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Brandneu

Sidux 2009-04 "Moros"

18.02.2010
Drei bis viermal im Jahr veröffentlicht das Sidux-Projekt seine auf Debian-unstable alias "Sid" basierende Distribution. Kann man mit soviel Aktualität auch arbeiten?

Seit nunmehr drei Jahren bevölkert ein weiterer Debian-Abkömmling die Welt der Linux-Distributionen. Einst aus dem Kanotix-Projekt (http://www.kanotix.com) geboren, führt Sidux (http://www.Sidux.com) den ursprünglichen Gedanken weiter, ein freies Linux-System aus dem Unstable-Zweig zu erstellen. Dem Rhythmus von drei bis vier Releases pro Jahr folgend, liegt die Distribution nun in Version Sidux 2009-04 "Moros" vor, die Sie auch auf der Heft-DVD finden.

Im Namen Sidux steckt bereits der Debian-Codename "Sid", der auf den Unstable-Zweig verweist. Er liefert die Basis für die ausschließlich aus freier Software bestehende Distribution. Das Hauptaugenmerk der Entwickler liegt dabei auf einer hohen Aktualität. Daher bringt "Sid" nicht nur den neuesten Kernel und aktuelle ATI-Radeon-Unterstützung mit, sondern bietet auch neue Technologien wie KMS (Kernel-Mode-Setting) an.

Neben der vorliegenden KDE-full-DVD finden Sie auf der Sidux-Projektseite kleinere Image-Dateien für die Versionen KDE-lite und XFCE. Sidux gibt es in 32- und 64-Bit-Versionen, von Haus aus spricht die junge Distribution Englisch und Deutsch. Nach einer Installation ergänzen Sie das System aber problemlos um weitere Sprachpakete.

Technische Daten

Name Sidux
Version 2009-04
Codename Moros
Release 31.12.2009
Kernel 2.6.32.2
Desktop KDE 4.3.4 (en+de)
X-Server 1.6.5 (X.org 7.4)
Paket-Mgmt. APT
Architektur i686, amd64
Besonderes umfasst ausschließlich freie Software

Mit grafischem Installer

Der eigentliche Clou an Sidux liegt in der Tatsache, dass Sie ohne größeren Aufwand regelmäßig an eine abgestimmte "Sid"-Installation kommen. Das Debian-Projekt selbst sieht dies nicht vor und ermöglicht ausschließlich Nutzern mit viel Hintergrundwissen und Handarbeit eine erfolgreiche Installation des Unstable-Zweigs.

Sidux booten Sie als Live-System. Vergessen dabei nicht, im Bootmanager mittels [F2] die bevorzugte Sprache auszuwählen. Erstaunlich schnell präsentiert sich nach dem Booten ein KDE-4-Desktop. Die darauf vorhandenen Links zeigen auf ein umfassendes Handbuch, das aber trotz der vielen angezeigten Sprachen lediglich auf Deutsch und Englisch existiert. Weitere Verknüpfungen bringen Sie direkt in ein IRC-Netzwerk zu Sidux-Liebhabern oder zeigen die Release-Notes an.

Der Link Sidux-installer öffnet das grafische Installationprogramm der Distribution (Abbildung 1). Ohne grundlegende Kenntnisse zu Partitiontabellen erschließt sich dessen Einsatz nicht. In der linken Spalte wählen Sie eines der Werkzeuge aus. Neben den Konsolentools Cfdisk und Fdisk steht das intuitivere Gparted bereit. Wählen Sie es aus und klicken Sie auf Ausführen. Nach dem Erstellen der gewünschten Partitionen schließen Sie das Tool und warten, bis das Setup wieder erscheint. Sidux unterstützt neben den üblichen Dateisystemen auch das neue Ext4.

Abbildung 1: Der grafische Installer führt Sie mit rudimentärer Funktionalität durch die Sidux-Installation.

Den neuen Partitionen weisen Sie noch die Mountpoints zu und hangeln sich anschließend durch die Reiter Grub/Zeitzone, Benutzer und Netzwerk. Dort angelangt, bestimmen Sie lediglich den Hostnamen und schalten bei Bedarf den SSH-Server ein – mehr Optionen zum Einrichten eines Netzwerks kennt der Sidux-Installer noch nicht.

Hürdenspringen

Durch einen Zufall trat im Test ein fataler Fehler zutage: Trotz der Auswahl Deutsch beim Bootmenü nutzt Sidux Grub mit amerikanischem Tastaturlayout. Bei der Eingabe des Passwortes galt es daher, [Y] und [Z] zu tauschen. KDE 4 hingegen verwendet das korrekte Tastaturlayout und die deutsche Lokalisation.

Das konsolenbasierte Werkzeug Ceni zum Einrichten des Netzwerks finden unter dem Programmmenüpunkt Internet. Wer weiß, dass die Tabulator-Taste den Anwender von Feld zu Feld bringt, hat keine Schwierigkeiten, es zu bedienen.

Neben allerhand KDE-Anwendungen aus den Bereichen Internet, Grafik und Multimedia fallen einige Besonderheiten auf. So finden Sie als Webbrowser den eigens für Debian-Systeme umbenannten Firefox-Klon Iceweasel. Sidux wartet aber mit einem weiteren Name auf und nennt ihn zusätzlich und verwirrenderweise Sidux-browser.

Dafür verzichtete das Entwicklerteam auf die Standardsoftware Gimp. Die freie Bürolösung OpenOffice gehört zu den wenigen Nicht-KDE-Anwendungen in Sidux. Den Desktop administrieren Sie mit den dafür typischen KDE-Tools. Für andere Bereiche, wie Druckerserver und Netzwerk sammelten die Entwickler existierende Tools.

Um den Paketmanager Apt zu bedienen, legte das Sidux-Team Benjamin Mesings Debian Package Search 2.5 bei. Der Aufruf des leistungsfähigen Tools startet dieses aber nur mit User-Rechten, sodass Sie nach [Alt]+[F2] und der Eingabe von kdesu packagesearch das Root-Passwort eintippen müssen, um Software zu verwalten. Anderenfalls stürzt die Software ab, ohne Sie über den fehlenden Root-Modus zu informieren.

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