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Wachablösung?

AVM Fritzbox 7390 und Fritzfon MT-F

20.04.2010
Mit reichlich Verspätung treffen die neue Fritzbox 7390 und das passende Fritzfon MT-F on AVM im Handel ein. Lohnt der Umstieg von den Vorgängermodellen?

Was lange währt, wird endlich gut, heißt es. Träfe das auch auf AVM zu, müsste dem Hersteller mit seinen neuesten Produkten ein ganz großer Wurf gelungen sein: Ein geschlagenes Jahr mussten Interessenten nach der Ankündigung warten, bis das jüngste Fritzbox-Modell 7390 und das passende Fritz-Telefon MT-F in halbwegs ausreichenden Mengen in den Handel kamen.

Erstmals vorgestellt wurden die Geräte zur CeBIT 2009, allerdings nur als funktionslose Mockups. Im Dezember 2009 tauchten einige wenige funktionsbereite Exemplare von Box und Fon bei Online-Versendern auf, deckten aber bei weitem nicht die Nachfrage. Im März 2010 erschien die Box dann in größerer Stückzahl im Handel, sodass AVM auch ein paar Rezensionsexemplare für die Fachpresse freigab. Allerdings zeigte noch zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe Ende März ein Blick in die Bestandsanzeigen vieler Onlinehändler rote Ampeln für "nicht lieferbar".

Sowohl die Fritzbox 7390 als auch das Fritzfon MT-F sind konsequente Weiterentwicklungen ihrer Vorgänger Fritzbox 7270 [1] respektive Fritzfon MT-D. Beide greifen bewährte Technik auf und bereichern sie um neue Ausstattungsdetails und Funktionen. Einige der "neuen" Funktionen hat AVM allerdings per Firmware-Update [2] auch schon den älteren Geräten spendiert.

Fritzbox 7390

Die Top-Version der Fritzbox ist ein auf Linux basiertes Multifunktionsgerät, das die Eigenschaften eines kleinen Geräte-Zoos in sich vereint. Die aktuelle Version 7390 enthält unter anderem zwei Modems: Eines dient zum Anschluss an ADSL-Leitungen, das andere für eine Internetverbindung via VDSL, das derzeit bis zu 100 MBit/s im Downstream ermöglicht. Weiter bringt das Gerät einen Vier-Port-Switch mit, der Daten mit Gigabit-Geschwindigkeit im Netz verteilt. Auch einen einen Dual-Band-WLAN-Access-Point beherbergt die Box. Er ermöglicht drahtlose Netzwerkverbindungen im 2,4- und 5-GHz-Band gemäß IEEE 802.11a/b/g/n. Als weitere Neuerung bietet der Router einen integrierten Fileserver, allerdings nur mit einer Speicherkapazität von 512 MByte.

Der DSL-Anschluss, über den Sie mit einem mitgelieferten Spezialkabel die Verbindung zum DSL und zur Telefonleitung herstellen, befindet sich neben den Ethernet-Ports auf der Gehäuserückseite. Hinzu gesellen sich eine ISDN-S0-Schnittstelle und zwei RJ11-Ports für den Anschluss analoger Kommunikationsgeräte. Ein USB-2.0-Interface sowie der Stromanschluss komplettieren die Rückseite (Abbildung 1).

Abbildung 1: Anschluss für Alle: Die Fritzbox ist nicht nur ein Multitalent, sie erlaubt auch den Anschluss unterschiedlichster Geräte.

An der linken Seite besitzt die Box einen zweiten USB-Port. Das ermöglicht den Einsatz mehrerer USB-Geräte wie Massenspeicher, Drucker oder UMTS-Sticks ohne den Rückgriff auf einen USB-Hub. Auf der rechten Seite des Gehäuses befinden sich zwei weitere analoge, als TAE-Buchse ausgeführte Telefonanschlüsse. Die Vorderseite der Fritzbox schmücken fünf LEDs. Vier davon signalisieren den aktuellen Status von DSL, Festnetz- und Internettelefonie sowie WLAN. Die Funktion des fünften Leuchtdiode legen Sie über das Webinterface selbst fest: Sie haben die Auswahl zwischen zehn verschiedenen Anzeigen.

Drum und dran

Die Oberseite des flachen Multifunktionsrouters dominieren zwei WLAN-Antennen in Form kleiner Flossen. Sie erweisen sich gegen Beschädigung deutlich robuster als herkömmliche Antennen. Zwischen den beiden "Ohren" sitzen zwei Taster: Der linke steuert die Funktion der DECT-Basisstation, der rechte schaltet die WLAN-Stacks an oder aus. Rechts neben den Tastern fällt ein ins Gehäuse eingelassenes Gitter auf, das AVM nach eigenen Angaben erst im Laufe der Produktion der Box hinzugefügt hat. Die ersten Versionen der 7390 lieferte der Hersteller noch ohne diese Belüftung aus, was nach Berichten in diversen Foren nach nicht allzu langer Betriebszeit zum frühzeitigen Hitzetod einiger dieser Exemplare geführt haben soll. Das wollte AVM auf Nachfrage aber nicht bestätigen.

Die tatsächlich recht deutlich fühlbare Wärmeentwicklung der 7390 dürfte auf den verwendeten RISC-Prozessor zurückzuführen sein. Zum Einsatz kommt ein System-on-Chip mit einem MIPS-Core namens "Fusiv Vx180" des kalifornischen Herstellers Ikanos. Das SoC stellt nicht nur Funktionen wie WLAN, xDSL, Gigabit-Ethernet und USB 2.0 bereit, sondern arbeitet auch als digitaler Signalprozessor (DSP) für qualitativ hochwertige VoIP-Telefonie. Laut der Beschreibung des Herstellers [3] verfügt der Chip zudem über verschiedene serielle Schnittstellen, Ikanos benennt als eine der Funktionen Bluetooth. Ob AVM eine entsprechende Implementierung für die Fritzbox plant, ist derzeit nicht bekannt.

Die Inbetriebnahme der Fritzbox per Webinterface geht gut von der Hand. Beim ersten Start bietet ein Einrichtungsassistent seine Hilfe an. Klicken Sie ihn weg und aktivieren Sie stattdessen die Checkbox Expertenansicht aktivieren unter Erweiterte Einstellungen | System | Ansicht. Nun haben Sie für nahezu alle Einstellmöglichkeiten freie Bahn. Negativ fällt auf, dass sich die Konfiguration einer (eventuell zu ersetzenden) Fritzbox 7270 nicht auf die 7390 übertragen lässt. Vor allem bei größeren Arrangements mit mehreren Telefonen und Faxgeräten steht entsprechend beim Neueinrichten viel Arbeit bevor (Abbildung 2). Wenigstens den Import des alten Telefonbuchs gestattet die neue Fritzbox. Ansonsten gibt es am Web-Frontend und den Konfigurationsmöglichkeiten wenig zu bemängeln. Wer bereits einmal eine Fritzbox eingerichtet hat, findet sich auch im Setup der 7390 schnell zurecht.

Abbildung 2: Vielfalt: Nahezu jedes Telekommunikationsgerät arbeitet mit der Fritzbox zusammen. So entsteht eine durchaus anständige Telefonzentrale.

Einmal in Betrieb genommen erledigt die Fritzbox ihre Arbeit meist erwartungsgemäß. Allerdings hatten wir mit unserem Testgerät ein wenig Pech: Wie schon beim Test der 7270 vor knapp zwei Jahren wollte das WLAN nicht so recht in Fahrt kommen. Dank des sehr engagierten AVM-Support-Teams, vielen E-Mails mit Tipps und Ratschlägen zur Fehlerbehebung, einigen neuen (wenn auch inoffiziellen) Firmware-Updates und schließlich einem Austauschgerät klappte es dann doch noch. Auf Nachfrage teilte uns die Pressestelle mit, von den WLAN-Problemen sei nur ein kleiner Kreis von Fritzbox-7390-Besitzern betroffen. Ein Blick in Foren und Weblogs scheint diese Aussage zu bestätigen: Dort tauchen nur wenige Berichte über fehlerhafte Boxen auf, jedoch loben viele Anwender AVMs guten Service [4].

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