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Blitzstart

Xandros Presto vs. Puppy Linux

17.02.2010
Nicht nur Nutzer von Netbooks und schwachbrüstigen Rechnern wünschen sich ein System, das blitzschnell bootet – wie das freie Puppy Linux oder das kommerzielle Xandros Presto.

Speziell Besitzer von Netbooks und älteren Rechnern kennen das Problem nur zu gut: Man möchte eben mal den Mail-Account prüfen oder bei Wikipedia etwas nachschlagen – und muss erst einmal minutenlang warten, bis der Rechner hochfährt. Abhilfe schaffen hier so genannte Quickstart-Linuxe. Sie nehmen für sich in Anspruch, binnen weniger Sekunden zu starten und haben alle notwendigen Programme an Bord.

Die beiden Kandidaten in diesem Test könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Xandros das auf Ubuntu basierende Presto [1] für knapp 20 US-Dollar anbietet, stellt Puppy [2] seine nur 100 MByte kleine Distribution kostenlos zum Download bereit. Wir haben geprüft, was beide können, wie schnell sie starten und welchen Nutzen sie bieten. Als Testumgebung wählten wir ein für den Betrieb solcher Schnellstart-Distributionen typisches Szenario: ein Rechner mit installiertem Windows XP, dem Puppy Linux respektive Presto als Zweitsystem zur Seite standen.

Installation

Xandros bietet Presto auf seiner Projektseite mit dem Hinweis Download Presto free zum Download an. Allerdings verschweigt die Seite an dieser Stelle, dass es sich dabei um eine zeitbeschränkte Version handelt, die nach sieben Tagen abläuft. Möchten Sie Presto danach weiter nutzen, müssen Sie für 19,95 US-Dollar eine Lizenz von Xandros erwerben.

Presto besteht aus einem Windows-Binary, das beim Ausführen den Installer startet. Entsprechend erfordert die Installation grundsätzlich ein auf dem Rechner installiertes Windows-System, eine paralleler Betrieb zu einem bereits installierten Linux-Systemen ist nicht möglich. Das Konzept ähnelt dem von Wubi [3]: Das Setup richtet auf einer Windows-Partition ein virtuelles Dateisystem in einer Datei ein, in dem es die Distribution wie ein normales Windows-Programm installiert. Die bestehende Partitionierung bleibt davon unberührt. Xandros nennt als Mindestvoraussetzung 4 GByte freien Speicher auf der Zielpartition. Außer der Eingabe des Zielverzeichnisses bietet das Setup keinerlei Möglichkeiten weiterer Einstellungen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Windows-basierte Installer von Presto lässt als einzige benutzerseitige Eingabe die Wahl des Zielverzeichnisses zu.

Der Installer schreibt in den Windows-Softwaremanager einen Eintrag, der es ermöglicht, das System rückstandsfrei zu deinstallieren. Darüber hinaus modifiziert er den Windows-Bootloader dahingehend, dass er auch Presto startet.

Die Live-Distribution Puppy Linux bietet hier ungleich mehr Möglichkeiten, macht es durch die Vielfalt an Optionen dem Normalanwender jedoch auch nicht unbedingt leicht, das für ihn Passende auszuwählen. Der Desktop enthält ein Icon namens Install. Ein Klick darauf öffnet ein Dialogfenster, in dem Sie zwischen Universal Installer: und BootFlash USB installer: (Abbildung 2) wählen. Wie der Name bereits suggeriert, eignet sich letzterer nur dazu, Puppy auf USB-Speichermedien einzurichten.

Abbildung 2: Puppys Installer offeriert eine Vielzahl verschiedener Einrichtungsmethoden, die ihn zwar sehr flexibel, aber für unerfahrene Anwender auch sehr kompliziert machen.

Möchten Sie die Distribution auf der Festplatte einrichten, wählen Sie die erste Option. Wie Presto erlaubt auch Puppy Linux eine Installation ohne das Verändern des Dateisystems, bietet zudem aber auch das Einrichten eines ganz normalen Systems an. Hier startet zunächst der Partitionsmanager Gparted, mit dem Sie die Partitionen entsprechend vorbereiten. Bei einer Installation im bereits vorhandenen Dateisystem kopiert Puppy lediglich die Datei pup-431.sfs und die benötigten Startdateien ins gewählte Verzeichnis.

Beim Herunterfahren bietet Puppy an, die Veränderungen und eigenen Dateien in einem Container namens pupsafe.2fs zu speichern. Beim Booten sucht die Distribution auf den vorhandenen Partitionen zunächst nach diesem Container, hängt ihn ins Heimatverzeichnis des Anwenders ein und lädt die darin enthaltenen Konfigurationsoptionen.

Allerdings hat Puppys Konzept bei Einsatz als Schnellstart-System einen kleinen Haken: Anders als Presto passt es den Windows-Bootloader nicht automatisch an und bringt auch keinen eigenen Bootloader wie Grub4DOS mit, der in der Lage wäre, Puppy ohne Linux-Partition zu starten. Entsprechend bedarf es bei dieser Art der Installation eines externen Bootloaders.

Zwar bietet Puppys Konzept ungleich mehr Möglichkeiten, ist aber auch deutlich schwieriger zu bedienen als der Presto-Installer: Bei Xandros' Variante kann selbst der blutigste Anfänger kaum was falsch machen.

Software und Updates

Xandros Presto beschränkt sich beim Funktionsumfang aufs Wesentliche. Einen Teil der Programme erreichen Sie über die Startleiste links (Abbildung 3), so etwa den Webbrowser Firefox 3.5.2, den multifunktionalen Instant-Messenger Pidgin 2.5.7 sowie Skype 2.0. Zusätzliche Anwendungen, darunter beispielsweise OpenOffice 3.0.1 oder den Realplayer 11, finden Sie im Application Store, den sie mit einem Klick auf das Icon mit dem stilisierten Einkaufskorb öffnen. Dieser Software-Bauchladen ermöglicht Ihnen theoretisch auch das nachträgliche Installieren hunderter von Applikationen, die Xandros in seinem Presto Application Store vorhält.

Abbildung 3: Xandros offeriert zwar über das Einkaufskorb-Symbol in der Startleiste einen Application Store mit hunderten von Programmen, jedoch ließ sich im Test keines davon installieren.

In der Praxis aber gelang im Test bei keinem der Programme die Installation. Diese scheiterte stets an einem Connection-Timeout (Abbildung 3), den Anwender bereits seit Mai 2009 im Presto-Forum [4] bemängeln. Xandros hat es augenscheinlich bis heute noch nicht einmal für nötig befunden, auch nur auf die Forenanfragen zu reagieren, geschweige denn, den Fehler zu beheben.

Ähnlich mager sieht es mit Aktualisierungen aus: Weder war ein manuelles Update möglich, noch bewerkstelligte das System selbst eine Aktualisierung. Da die Konfigurationsdatei /etc/apt/sources.list, in der normalerweise die Repositories stehen, keinerlei Einträge enthält, erschien das auch nicht weiter verwunderlich.

Ungleich umfangreicher kommt die Softwareausstattung von Puppy Linux daher (Abbildung 4) – allerdings handelt es sich beinahe durchweg um verhältnismäßig alte Versionen. So dient als Browser und Mailclient Seamonkey 1.1.18, das Verfassen von Dokumenten und Tabellen übernehmen Abiword 2.6.3 und Gnumeric 1.8.2. Aqualung spielt Musikdateien ab, Gxine zeigt Filme verschiedener Formate.

Abbildung 4: Puppys Paketmanager erlaubt das nachträgliche Installieren zusätzlicher Software – allerdings löst er fehlende Abhängigkeiten nicht selbständig auf.

Auch Puppy besitzt einen Paketmanager, den Sie über einen Klick auf den Button Puppy Package Manager aus dem Install-Fenster öffnen (Abbildung 4). Zur Auswahl stehen einige hundert Zusatzpakete, die das System in die verschiedensten Richtungen ausbauen. So finden Sie in den Repositories unter anderem OpenOffice, Pidgin, Gimp, Xchat oder Firefox. Wie sich herausstellte, ermittelt der Installer zwar die Abhängigkeiten der Programme, löste sie aber nicht selbständig auf. Einige Programme, beispielsweise Pidgin starteten zudem auch nach dem Einrichten der angeforderten Bibliotheken nicht.

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