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© barunpatro, sxc.hu

Strichweise

Werkzeuge für PDF und PostScript (Teil 8)

18.02.2010
Daten wiederzufinden, eindeutig zuzuordnen und als vollständig und authentisch zu identifizieren, ist nicht leicht. Hintergrundbilder und Barcodes können dabei helfen.

Serie Postscript/PDF-Tools

Teil 1 Anzeigen und Konvertieren LU 08/2009, S. 78 http://www.linux-community.de/artikel/19014
Teil 2 Zerlegen und Zusammensetzen LU 09/2009, S. 82 http://www.linux-community.de/artikel/17410
Teil 3 Mehrfachdruck und Poster LU 10/2009, S. 88 http://www.linux-community.de/artikel/19376
Teil 4 Flyer, Booklets und Bücher LU 11/2009, S. 88 http://www.linux-community.de/artikel/19481
Teil 5 Analysieren und Extrahieren LU 12/2009, S. 88 http://www.linux-community.de/artikel/19635
Teil 6 Drehen und Skalieren LU 01/2010, S. 90 http://www.linux-community.de/artikel/20046
Teil 7 Metadaten bearbeiten LU 02/2010, S. 90 http://www.linux-community.de/artikel/20357
Teil 8 Wasserzeichen und Barcodes LU 03/2010, S. 90 http://www.linux-community.de/artikel/20558

Es fällt alles andere als leicht, zu erkennen, ob ein Dokument echt ist. Daher entwickelt und testet man schon seit Jahrhunderten Verfahren, um für dieses Problem praktikable und möglichst dauerhaft nutzbare Lösungen zu finden. Eine gängige Lösung besteht darin, Dokumente optisch zu kennzeichnen – entweder durch ein im Papier eingebrachtes Wasserzeichen oder – im digitalen Zeitalter – durch einen entsprechenden Aufdruck.

Bei digital erstellten Dokumenten versteht man unter einem Wasserzeichen zusätzliche Informationen, die sich nicht vom restlichen Dokument trennen lassen ([1],[2]). Auf einem Ausdruck auf einfachem, weißen Papier lässt sich ein Wasserzeichen durch ein hellgraues Hintergrundbild simulieren. Dabei überdeckt der tatsächliche Dokumenteninhalt das Zeichen zwar teilweise, überdeckt, es bleibt aber für den Menschen erkennbar.

Automatisiert lassen sich solche Wasserzeichen oder Hintergrundbilder hingegen nur sehr schwer oder gar nicht erkennen und auslesen. Zu diesem Zweck kommen stattdessen Barcodes (von engl. "bar", Balken) zum Einsatz. Eine solche optoelektronisch lesbare Schrift besteht aus einer Folge verschieden breiter, paralleler Striche und Lücken [3]. Sie kodieren Informationen wie eine Rechnungsnummer, die Tracking-ID eines Pakets oder den Preis eines Produkts. Mithilfe eines Lesegerät und der passenden Software kann man den Barcode im Nu wieder entschlüsseln – wie es täglich zigtausend Mal an jeder Supermarktkasse geschieht.

Eine solche Kennzeichnung muss nicht unbedingt nur logistischen Zwecken dienen. Oft kommt sie auch dazu zum Einsatz, Eigentum zu kennzeichnen oder die Urheberschaft mittels einer eigenen Kennung nachzuweisen. Im Bereich der Forschung und Entwicklung ist es üblich, den Entwurfszustand eines Dokuments mittels "Entwurf" oder "Geheim" zu vermerken und auf diesem Weg ein Dokument als noch unfertig oder nicht zur Veröffentlichung freigegeben zu kennzeichnen.

Bei automatisch generierten und nachfolgend versendeten Dokumenten dient die Kennzeichnung meist weniger der Authentizitäts- und Integritätskontrolle als vielmehr dem Nachvollziehen von Datenflüssen und der automatischen Verarbeitung und Referenzierung in Dokumentenmanagement-Systemen ([2],[3]). Das gilt gerade und speziell für den Einsatz von Barcodes.

Möchten Sie Dokumente entsprechend markieren, ist es sinnvoll, die Markierungen bereits bei der Erstellung des Dokuments mit einzubinden. Das gilt gleichermaßen für Hintergrundbilder und Strichcodes. Bei einer nachträglichen Ergänzung müssen Sie dagegen umständlich verschiedene Ebenen übereinanderlegen und zu einer Ausgabedatei zusammenfügen. Am unkompliziertesten erzeugen Sie Dokumente mit einem digitalen "Wasserzeichen" in Form eines Hintergrundbilds in einer Textverarbeitung wie OpenOffice Writer oder Abiword.

Wasserzeichen erzeugen

Um ein Hintergrundbild festzulegen, wählen Sie in OOo Writer zunächst im Menü den Eintrag Format | Seite aus. Daraufhin öffnet sich ein Fenster wie in Abbildung 1 zu sehen. Im Reiter Hintergrund finden sich alle benötigten Schaltknöpfe.

Abbildung 1: Über diese Auswahlbox versehen Sie in OOo Writer Dokumente mit einem Hintergrundbild.

Zuerst suchen Sie im Feld Als: den Eintrag Grafik aus und fügen dann die gewünschte Bilddatei durch Betätigen des Schalters Auswählen mit Hilfe eines Dateiauswahldialogs hinzu. Unter dem Knopf Auswählen befindet sich der Bereich Art: Hier legen Sie fest, ob OOo Writer das Hintergrundbild an einer festen Position (Position), ganzflächig (Fläche) oder gekachelt (Kachel) einbinden soll.

Das rechts angeordnete Vorschaubild zeigt lediglich das zu integrierende Hintergrundbild, nicht jedoch dessen exakte Anordnung. Die lässt sich erst im Dokument erkennen, nachdem Sie den Dialog mittels OK geschlossen haben. Abbildung 2 zeigt ein Textdokument mit zusätzlicher Entwurfskennung.

Abbildung 2: So sieht ein fertiges OpenOffice-Dokument mit Hintergrundbild aus.

Auch Abiword verfügt über die Möglichkeit, ein Hintergrundbild zu setzen. Sie erreichen diese Funktion über den Menüpunkt Format | Hintergrund | Seitengrafik. Anders als OOo Writer skaliert Abiword das Hintergrundbild grundsätzlich auf die gesamte Seitenhöhe, sodass es je nach Vorlage oft verzerrt wirkt (Abbildung 3). Es gibt keine Möglichkeit, diese Skalierung auszuschalten oder selbst einen Faktor dafür festzulegen.

Abbildung 3: Abiword verzerrt Hintergrundbilder, deren Seitenverhältnis nicht dem des Papierformats entspricht.

Wasserzeichen mit LaTeX

In LaTeX eine Abbildung als Hintergrund zu nutzen, erweist sich als nicht gerade trivial. Die nachfolgend vorgestellte Methode basiert auf einer Idee, die Ingo Klöckl in seinem Buch "LaTeX Tipps & Tricks" [4] vorstellt. Es kommen dabei nur Standardbefehle sowie als einzige Erweiterung das Paket graphicx zum Einsatz.

Den Ausgangspunkt bildet die picture-Umgebung, mit deren Hilfe sich nahezu beliebige Grafik- und Textbefehle platzieren lassen. Die picture-Umgebung bekommt durch die Angabe (0,0) eine Länge und Breite von jeweils 0 pt. Damit wird die Einfügeposition nicht weiter nach rechts verschoben und der nachfolgende Text erscheint optisch auf dem eingebundenen Bild.

Listing 1 zeigt einen Ausschnitt des LaTeX-Quelltexts aus der Dokumentendatei background.tex. In Zeile 7 wird zunächst das benötigte Paket graphicx eingebunden, um Pixelgrafiken im PNG- und JPG-Format verwenden zu können. Durch das Hinzufügen der Option [pdftex] lässt sich der LaTeX-Code mit Pdflatex ohne Umwege nach PDF übersetzen.

Listing 1
\documentclass[10pt]{article}
\usepackage{a4}
\usepackage{german}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[utf8]{inputenc}
\usepackage{palatino}
\usepackage[pdftex]{graphicx}
\begin{document}
\begin{picture}(0,0)
 \put(0,0){\parbox[t][\textheight][c]{\textwidth}
  {\centerline{\includegraphics[width=\textwidth]{entwurf.png}}}
 }
\end{picture}
(…)

Die Zeilen 11 bis 15 beschreiben die picture-Umgebung mit einer Höhe und Breite von jeweils 0 pt. Darin befindet sich eine Absatzbox (\parbox), die Sie mit dem put-Befehl am Koordinatenursprung platzieren (\put(0,0)). Sie ist nach oben ausgerichtet (Parameter 1 mit dem Wert [t]) und hat eine Höhe entsprechend der Texthöhe des Dokuments (Parameter 2 mit dem Wert [\textheight]). Der Inhalt der Absatzbox erscheint vertikal mittig ausgerichtet (Parameter 3 mit dem Wert [c]).

Zeile 12 legt die Breite der Absatzbox auf die Textbreite fest, die aus der LaTeX-Variable \textwidth entnommen wird. In Zeile 13 bindet das Kommando \includegraphics die Hintergrundgrafik entwurf.png ein. Die Option width=\textwidth legt zudem fest, die Abbildung auf die Textbreite zu skalieren. Der Befehl \centerline richtet die Abbildung horizontal mittig aus. Den Inhalt des LaTeX-File übersetzen Sie mithilfe pdflatex background.tex nach PDF. Die fertige Seite mit Hintergrundbild zeigt Abbildung 4.

Abbildung 4: Das via LaTeX erzeugte PDF im Betrachter Evince.

Erscheint Ihnen der beschriebene Weg zu kompliziert, haben Sie – wie immer unter LaTeX – weitere Alternativen zur Auswahl. Eine Variante besteht darin, alle Texte und Abbildungen in einer separaten LaTeX-Box unterzubringen und die jeweilige Position dieser Boxen spezifisch festzulegen. Damit lässt sich ähnlich wie in einem DTP-Programm agieren, in dem man einzelne Textkästen festlegt und diese an die gewünschte Stelle auf dem Blatt schiebt. Die Position legen Sie mit dem LaTeX-Kommando \put und der nachfolgenden Angabe der x- und y-Koordinaten fest. In Abbildung 5 legt Zeile 48 die picture-Umgebung fest, in den Zeilen 50 und 54 erfolgt das Ausrichten der nachfolgenden Text- und Grafikboxen.

Abbildung 5: LaTeX-Boxen mit individueller Positionsangabe.

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