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© Ann Triling, 123rf.com

Videoschnitt mit Openshot

Kleines Kino

Openshot sorgt für frischen Wind in der Video-Editor-Szene: Das pfiffige Schnittprogramm verhilft auch Einsteigern schnell zu ansehnlichen Ergebnissen.

Anfang 2008 probierte Jonathan Thomas zum ersten Mal Ubuntu Linux aus. Schnell war er von dem freien Betriebssystem begeistert, fand jedoch einfach kein passendes Videoschnittprogramm. Daher erstellte er kurzerhand ein eigenes. Das sollte einfach zu benutzen, leistungsfähig und stabil sein. Das Ergebnis taufte er Openshot Video Editor [1]. Seit der Geburtsstunde schreitet die Entwicklung in rasendem Tempo voran, im Januar 2010 erreichte das Projekt die Version 1.0.

Für eine so junge Anwendung besitzt Openshot bereits einen beachtlichen Umfang, der sich zwischen jenem von Kdenlive [2] und dem des vor sich hin dümpelnden Kino [3] bewegt. So bietet der Editor die Möglichkeit, Videoschnipsel zu trimmen, zu schneiden und auf beliebig vielen Spuren zu einem Gesamtkunstwerk zu arrangieren. Für den letzten Pfiff sorgen Videoübergänge, über 20 Effekte und natürlich Titeleinblendungen. Openshot verdaut alle Video- und Audioformate, die auch Ffmpeg kennt – einschließlich der hochauflösenden Formate HDV und AVCHD.

Probierstube

Das pfiffige Videoschnittprogramm findet sich derzeit nur in wenigen Repositories. Aufgrund der zahlreichen Abhängigkeiten gestaltet sich die Installation zudem etwas knifflig. Möchten Sie Openshot erst einmal unverbindlich ausprobieren, laden Sie am Besten die 1 GByte große Live-DVD AV Linux [4] herunter, brennen das Image auf einen Datenträger und startet mit diesem den PC (Abbildung 1). Das Live-System enthält eine reiche Auswahl von Multimedia-Programmen; Openshot finden Sie unter Sound**&**Video | Openshot Video Editor.

Abbildung 1: Die Live-DVD von AV Linux erlaubt einen ersten unverbindlichen Rundgang durch Openshot.

Um das Schnittprogramm zu installieren, statten Sie der Projekt-Homepage von Openshot einen Besuch ab und wechseln dort in den Bereich Download. Unter Download Installer stellen Sie ein, welchen Prozessortyp Ihr Rechner verwendet (Select CPU, im Zweifel 32 bit) und wählen in der Auswahl rechts die verwendete Distribution. Über den oder die darauf angezeigten Links laden Sie die Pakete herunter. Bislang liegen allerdings nur Pakete für Ubuntu sowie die letzten beiden Fedora-Ausgaben vor.

Koala und Chamäleon

Für Ubuntu-Versionen bis einschließlich 9.04 entpacken Sie als erstes das Archiv dependencies_Version.tar.gz und installieren jeweils mit einem Doppelklick alle darin enthaltenen Pakete. Anschließend spielen Sie das Paket openshot_Version.deb ein, gefolgt von der Dokumentation in openshot-docs_Version.deb.

Sofern Sie Ubuntu 9.10 "Karmic Koala" einsetzen, zapfen Sie stattdessen besser das Openshot-Repository an. Öffnen Sie dazu ein Terminalfenster (Anwendungen | Zubehör | Terminal) und tippen Sie die drei Befehle aus Listing 1 ein.

Listing 1
$ sudo add-apt-repository ppa:jonoomph/openshot-edge
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install openshot openshot-docs

Das erste Kommando verlangt einmalig die Eingabe des Benutzerpassworts, die Rückfrage des dritten Kommandos beantworten Sie mit [J] und [Eingabe]. Das Repository bietet den Vorteil, dass Sie künftig automatisch Openshot-Updates erhalten.

Für OpenSuse hält das Packman-Repository Openshot-Pakete bereit. Um es zu aktivieren, rufen Sie in YaST im Bereich Software den Punkt Software-Repositories auf, klicken auf Hinzufügen, wählen Community/Gemeinschafts-Repositories und setzen bei Packman Repository einen Haken. Nach einem Klick auf OK finden Sie Openshot im Paketmanager (Software installieren oder löschen).

Quellcode

Steht für die von Ihnen verwendete Distribution kein fertiges Openshot-Paket bereit, installieren Sie zunächst über den hauseigenen Paketmanager Python in Version 2.5 oder höher, GTK, PyGTK, GooCanvas, das passende Python-Binding sowie MLT (das "Media Lovin' Toolkit") nebst Python-Binding. MLT selbst verlangt nach verschiedenen weiteren Multimedia-Bibliotheken und Paketen.

Haben Sie alle Abhängigkeiten aufgelöst, laden Sie von der Homepage oder der Heft-DVD dieser Ausgabe den Sourcecode-Tarball herunter, entpacken ihn in Ihr Heimatverzeichnis und starten das Schnittprogramm anschließend per python ~/openshot-1.0.0/bin/openshot in einem Terminal. Textmeldungen nennen eventuell noch fehlende Bibliotheken und Pakete. Sobald das Hauptfenster erscheint, installieren Sie die Software mit folgenden Befehlen im System:

$ cd openshot-1.0.0
$ sudo python setup.py install

Absturzfreudig

Zeigt die Videovorschau das Material wie in Abbildung 2 grundsätzlich gequetscht, und neigt das Programm immer wieder zu Abstürzen, benutzt die von Ihnen verwendete Distribution eine veraltete, fehlerhafte Version der SDL-Bibliothek. Das Problem tritt vor allem unter Ubuntu 9.10 auf. Solange Canonical keine Aktualisierung auf SDL 1.2.14 bereitstellt (Paket libsdl1.2debian), greifen Sie stattdessen auf das Repository eines Openshot-Benutzers zurück. Dazu öffnen Sie ein Terminalfenster und tippen die folgenden Befehle ein:

$ sudo add-apt-repository ppa:jonoomph/openshot-edge
$ sudo apt-get update
Abbildung 2: Sollte die Vorschau auf das Videomaterial wie in dieser Abbildung aussehen, nutzt die von Ihnen eingesetzte Distribution eine fehlerhafte SDL-Bibliothek. In diesem Fall helfen die Hinweise aus dem Kasten "Absturzfreudig" weiter.

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