Wer an Brasilien denkt, sieht vor dem inneren Auge in erster Linie luftig bekleidete Strandschönheiten, den Karneval in Rio de Janeiro oder die Wasserfälle von Iguaçu. Jenseits von Copacabana und Zuckerhut und Corcovado hat sich Brasilien jedoch zu einer Hochburg freier Software entwickelt, aus der verstärkt neue Betriebssysteme mit dem Pinguin als Maskottchen stammen.
Steckbrief Brlix
| Name Brlix | |
|---|---|
| Aktuelle Version/Codename | Brlix 1.1 |
| Land | Brasilien |
| Basiert auf | Debian |
| Medien | Live-CD |
| Paketmanager | DPKG/Apt |
| Primärer Desktop | KDE 3.5.10 |
| Alternative Desktops | - |
| Kernel-Version | 2.6.27.27 |
| Entwicklerteam | Epidemus Ltda., Jaraguá do Sul, SC, Brasil |
| Release-Zyklus | unregelmäßig |
| Stärken | sehr gute Stabilität, sehr leicht erlernbar für Umsteiger, sehr gute Hardware-Erkennung |
| Schwächen | standardseitig nur eine GUI, deutsche Lokalisation teils unvollständig |
Während das ästhetisch anmutende Dreamlinux sich inzwischen fest etabliert hat und international großer Beliebtheit erfreut, fristet Brlix (http://www.brlix.com), eine aus dem ehemaligen Famelix hervorgegangene Distribution, zu Unrecht noch ein Nischendasein.
Brlix wendet sich in erster Linie an Anwender, die bisher proprietäre Betriebssysteme genutzt haben und auf Linux umsteigen wollen. Deshalb ahmten die Entwickler das Design von Brlix dem Look & Feel der verschiedenen Windows-Versionen nach, sodass der Linux-Einsteiger auf den ersten Blick kaum Unterschiede zu diesen System feststellt. Das minimiert den Aufwand beim Einarbeiten.
Bewährte Innereien
Mit der äußerlichen Ähnlichkeit erschöpfen sich allerdings schon die Gemeinsamkeiten von Brlix und den Produkten aus Redmond: Unter der Haube des Linux aus Santa Catarina werkelt ein Debian-System, das die Entwickler um den grafischen Desktop KDE in der bereits etwas älteren, jedoch bombenstabil arbeitenden Version 3.5.10 bereichert haben. Mit einem modifizierten Kernel 2.6.27 setzt Brlix ebenfalls auf ein solides Fundament, führt jedoch im Gegensatz zum originalen Debian im Bereich der Applikationssoftware durchgängig aktuelle Versionen ein.
Schon beim Start der Live-CD fällt angenehm ins Auge, dass der Grub-Bootmanager in Brlix verschiedene Sprachen zur Auswahl anbietet: So bootet die Distribution auf Wunsch in brasilianischem Portugiesisch, Italienisch, Spanisch oder Deutsch. Sollten Probleme mit der Hardware auftreten, startet das System in jeder Sprachvariante in einem abgesicherten Modus, der auf nahezu jedem System zum Erfolg führt. Nach dem recht schnellen Bootvorgang präsentiert sich das System zunächst in einem Look, der stark an Windows Vista erinnert (Abbildung 1).
Selbst die Widgets mit Analoguhr und Kalender bietet Brlix dank Superkaramba. Das Control-Panel ähnelt dem anderer Systeme, und wer das Look & Feel älterer Plattformen aus Redmond bevorzugt, stellt dies über das Menü Erscheinungsbild | Ändern Design und einen Klick auf das Control-Panel-Icon ein (Abbildung 2).
Jede Menge Applikationen
Brlix bringt – wie von Linux-Distributionen gewohnt – eine stattliche Menge an Applikationen mit, wobei jedoch in einigen weniger häufig genutzten Bereichen Standardprogramme fehlen. So suchen Sie in der Live-Version den Bildbearbeitungsboliden Gimp vergeblich. Auch der Audioplayer Amarok schaffte es nicht auf die CD: Statt seiner integrierten die Entwickler kurzerhand den schlanken und schnellen Player Audacious.
Für die Wiedergabe von Video- und Filmdateien zeichnet der SMPlayer in der Version 0.6.1 verantwortlich, der erfreulicherweise von Haus die meisten Codecs beherrscht, sodass umständliche Nachinstallationen in aller Regel entfallen. Damit Sie auch CDs und DVDs zuverlässig selbst herstellen können, liefert Brlix als Brennprogramm das intuitiv zu bedienende Standardprogramm K3b in Version 1.0.5 mit. Das einziges Manko des K3b-Brenners liegt im bislang noch fehlenden Support für Blu-ray, sodass Sie auf das Erstellen von BD-Medien verzichten müssen.
Zum Einbinden in ein heterogenes Netzwerk bringt Brlix den Samba-Client mit, und damit Sie Software von anderen Plattformen einsetzen können, legten die Entwickler eine Java-Runtime-Engine sowie den Emulator Wine in Version 1.01 dazu. Somit darf Brlix zu Recht als Integrationsplattform gelten, die auch den Einsatz Linux-fremder Programme ohne Zusatzinstallationen ermöglicht.
Für die Kommunikation via Internet stehen Programme aus dem KDE-Fundus bereit (Kontact, AMSN, KGet), als Webbrowser kommt das Firefox-Derivat Iceweasel in Version 3.5.5 zum Einsatz. Damit findet sich für jene Anwender, die verschiedene Internet-Dienste intensiv nutzen, faktisch jede wichtige Applikation. Mit Kontact liegt zudem ein kompletter Personal Information Manager bei.



