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© Philip Niewold

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Selbstkonfigurierende Netzwerkdienste

01.03.2010
Avahi, der Linux-Ableger von Apples cleverer Zeroconf-Technologie, macht im lokalen Netz viele Dienste für Clients auch ohne zentralen Server auf einfache Weise nutzbar.

Das Konfigurieren von Computernetzwerken stellt selbst erfahrene Computeranwender gelegentlich vor unerwartete Probleme. Gerade Einsteiger kopieren Dateien lieber per USB-Stick oder schicken sie via E-Mail, anstatt einen vermeintlich komplizierten Server-Dienst aufzusetzen. Doch eigentlich bringt Linux von Haus aus alles mit, um im lokalen Netzwerk ohne Internetanbindung und zentrale Server Daten auszutauschen oder zu chatten.

Apple hat vor einigen Jahren mit Zeroconf [1] und Bonjour [2] Verfahren für das automatische Einrichten und konfigurationslose Erkennen von Netzwerkdiensten im LAN entwickelt. Die zugrundeliegenden Protokolle und Verfahren stellte Apple offen, und so gab es mit Avahi [3] bald auch eine quelloffene Variante des Verfahrens für Linux. Mittlerweile installieren praktisch allen gängigen Linux-Distributionen Avahi bereits vor und bietet so einen Weg, Dienste im lokalen Netzwerk ohne Aufwand zu finden.

Das Prinzip von Zeroconf/Bonjour hat sich Apple beim Marktschreier auf dem Wochenmarkt abgeschaut. Im herkömmlichen Markt (Netzwerk) sitzt jeder Händler (Server-Dienst) an seinem gut versteckten Marktstand und wartet auf Kunden (Clients), die zufälligerweise irgendwo erfahren haben, dass es da einen Händler gibt, der das anbietet, was sie gerade suchen (einen Netzwerkdienst). Wie ein klassischer Marktschreier brüllt Avahi/Zeroconf nun lauthals heraus, was es anzubieten hat. Jeder Kunde mit einem offenen Ohr (einem Avahi-tauglichen Programm) hört das lautstarke Angebot und braucht nicht lange zu suchen, um den Händler zu finden. Obendrein macht Avahi/Zeroconf einen zentralen Verwalter (DHCP-Server) überflüssig, der Kunden und Händler ihre Plätze (IP-Adressen) zuordnet: Avahi organisiert den Markt zur Not von alleine.

Avahi/Zeroconf ist dabei jedoch nicht so fahrlässig, lauhals das ganze Internet darüber zu informieren, was es zu holen gibt. Es sendet sein Angebot als Rundruf (Broadcast) nur an broadcastfähige Netzwerkschnittstellen. Dazu gehören zwar normale Netzwerkkarten, nicht aber PPP-Geräte, wie sie beispielsweise bei der Einwahl ins Internet via DSL oder Modem zum Einsatz kommen. Somit endet die Reichweite des Gebrülls spätestens am eigenen Router.

Avahi und Windows?

Die hier vorgestellten Programme und Techniken arbeiten sehr gut unter Linux und Mac OS X zusammen, doch Microsoft Windows kennt Zeroconf/Bonjour nicht. Apple hat jedoch Bonjour auch auf Windows portiert [11]. So können sie auch unter Windows beispielsweise mit Pidgin und Bonjour im lokalen Netzwerk chatten oder mit Winamp der Musik in einer DAAP-Freigabe lauschen.

Chat und (Video-)Telefonie

Eine der einfachsten und praktischsten Methoden, Avahi zu nutzen, stellt das Chatten innerhalb eines lokalen Netzwerks dar, ohne dass ein zentraler Server die Nachrichten zustellt. So können Sie in Ihren vier Wänden oder im Büro Instant-Messaging-Programme wie Pidgin, Empathy oder Kopete verwenden, ohne dass Sie dazu eine Internetanbindung benötigen oder einen lokalen Jabber-Server einrichten müssen. Desweiteren dringt von der Konversation auch nichts nach draußen. Ihre Nachrichten laufen nicht über die Server von AOL, Microsoft oder Yahoo, sodass eine Verschlüsselung entfallen kann.

Die gebräuchlichsten Multi-Messenger beherrschen mittlerweile diese Funktionalität. Leider versteckt sie sich in jeder Software unter einer anderen Bezeichnung. Die Tabelle "Mit Avahi/Bonjour chatten" zeigt den den Weg zur entsprechenden Konfiguration für die populärsten Programme auf.

Mit Avahi/Bonjour chatten

Instant-Messenger Kontenverwaltung
Pidgin Konten | Konten verwalten | Hinzufügen | Protokoll: Bonjour
Empathy Bearbeiten | Konten | Personen in der Nähe
Kopete Einstellungen | Einrichten | Zugang hinzufügen | Bonjour
Gajim Ändern | Konten | Local | Aktivieren

Sobald Sie den lokalen Chat via Bonjour im Programm aktiviert haben, sollten Sie ihre Kontakte im lokalen Netzwerk finden können – einem kleinen Schwatz steht nun nichts mehr im Weg. Startet ein weiterer Client im lokalen Netz ein Chat-Programm mit Bonjour-Konto, dann taucht er automatisch in den Kontaktlisten der anderen Chat-Programme auf. Sie müssen also nicht extra "Freunde" oder "Buddies" als Kontakte akzeptieren.

Wollen Sie mehr als nur einen textbasierter Chat, dann greifen Sie auf Ekiga zurück: Dieser Client für SIP-Telefonie vermittelt auch über Avahi Gespräche und Videotelefonate im lokalen Netzwerk. Ekiga brauchen Sie für die lokale Kommunikation über Avahi gar nicht extra einzurichten, laufende Ekiga-Programme tauchen automatisch unter Nachbarn in der Kontaktliste auf.

Dateiaustausch

Neben dem Chat stellt der bequeme Austausch von Daten einen typischen Anwendungsfall für Avahi dar. Stellen Sie sich vor, Sie besuchen einer Konferenz und wollen einem ebenfalls anwesenden Kollegen schnell eine größere Datei zukommen lassen. Dazu stehen weder ein lokales Netzwerk noch Hilfsmittel wie ein USB-Stick zur Verfügung. Ein Ah-hoc-WLAN zwischen Ihren beiden Laptops ließe sich zwar schnell aufbauen, doch wie kommt die Datei von Rechner A nach B?

Dazu müssen Sie nicht erst aufwändig Serverdienste wie Samba oder NFS einrichten. Für den schnellen und spontanen Datenaustausch zwischen zwei Rechnern gibt es Giver [4], das sich in den Paketquellen aller populären Linux-Distributionen findet. Es arbeitet ähnlich wie ein Chat-Programm: In einer Kontaktliste sehen sie alle im lokalen Netzwerk laufenden Giver-Instanzen, via Drag & Drop ziehen Sie eine Datei auf einen Kontakt und stoßen so die Datenübertragung an. Nun muss nur noch der Kontakt seinerseits die Übermittlung erlauben, und schon verschickt Giver die Datei verschickt.

Alternativ können Sie alternativ auch die zuvor genannten Chat-Programme über die lokalen Bonjour-Konten zum Dateitransfer benutzen. Wie beim Internet-Chat über ICQ, MSN und Co. ist es auch lokal möglich, Dateien via Drag & Drop auf einen Bonjour-Kontakt zu ziehen und sie so innerhalb des LANs zu verschicken. Im Test konnte Empathy 2.28.1.1 aus Ubuntu "Karmic" jedoch keine Dateitransfers auf diesem Weg empfangen – Pidgin und Kopete erwiesen sich hier als ausgereifter.

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