Die Vorteile freier Software bedingen oft auch deren Nachteile. Wer sich zum Beispiel über ein Jahr lang nicht mehr aktiv mit dem Betriebssystem beschäftigt, erkennt kaum mehr etwas wieder: Projekte verschwinden und neue entstehen; ein Tool oder eine Bibliothek, die heute noch angesagt ist, gilt morgen schon als veraltet. Mit ähnlichen Problemen hatten auch die KDE-Nutzer bei der Umstellung von Version 3.x zu 4.x zu kämpfen.
Mit dem Release "Caikaku" schließt die KDE Software Compilation 4 nun funktionell zu KDE 3.5 auf und wartet darüber hinaus mit zahlreichen spannenden neuen Features auf. Sämtliche Änderungen von KDE SC 4.4 im Detail zu beschreiben, würde allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen. Zu den hier beschriebenen Punkten finden Sie deshalb auf Linux-Community.de jeweils separate Artikel ([1],[2],[3],[4]). Einen detaillierten Artikel zum semantischen Desktop Nepomuk lesen Sie in der Rubrik "Know-how" dieser Ausgabe [5].
Neu im Team
Die neue KDE-SC-Version 4.4 enthält neben sehr vielen Fehlerkorrekturen und kleinen Detailverbesserungen auch eine Handvoll neue Programme. Blogger dürfen sich über den ehemals unter dem Namen Bilbo bekannte Blogger-Client Blogilo freuen (Abbildung 1). Das Tool unterstützt neben Wordpress und Blogspot auch zahlreiche weiter Blog-Systeme. Das Setup erfolgt in vielen Fällen komplett automatisch über die Adresse, den Benutzernamen und das zugehörige Kennwort. Die Software unterstützt beliebig viele Blog-Accounts, über das Offline-Feature lassen sich Einträge jederzeit schreiben und dann später online stellen. Auch das lokale Speichern eines bereits veröffentlichten Beitrags stellt dank Blogilo kein Problem dar.
Wer noch die Schulbank drückt, den unterstützen die zwei Kdeedu-Programme Cantor und Rocs. Mit dem Mathe-Programm Cantor (Abbildung 2) erstellen Sie einfachen bis komplexe Arbeitsblätter. In der Grundeinstellung greift Cantor auf das hauseigene Backend KAlgebra zu, es unterstützt jedoch auch die freien Lernsysteme Maxima [6] und Sage [7]. Damit lassen sich nicht nur simple Rechnungen und Gleichungen realisieren, sondern auch komplexere Funktionen und animierte Grafiken. Rocs nennt sich selbst ein "Graph Theory Viewer Tool". Mit der Anwendung lassen sich einfache Diagramme zeichnen und über eine Javascript-ähnliche Programmiersprache ("Qt Script") steuern. Rocs zu bedienen ist alles andere als intuitiv – der angesprochenen Nutzergruppe (Professoren und Studenten) hilft ein kurzes Handbuch beim Einstieg.
Auch für Spielefans hat KDE SC 4.4 einen Leckerbissen bereit: Palapeli. Mit dem virtuellen Puzzle-Tisch erstellen Sie sich neben den bereits vorhandenen Puzzles auch eigene, die Zahl der Teile dürfen Sie dabei frei wählen (Abbildung 3). Das Programm merkt sich den Fortschritt beim Zusammensetzen automatisch. So können Sie parallel auch an mehreren Rätseln arbeiten oder neue Puzzles erstellen.
Neue Systemkomponenten
Zwar brachte KDE schon immer ein Adressbuch mit, doch handelt es sich bei der Version in KDE SC 4.4 um ein praktisch komplett neu geschriebenes Programm. Als Autor zeichnet der KDE-PIM-Entwickler Tobias König verantwortlich, der auch bei KMail & Co. fleißig mitprogrammiert. Der komplette Rewrite wurde deshalb nötig, weil das neue Adressbuch seine Informationen nicht mehr wie bislang in vCard-Dateien speichert, sondern dazu das KDE-eigene, datenbankähnliche Akonadi-Framework nutzt.
Optisch fällt das neue KDE-Adressbuch durch die dreigeteilte Fensteransicht auf. Der Drei-Panel-Modus zeigt links eine Übersicht über die lokalen und entfernten Adressverzeichnisse an, in der Mitte die vorhandenen Einträge und ganz rechts Details zu den einzelnen Kontakten. Für die Übernahme von Daten aus einem bestehenden Adressbuch steht das Kommandozeilentool kaddressbookmigation bereit, das seine Arbeit im Hintergrund verrichtet.
Wie in den bisherigen Versionen kommt auch das neue KDE-Adressbuch mit Datensätzen in den Formaten vCard, CSV und LDIF zurecht. Zudem unterstützt es den direkten Import von einem LDAP-Server oder aus einer GMX-Datei.
Komplett überarbeitet beziehungsweise neu geschrieben haben die KDE-Entwickler zudem das Authentifizierungsframework KAuth. Sie erkennen das neue Tool daran, dass auf einem OK-Button anstelle des grünen Hakens ein Schlüssel erscheint.



