Nepomuk in KDE SC 4.4

In den Systemeinstellungen finden sie unter dem Punkt Erweitert die Einstellungen für die Desktopsuche: Hier schalten Sie die semantischen Funktionen ein (Abbildung 1). Aktivieren Sie den Datei-Indexer Strigi [5], indiziert er auch Daten auf der Festplatte. Im Reiter Datei-Indizierung finden Sie die genauen Pfade, die er einbezieht. Schalten Sie die Festplattenindizierung ab, können Sie trotzdem weiter auf die Nepomuk-Datenbank zugreifen. Allerdings steht dann der Datei-Index in den den Resultaten der Desktopsuche nicht mehr mit aktuellen Daten als Datenquelle zur Verfügung.

Abbildung 1: In den Systemeinstellungen des KDE-Desktops treffen Sie die Vorgaben für die Desktopsuche via Nepomuk und Strigi.

Die Nepomuk-Dienste lassen sich auch komplett abschalten. In den Applikationen und in der Arbeitsumgebung Plasma stehen dann allerdings Features wie Annotation, Bewertung und Tagging nicht mehr zur Verfügung. Da nicht alle Linux-Distributionen den semantischen Desktop und damit die Suchfunktionen in der Voreinstellung einschalten, lohnt sich ein Blick in die Einstellungen.

Neu in KDE SC 4.4 ist die Option, Daten auf Wechselmedien zu indizieren. So können Sie nun auch Dokumente beispielsweise auf einem USB-Stick automatisch scannen lassen, sodass diese in der Desktopsuche als mögliche Resultate zur Verfügung stehen. Diese Dateien erscheinen dabei nur dann in den Resultaten, wenn der entsprechende Datenträger auch verfügbar ist. Dies entscheidet der Desktop anhand eines Identifikationsstrings für das Medium. Intern hilft hier KDEs Hardware-Framework Solid [6]. Benutzen sie Nepomuk für größere Datenmengen, empfiehlt es sich in den erweiterten Einstellungen Nepomuk etwas mehr Speicher zuzugestehen.

Das Indizieren geht recht flott, sodass es auch bei größeren Datenmengen kein Problem darstellt. Wie lange es genau dauert, hängt maßgeblich von der Anzahl und Art der Dateien ab, die Sie in den Suchindex aufnehmen wollen. Bei aktivem Indexer erscheint im Systemabschnitt der Kontrollleiste das Nepomuk-Icon, das automatisch wieder verschwindet, wenn der Indexer nicht arbeitet. Über das Kontextmenü können sie den Indexer auch zeitweise deaktivieren, falls er ihnen doch mal in den Weg kommen sollte.

Desktopsuche à la KDE

Starten Sie unter KDE SC 4.4 den Dateimanager Dolphin, so bemerken Sie im rechten oberen Teil die neue Suchzeile. Diese erweiterte Eingabezeile assistiert ihnen dabei, Suchaufgaben zu definieren. Tippen Sie hier einen Begriff ein, erhalten Sie hier Optionen angeboten – etwa, nach einem Tag zu suchen. Eine Vervollständigung vergleicht dabei die Eingabe bereits während des Eintippens mit vorhandenen Schlagworten. So genügt es beispielsweise schon, wall zu tippen, um Bilder zu finden, die sie vorher als Wallpaper markiert haben (Abbildung 2).

Abbildung 2: Über die Schlagwortsuche finden Sie schnell alle Bilder, die Sie beispielsweise als Wallpaper markiert haben.

Geben sie einen Begriff ein und bestätigen sie diesen mit der Eingabetaste, dann sucht Dolphin nach Dateien, in denen dieser Begriff vorkommt. Sofern Sie in den Systemeinstellungen die Volltextsuche aktiviert haben, erfolgt die Suche auch innerhalb von Dateien. Sie verfeinern die Suche weiter, indem Sie auf den Schalter mit dem Pluszeichen klicken, woraufhin Ihnen Nepomuk weitere Suchkriterien anbietet. Setzen Sie den Typ auf Text, findet die Suche nicht etwa nur Dateien des Typs plain/text, sondern beispielsweise auch ODF- und PDF-Dokumente.

In vielen Fällen wollen Sie Suchaufgaben mehr als einmal verwenden. Klicken Sie dazu auf Speichern, um diese Suchaufgabe in Ihre Orte aufzunehmen. Dieser Mechanismus ermöglicht es, Dokumente auch einfach aus anderen Programmen zu öffnen. Sie finden die als Ort gespeicherten Suchen in der Seitenleiste des Datei-Öffnen-Dialogs. Dabei speichert das System selbstverständlich nicht etwa die Ergebnisse, sondern vielmehr die Suchaufgabe: Das ermöglicht es, die Suche stets auf dem neusten Stand auszuführen.

Dabei handelt ein virtuelles KIO-Dateisystem die Suche unabhängig vom aufrufenden Programm ab. Der Desktop speichert Ihre Suchanfrage in den Orten in Form einer nepomuksearch:/-URL, die wiederum auf eine SPARQL-Query verweist. Ein interner Benachrichtigungsmechanismus aktualisiert dabei die Suchaufgabe während der Wiedergabe. Tippen Sie doch mal in die Adresszeile von Dolphin nepomuksearch://linux und schauen Sie sich an, was daraufhin passiert (Abbildung 3).

Abbildung 3: Eine Desktopsuche mit Nepomuk lässt sich über die entsprechende URL auch direkt in der Adresszeile des Dateimanagers anstoßen.

Die Integration der Desktopsuche auf Dateimanagementebene erweist sich dabei als besonders flexibel, wenn Sie bestimmte Dokumente in einem größeren Verzeichnisbaum suchen möchten. Während Sie mit Dolphin durch ihre Daten surfen, können sie von dort aus auch direkt eine Suche starten. In der Suchen-Ausklappbox beschränken Sie die Suche bei Bedarf auf ihre Position im Verzeichnisbaum. Weitere Suchkritierien, wie etwa den Dateityp, fügen Sie bequem über den Schalter mit dem Plus-Symbol hinzu. Auch das Datum der letzten Änderung können Sie hier genauer angeben, um so beispielsweise länger nicht bearbeitete Dateien aus den Resultaten auszuschließen. Daneben beschränken Sie hier auch die Suche auf Resultate, die einer minimale Bewertung entsprechen. Eine schicke Dreingabe bei der Wiedergabe stellt Dolphins Gruppierungsoption dar, die Sie über das Menü Ansicht erreichen.

In Dolphins Seitenleiste, die Sie mit [F11] anzeigen lassen, finden sie einige zur Datei gespeicherte Metadaten. Hier vergeben Sie auch bequem ein Schlagwort oder einen Kommentar für eine oder mehrere Dateien (Abbildung 4). Um die Bewertung zu ändern, klicken Sie auf die Reihe mit den fünf Sternen. Dabei dürfen Sie auch halbe Sterne vergeben, die Bewertung speichert Nepomuk intern als Wert zwischen Eins und Zehn.

Abbildung 4: Über Dolphin greifen Sie direkt auf die Metadaten einer Datei zu und können diese bequem anzeigen und bearbeiten.

Der schnelle Zugriff auf die Suchergebnisse erweist sich auch im Dialog Datei öffnen als sehr praktisch. In der Seitenleiste finden sie hier die Orte – und damit auch die gespeicherten Suchanfragen. Statt sich zeitraubend durch Verzeichnisbäume zu hangeln, um bestimmte Dateien zu finden, nutzen Sie hier voreingestellte Suchanfragen (Abbildung 5). So öffnen Sie auch komfortabel mehrere zusammengehörende Dateien gleichzeitig, auch wenn diese aus verschiedenen Verzeichnissen stammen. Auf dieses Feature werden Sie schon bald nicht mehr verzichten wollen.

Abbildung 5: Die Desktopsuche lässt sich nicht nur im Dateimanager anstoßen, sondern auch in jeder Anwendung aus dem Dialog Datei öffnen heraus.

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Kommentare
Und die Praxis heute?
Hans-Dieter Schulze, Freitag, 12. März 2010 18:42:12
Ein/Ausklappen

Schade, dass im Artikel nicht auf die derzeitigen Probleme eingegangen wird.
Ich nutze die aktuelle KDE-Version 4.4.1.
Die Volltextindizierung funktioniert bei vielen PDF-Dokumenten nicht.
Der Indexer läuft fast permanent mit hoher CPU- und Speicherlast.
Obwohl sich in den meisten Verzeichnissen nichts ändert, werden diese neu indiziert und die Anzahl der indizierten Dateien schwankt zwichen 31000, 0 und 31000 .

Es gibt also noch viel zu tun.


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