Powertop nutzen

Die aktuelle Version 11.1 von Powertop bringt rund zehn Funktionen mit, die sich gleich per Tastendruck aktivieren lassen. [S] beispielsweise schaltet den SATA-Stromsparmodus ein, [K] verhindert das Abfragen von CD/DVD-Laufwerken, [L] aktiviert den Laptop-Modus. Die in Entwicklung befindliche Version 1.12 schaltet zudem auch das Audio-System über HDMI ab.

Einige der Einstellungen nimmt Powertop permanent vor (zum Beispiel Udev-Regeln für das Polling von Laufwerken), bei anderen müssen Sie selbst dafür sorgen, sie nach jedem Systemstart zu aktivieren. Wenden Sie sämtliche Vorschläge von Powertop an, können Sie je nach Rechner bis zu 10 Watt an Strom sparen. Das Tool zeigt zur Kontrolle den aktuellen Stromverbrauch des Systems an. Das funktioniert jedoch nur, wenn der Rechner nicht am Stromnetz hängt.

Lassen Sie sich von den augenfälligen Resultaten von Powertop jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die besten Ergebnisse oft mit den einfachsten Mitteln erzielen lassen. So verbraucht etwa ein unnötig eingeschalteter Bluetooth-Adapter bis zu 6 Watt, da er auch das USB-Subsystem auf Draht hält. Je nachdem, ob Sie im Akku-Betrieb per LAN oder WLAN im Netz hängen, lohnt sich auch ein Blick auf das entsprechende Kernel-Modul, das sich per sudo modprobe -r Modulname ausschalten lässt. Bei vielen Net- und Notebooks können Sie WLAN und Bluetooth auch über entsprechende Funktionstasten ausschalten. Ob das fragliche Gerät dann auch tatsächlich inaktiv ist, zeigt allerdings nur der Blick auf den Stromverbrauch im Powertop-Fenster. Bei einigen WLAN-Chipsätzen lässt sich der Stromverbrauch auch im laufenden Betrieb reduzieren – Powertop zeigt hier an, welchen Befehl Sie dazu aufrufen müssen.

Auch die aktuelle Powertop-Version vernachlässigt nach wie vor das Audio-System. Benötigen Sie keinen Sound, sparen Sie mit dem Entladen sämtlicher Sound-Module rund 1 Watt. Als Spielverderber erwies sich in den Tests ein Fingerprint-Scanner am USB-Bus: Er verhinderte, das sich USB-Subsystem in den Suspend-Modus versetzen ließ. Auch hier kann man versuchen, sämtliche USB-Module (uhci_hcd, ehci_hcd) zu entladen, sofern man den Rechner nicht per USB-Tastatur bedienen möchte.

Festplatte?

Powertop bietet zwar an, den Laptop-Mode einzuschalten, wendet aber keine Stromsparfunktionen auf Festplatten an. Besitzen Sie zum Beispiel ein Notebook mit zwei Festplatten, dann lässt sich eine nicht benutzte Platte über hdparm -y /dev/sdb in den Standby-Modus versetzen, hdparm -Y /dev/sdb sorgt für einen Tiefschlaf, der den Stromverbrauch praktisch auf Null reduziert, was Powertop mit weiteren zwei gesparten Watt anzeigt. Um die Systemplatte schlafen zu legen oder zumindest ausruhen zu lassen, benötigt es zusätzlicher Feinarbeit: So muss zum Beispiel die Mount-Option noatime aktiv sein, der Writeback-Cache sollte auf mehr als fünf Sekunden gesetzt sein und der Syslog-Daemon darf nicht dazwischenfunken, da die Platte sonst ständig aus dem Stromsparmodus aufwacht.

Einen guten Ansatz bietet der Befehl hdparm -B 130 /dev/sda. Damit nutzt die Platte zwar alle möglichen Stromspar-Features, versetzt sich aber nicht in den Tiefschlaf. Zu viel Feintuning lohnt sich allerdings kaum: Obwohl aktuelle Notebook-Platten auch sehr viele Einschlaf/Aufwachzyklen aushalten, bleibt der Spareffekt eng begrenzt – im Dauerbetrieb benötigt das Laufwerk kaum mehr Strom als für das ständige Ein- und Ausschalten, zudem entfallen unangenehme Klacker-Geräuschen. Möchten Sie dennoch das Bestmögliche herausholen, dann hilft das Tool lm-profiler aus dem Paket laptop-mode beziehungsweise laptop-mode-tools beim Aufstöbern der Plagegeister, die die Festplatte nicht zur Ruhe kommen lassen.

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