Hochpass-Schärfen

Da sich Schärfe im Wesentlichen an den Kanten bemerkbar macht, erweist es sich als schonend und sinnvoll, nur diese zu verändern und den Rest des Bildes unverändert zu belassen. Dieses Verfahren, das sich Hochpass-Schärfen nennt, betrachten viele Grafiker als Nonplusultra. Die Methode erstellt eine neue Ebene, die nur die Kanten als Strichzeichnung enthält, und kombiniert diese anschließend mit dem ursprünglichen Bild (Abbildung 5).

In Gimp finden Sie im Filtermenü unter Kanten finden mehrere Filter, mit denen Sie dieses Verfahren manuell anwenden. Der Laplace-Filter eignet sich oft besonders gut, da er sehr schmale (nur ein Pixel breite) Linien erzeugt, was bei anderen Filtern nicht unbedingt der Fall ist.

Manche Filter erzeugen sehr dunkle, fast schwarze Bilder. In diesem Fall verwenden Sie die Ebene erst nach dem Umkehren der Farbwerte (Farben | Invertieren) weiter.

Abbildung 5: Hochpass- oder Kantenschärfen erfolgt in vier Schritten: Ein Kantenfilter extrahiert die Konturen, das Bild wird invertiert, die Hintergrundfarbe entfernt und abschließend dem Originalbild kombiniert.

Auch der Verrechnungsmodus (Modus im Ebenen-Fenster) der oberen sichtbaren Ebene spielt eine entscheidende Rolle. Oft erweisen sich Multiplikation oder Division als gute Wahl, um scharfe Konturen erzeugen, ohne den Rest des Bildes zu sehr zu beeinflussen. Aber auch Harte Kanten und Weiche Kanten sowie Faser extrahieren liefern manchmal brauchbare Ergebnisse. Der Regler Deckkraft der oberen Ebene steuert den Effekt ganz fein. Einen klassischen Hochpassfilter finden Sie wieder in der Gimp-Registry [4], die Standard-Kantenfilter eignen sich aber ebenso.

Am einfachsten erledigen Sie die beschriebenen Arbeitsgänge mit dem Skript High Pass Sharpening [5], da es alle notwendigen Schritte automatisch ausführt. Allerdings ermöglicht es keinerlei manuelle Einstellungen. Es setzt den Überlagern-Modus für die neue Ebene (mit den Kanten) ein, den Sie gegebenenfalls nachträglich ändern. Um Gimp-Skripte mit der Erweiterung .scm zu verwenden, kopieren Sie diese ins Verzeichnis ~/.gimp-2.6/scripts/ und starten Gimp neu.

Eine Variante des Hochpass-Schärfens nutzt Gimps Fotokopie-Filter, den Sie unter Filter | Künstlerisch | Fotokopie... finden. Mit ihm bearbeiten Sie die kopierte Ebene so, dass sie nur noch Kanten und Flächen enthält. Über Transparenz entfernen aus dem Farben-Menü löschen Sie dann die Hintergrundfarbe, danach legen Sie sie die Ebene im Multiplikationsmodus über das ursprüngliche Bild. Auch hier steuert die Deckkraft die Stärke des Effekts. Allerdings beeinflussen die beim Erstellen der Fotokopie gewählten Parameter das Ergebnis auch sehr stark, was weitere Steuermöglichkeiten bietet.

GMIC und die FX-Foundry

Immer wenn es schwierig wird, lohnt ein Blick in den Multifilter GMIC [6]. Er versammelt derzeit über 300 Einzelfilter für die unterschiedlichsten Aufgaben; dazu gehören auch Schärfungsfilter und solche zur Rauschreduktion. Die Toolbox erreichen Sie nach der Installation im Gimp-Menü Filter unter G'MIC...). Das Tool besitzt seine eigene, erweiterte Variante der unscharfen Maske (Enhancement | Unsharp Mask). Einen Eintrag darunter finden Sie einen weiteren bemerkenswerten Filter namens Octave sharpening (Abbildung 6). Er basiert auf USM, erweitert diesen aber um wichtige Details und erzeugt so oft auch dann noch gute Resultate, wenn die Standardfilter versagen.

Abbildung 6: Der multifunktionale Filterbaukasten GMIC enthält unter anderem diverse Werkzeuge zum Nachschärfen von Bildern.

Das Prinzip ist einfach: Der Filter stapelt mehrere, mit unterschiedlichen Radien weichgezeichnete Ebenen übereinander und erzeugt so eine besonders fein abgestimmte USM, wobei die Deckkraft mit zunehmenden Radius abnimmt. Eine technische Beschreibung des Verfahrens zeigt der Podcast 127 von MeetTheGimp [7].

Octave sharpening besitzt zwei zusätzliche Parameter: Scales stellt die intern verwendete Anzahl der Ebenen ein. Welcher Wert das beste Ergebnis liefert, hängt stark vom Bild ab. Bei einem sehr unscharfen Foto bewähren sich kleine Werte wie etwa 2. Unter Channel(s) wählen Sie die Kanäle aus, die der Filter bearbeitet. Es gelten auch hier die oben beschriebenen Regeln; oft zeigt das Schärfen im Helligkeitskanal (Luminance) die besten Ergebnisse.

Auch die Skripten der FX-Foundry [8] enthalten eine Reihe spezieller Schärfungsfilter: BSSS Sharpen kombiniert eine Ebene im Bildschirmmodus mit einer oder mehreren im Subtraktionsmodus, was oft recht gute Ergebnisse bringt. Darüber hinaus stehen ein Hochpassfilter (Eg High-Pass Filter Sharpen) und ein Kantenschärfungsverfahren (Edge Mask Sharpen) sowie mehrere Varianten von USM-Filtern (Smart Redux Sharpen, Luminocity Sharpen und Eg Separate Light&Shadow Sharpen) zum Download bereit. Letzterer erzeugt zwei Ebenen für die hellen und dunklen Bereiche (Lichter und Schatten) und schärft sie getrennt. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, beispielsweise bei Bedarf nur das Ergebnis für die Lichter aufs Bild anzuwenden.

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