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© Utzel Butzel, photocase.com

Farbenspiel

Helligkeit und Farben in Gimp

09.04.2010 Zu helle, zu dunkle oder kontrastarme Bilder wirken wenig attraktiv und oft künstlich oder flau. Gimp bietet eine breite Palette an Werkzeugen, um solchen Mängeln abzuhelfen.

Die Werkzeuge zum Anpassen von Helligkeit, Kontrast und Farbbalance eines Fotos zählen zu den am häufigsten genutzten Komponenten einer Bildbearbeitungssoftware. Gimp [1] bietet in dieser Hinsicht eine große Anzahl an Möglichkeiten, die denen professioneller Fotobearbeitungssuiten kaum nachstehen. Auf den Seiten von FX-Foundry [2] und der Gimp Plugin Registry [3] stehen zudem noch dutzende weiterer Filter bereit, die diese Aufgaben vereinfachen.

Helligkeit und Kontrast

Das Histogramm gilt als eines der wichtigsten Hilfsmittel beim Bearbeiten von Helligkeit und Kontrast. Es visualisiert die Verteilung der Pixel im Bild. Sie aktivieren diese Funktion, indem Sie im Gimp-Dock auf das kleine Dreieck rechts oben klicken und aus dem Ausklappmenü Reiter hinzufügen | Histogramm wählen.

Im Histogramm steht die horizontale Achse steht für die Helligkeit (links dunkel, rechts hell), die vertikale für die relative Häufigkeit. Im Dropdownmenü Kanal stellen Sie ein, ob das Histogramm die Summe aller Helligkeiten (Wert) oder nur die der Rot-, Grün- oder Blau-Komponente anzeigt. RGB überlagert alle drei, Alpha visualisiert die Werte des Alphakanals.

Sehr dunkle Bilder zeigen ihr Maximum auf der linken Seite, sehr helle auf der rechten. Besondere Vorsicht gilt es stets dann walten zu lassen, wenn mehr oder weniger breite vertikale Balken an einer der Seiten auftreten. Diese weisen in der Regel auf eine falsche Belichtung hin.

Als hilfreiches Werkzeug erweist sich der Zeiger, den Sie über Reiter hinzufügen | Zeiger ins Dockfenster einbinden. Dieses Modul zeigt permanent die RGB-Werte der Pixel unter dem Mauszeiger und hilft so beispielsweise nachzuprüfen, ob die Kamera oder der Monitor den leichten Rotstich beim weißen Hemd verursacht.

Gimp versammelt im Menü Farben des Bildfensters eine Reihe von Werkzeugen, um die Helligkeiten und Kontraste zu beeinflussen. Viele Anwender verwenden daraus häufig Helligkeiten/Kontrast... für erste Einstellungen. Das Tool erlaubt zwar das schnelle und einfache Bedienen, allerdings beeinflusst es auch die Farben etwas. Die Wirkung zeigt sich sowohl im Bild als auch im Histogramm: Letzteres stellt die ursprünglichen Werte als hellgraues Diagramm dar, die Veränderungen als schwarzes.

Reichen die Möglichkeiten dieses Filters nicht aus, wechseln Sie mit einem Klick auf Diese Einstellungen als Werte bearbeiten ins Fenster Farbwerte (Abbildung 1). Es zeigt im oberen Teil ebenfalls ein Histogramm an. Als Quellwerte bezeichnet Gimp hier die in der aktuellen Ebene vorhanden Pixel und Werte, die Zielwerte kennzeichnen die Pixelwerte nach dem Anwenden des Werkzeugs.

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Werkzeug

Unter dem Histogramm befinden sich drei kleine Schieberegler, angedeutet mit einem schwarzen, einem weißen und einem grauen Dreieck. Alle Pixel links vom schwarzen Dreieck bildet Gimp als schwarz mit der Helligkeit Null ab. Umgekehrt erhalten Pixel rechts vom weißen Dreieck die maximale Helligkeit 255. Das mittlere, graue Dreieck verschiebt die Gewichtung der Helligkeit. Damit steuern Sie die Bildstimmung: Das Verschieben nach rechts dunkelt das Bild ab, das Verschieben nach links hellt es auf.

Da das Werkzeug auch die drei Grundfarben (RGB) bearbeitet, bietet es sich auch als gute Möglichkeit an, die Farben zu korrigieren. Normalerweise sollten Sie ohnehin zunächst die Helligkeiten der einzelnen Farben anpassen, bevor Sie die Gesamthelligkeit verändern. In kniffligen Fällen wiederholen Sie die Anpassungen mehrmals, ohne das Werkzeug zwischenzeitlich zu schließen. Zunächst gilt es, die Ränder der verschiedenen Farbkomponenten in der Reihenfolge Rot, Grün und Blau anzupassen. Sofern anschließend die Gewichtung noch nicht stimmt, stellen Sie diese nun mit dem mittleren Regler in der gleichen Reihenfolge ein. Erst wenn der Gesamteindruck farblich stimmig ausfällt, korrigieren Sie die die Helligkeit.

Mit einem Klick auf den Schalter Diese Einstellungen als Kurven bearbeiten gelangen Sie zu den sogenannten Gradationskurven. Das Werkzeug Kurven (Abbildung 2) stellt die High-End-Schnittstelle zum Bearbeiten von Farben dar. Auch dieses Fenster zeigt ein Histogramm mit den aktuellen Einstellungen. Die diagonale Linie darin lässt sich fast beliebig verbiegen. Mit ihr stellen sie den Helligkeitsverlauf des Bildes für jeden Farbkanal im Detail ein. Jeder Mausklick auf die Linie erzeugt einen neuen Anfasser, den Sie mit der Maus verschieben. Überflüssige Anfasser schieben Sie übereinander, woraufhin sie verschwinden.

Abbildung 2

Abbildung 2: Gradationskurven erlauben das feine Aussteuern der Helligkeiten, sind für den Ungeübten allerdings schwer zu bedienen.

Der Mauszeiger verwandelt sich bei diesem Werkzeug in eine Farbpipette, sobald er über dem Bildfenster erscheint. Ein Klick ins Bild bewirkt, dass Gimp den gewählten Bereich als vertikale Linie im Kurvenhistogramm anzeigt. Auf diese Weise finden Sie schnell heraus, wo Sie die die Kurven anpassen müssen. Auch hier sollten Sie zunächst die Farbkomponenten getrennt bearbeiten, erst danach die Gesamthelligkeit.

TIPP

Oft ähnelt der Verlauf der Gradationskurve einem schrägen "S". Je steiler es steht und je größer die Bögen ausfallen, desto kontrastreicher erscheint das Bild. Mit dieser Methode peppen Sie flaue und kontrastarme Bilder schnell auf.

Farben und Farbmodelle

Gimp kann mit zwei verschiedenen Farbmodellen umgehen, deren Einstellungen Sie getrennt nach Vorder- und Hintergrundfarbe über die gleichnamigen Schaltfläche im Werkzeugkasten anpassen (Abbildung 3). Das erste heißt HSV-, das zweite RGB-Modell. Das Anpassen erfolgt meist in zwei oder drei Schritten: Zunächst wählen Sie über die vertikalen Balken R, G und B grob den gewünschten Farbton aus, die richtige Nuance stellen Sie im großen Rechteck links davon ein. Danach bestimmten Sie mit den Reglern die Helligkeit (V, "Value") und Sättigung (S, "Saturation"); H ("Hue") steuert den Farbton.

Abbildung 3

Abbildung 3: Der Farbwähler für die Vorder- und Hintergrundfarbe enthält einige der Farbmodelle, mit denen Gimp arbeitet.

In diesem Fenster zeigen die Regler viele wesentliche Zusammenhänge bei den Farben. Verändern Sie die Position eines Schieber, führt das unweigerlich zu Reaktionen bei den anderen. Modifizieren Sie beispielsweise den Farbton, reagieren auch die RGB-Regler darauf. Umgekehrt verändert jedes Bewegen eines der RGB-Schiebers den Farbton, die Sättigung und Helligkeit. Die oberen drei Regler repräsentieren das RGB-Farbmodell, die drei unteren das HSV-Farbmodell.

Bilder aus Digitalkameras enthalten Farben als RGB-Daten: Jedes Pixel speichert den entsprechenden Farbton, dessen Sättigung und Helligkeit als Rot-, Grün- und Blau-Wert. Die Sensoren handelsüblicher Digitalkameras unterscheiden zwischen 1024 (10 Bit) und 4096 (12 Bit) Helligkeitsstufen pro Farbkanal. Speichert die Kamera die Bilder im JPEG-Format, rechnet sie die Helligkeit jedoch auf 256 Stufen (8 Bit) herunter. Ein interessantes Detail am Rande: Da der Anteil an grünen Farbdetektoren in Kamerasensoren doppelt so hoch ausfällt wie bei den anderen Farben, erzielt Grün die beste Auflösung. Gimp verwendet die RGB-Daten zum Bearbeiten und verwaltet sie in den sogenannten Kanälen im Ebenen-Dialog des Dockfenster.

Einen der Reiter aus dem Fenster Vordergrundfarbe ändern ziert ein Druckersymbol. Diese Geräte mischen ihre Farben aus drei beziehungsweise vier Grundfarben, üblicherweise Cyan, Magenta, Gelb ("Yellow") und Schwarz ("Key"). Daher stammt der Name des Vierfarbmodells CMYK. Im Unterschied zum RGB-Modell, bei dem die Maximalwerte der Grundfarben in der Summe Weiß erzeugen, ist das Ergebnis bei CMYK Schwarz.

Allerdings kann keine der drei genannten Farbmodellfamilien alle vom Menschen wahrnehmbaren Farben beschreiben – das beherrschen nur weniger bekannte Farbmodelle wie etwa L*a*b*. Es stellt Farben relativ abstrakt in Form von Luminiszenzen (Helligkeiten) und den zwei virtuellen Farben a* (Grün bis Rot) und b* (Blau bis Gelb) dar.

TIPP

Alle von Gimp unterstützten Farbmodelle zeigt Farbe | Komponenten | Zerlegen....

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