nach einem Mausklick auf den entsprechenden Link in Evince oder – sofern installiert – dem Adobe Reader. OpenSuse dagegen bemüht standardseitig Gimp, sofern der Adobe Reader nicht installiert ist.

Abbildung 5

Abbildung 5: Vorgefertigte Arbeitsblätter und Materialien bieten auch für den Pädagogen erheblichen Nutzen.

Aktivierend

In allen Sprachen gibt es unzählige Begriffe mit mehreren Bedeutungen, die es jeweils kontextsensitiv zu verwenden gilt. Für den Lernenden kommt es darauf an, das in einem Sachzusammenhang jeweils treffende Wort zu kennen, wobei ein herkömmliches Wörterbuch nur begrenzt Hilfestellung bieten kann. Das Longman Dictionary nutzt zu diesem Zweck den Language Activator, den Sie durch einen Klick im Hauptfenster auf den Reiter Activator aufrufen.

Im sich öffnenden Fenster erhalten Sie nun durch Eingabe des Suchbegriffs im linken Bereich eine Liste aller Bedeutungen des entsprechenden Worts. Diese zeigt das DCE mittig im Fenster durchnummeriert an. Im rechten Bereich erläutert es detailliert die unterschiedlichen Bedeutungen, wobei es zu jeder mehrere Beispiele in kursiver Schrift aufführt. So finden Sie auch für schwierige Zusammenhänge schnell die korrekten Vokabeln (Abbildung 6).

Abbildung 6

Abbildung 6: Der Activator hat stets das passende Wort parat.

Fazit

Den sehr positiven Eindruck, den bereits das ältere Longman DCE hinterlassen hat [2], bestätigt die aktuelle fünfte Ausgabe des Nachschlagewerkes erneut auf eindrucksvolle Weise. Die Entwickler leisteten nicht nur Feinarbeit an der Oberfläche, den Lehrinhalten sowie dem linguistischen Teil, sondern vereinfachten auch durch Verwendung des Mediums DVD-ROM die Installation erheblich.

Durch die Integration von Lehrmaterialien und Übungseinheiten geht der Umfang des Longman DCE weit über den eines herkömmlichen Lexikons hinaus. So lässt sich das Werk dank der Vorbereitungslektionen auf verschiedene Zertifizierungen auch in der Erwachsenenbildung einsetzen. Für die Unterrichtsvorbereitung an allgemeinbildenden Schulen leistet das Wörterbuch wertvolle Arbeit durch hunderte von PDF-Dateien mit Hausaufgaben und Arbeitsblättern, die der Pädagoge anhand der aufgeführten Lernziele auswählen kann. Dabei lässt sich die Software durch die intuitiv zu bedienende Oberfläche sofort und ohne eine aufwendige Einarbeitung nutzen.

Das einzige Manko stellt die nur eingeschränkt nutzbare Guided Tour dar, die zwar als multimedialer Ansatz einen gewissen Reiz ausübt, sich jedoch aufgrund der Ressourcenprobleme des veralteten Flash-Players in vielen Fällen nicht wirklich sinnvoll einsetzen lässt. Wer auf diese Hilfestellung nicht angewiesen ist, findet im Longman Dictionary of Contemporary English jedoch ein Lern- und Arbeitsmittel, das es in dieser umfangreichen und durchdachten Form kein zweites Mal gibt. 

Infos

[1] Longman DCE (Langenscheidt): http://www.langenscheidt.de/dce/

[2] Test der Vorversion: Erik Bärwaldt, "Klassenbester", LinuxUser 06/2007, S. 72, http://www.linux-community.de/13038

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