Klarer Favorit
Freie und proprietäre PDF-Editoren im Vergleich
Möchten Sie PDF-Dateien nicht nur betrachten, sondern Dokumente in diesem Format (siehe Kasten "PDF im Überblick") auch bearbeiten und speichern, blieb lange Zeit nur der Griff zum proprietären und sündhaft teueren sündhaft teuren Adobe Acrobat. Den gibt es zudem nur für Windows und Mac, Linux-Anwendern blieb daher die Modifikation von PDF-Dateien zunächst verschlossen.
Erst die PDF-Exportfunktion der freien Bürosuite OpenOffice ermöglichte es Linux-Nutzern zumindest, entsprechende Dokumente zu generieren. Inzwischen haben die Entwickler für die Bürosuite auch eine Importfunktion freigegeben, und es drängen unter Linux neue Programme auf den Markt, die sich der Modifikation vorhandener Dokumente nach der PDF-Spezifikation verschreiben.
Neben dem Importer von OpenOffice stehen in diesem Test noch die beiden führenden Softwarepakete in diesem Bereich auf dem Prüfstand: das freie PDFedit sowie das proprietäre, jedoch in einer kostenlosen Variante verfügbare Cabaret Stage.
PDF im Überblick
PDF hat sich als plattform- und applikationsübergreifendes Anzeigeformat für Dokumente seit mehr als zehn Jahren fest etabliert. Aufgrund der auf den meisten Systemen gleichbleibend hohen Darstellungsqualität, aber auch wegen vieler Hilfefunktionen wie etwa der Seitenvorschau oder eines verlinkten Inhaltsverzeichnisses, erfreut sich das Format neuerdings zusätzlich im expandierenden Segment der E-Books wachsender Beliebtheit.
Um PDF möglichst schnell und nachhaltig als Standard zu etablieren, entwickelte Adobe Systems bereits in der Frühzeit des Internet den Adobe Reader als kostenloses Programm zum Anzeigen von PDF-Dateien für alle gängigen Betriebssystemplattformen.
Nur zögernd kam unter Linux freie Software auf den Markt, die das Betrachten von PDF-Dateien erlaubte. Diese Programme weisen jedoch gelegentlich Darstellungsschwächen auf [10], was nicht zuletzt an der von Adobe mehrfach modifizierten Formatspezifikation liegt.
Sun PDF Import Extension
Die zu OpenOffice und dessen kommerziellem Pendant StarOffice kompatible PDF-Import-Extension von Sun steht in der aktuellen Version 1.0 sowohl für 32- als auch 64-Bit-Linux-Systeme bereit [1]. Die Installation gestaltet sich einfach: Laden Sie die Datei zunächst herunter. Klicken Sie in OpenOffice in der oberen Menüzeile auf Extras | Extension Manager und dann auf die Schaltfläche Hinzufügen. In dem sich nun öffnenden Dateimanager-Fenster wählen Sie bequem die heruntergeladene Datei aus und klicken auf die Schaltfläche Öffnen. Die Extension steht nun bereit.
Wählen Sie nach erfolgreicher Installation des Importfilters eine PDF-Datei über den Dialog Datei | Öffnen aus, landet diese im Zeichenprogramm Draw. Je nach Größe der ursprünglichen Datei und Anzahl der darin vorhandenen grafischen Elemente (Cliparts, Fotos, Screenshots, Hintergründe) dauert der Ladevorgang einige Sekunden. Bei der Anzeige des Dokumentes stimmen selbst bei komplexen Dokumenten erfreulich viele Details: Grafiken, Bilder, Schriftattribute und Rahmen stellt die Applikation weitgehend korrekt dar (Abbildung 1).
Die Funktionen für das Bearbeiten beschränken sich jedoch auf das reine Modifizieren des Textes. Bilder oder Grafiken zu verändern oder wahlfrei einzubinden gelingt damit hingegen nicht. Zum Bearbeiten markieren Sie einen Text und dürfen dann die Textboxen nicht nur ändern oder deren Inhalte löschen, sondern auch als Ganzes durch fortgeschrittene Layoutoptionen aufbereiten. Dazu gehört zum Beispiel das Verschieben der Textboxen.
Negativ fiel im Test allerdings die äußerst behäbige Reaktion der Software bei größeren Absätzen oder aufwändig formatierten Textbausteinen ins Auge. An ein flüssiges Arbeiten ist dann nicht mehr zu denken. Bei komplex gestalteten Dokumenten, in denen sich mehrere grafische Elemente und Text überlagern, gelang es im Test nicht, neue Textboxen korrekt zu positionieren. Somit eignet sich die Extension lediglich für grundlegende Modifikationen an einfachen PDF-Dokumenten.
PDFedit
Die unter der GPL veröffentlichte Software PDFedit [2] hat sich zu einem Standardprogramm zum Bearbeiten von PDFs unter Linux entwickelt. Daher findet sich PDFedit bereits in den Repositories der gängigen Debian- und Ubuntu-Versionen. Von hier aus installieren Sie es bequem per grafischem Frontend (Synaptic) oder über die Kommandozeile (Aptitude).
Für Anwender, die mit der älteren Ubuntu-Version 8.04 LTS arbeiten, empfiehlt es sich, aufgrund eines deutlich erweiterten Funktionsumfangs anstelle der im offiziellen Universe-Repository vorgehaltenen PDFedit-Version 0.4.1 die neue 0.4.3 zu verwenden. Diese finden Sie in einer vorkompilierten und unter Hardy Heron problemlos über Gdebi zu installierenden Variante [3]. Binärpakete für verschiedene Varianten von OpenSuse [4] finden sich ebenso im Web wie Versionen für Fedora, Red Hat, CentOS und Mandriva [5]. Auf der Website des Projekts bei Sourceforge steht darüber hinaus der Quellcode zum Herunterladen bereit [6].
Nach gelungener Installation findet sich unter Gnome der Eintrag PDF Editor im Menü Anwendungen | Grafik, unter KDE nistet sich das Programm im Menü Programme | Grafik ein. Ein Klick auf das Icon aktiviert die Software, die schnell startet, sich aber zunächst wenig einladend mit einem in vier Bereiche aufgeteilten Fenster präsentiert.
Nach dem Einlesen einer PDF-Datei fällt die hervorragende Darstellungsqualität auf: Selbst Dokumente mit sehr komplexem Layout stellt die Applikation nahezu fehlerfrei im links oben angeordneten Anzeigebereich dar. Lediglich transparente Objekte weisen von Fall zu Fall Darstellungsfehler auf, sofern Text sie überlagert (Abbildung 2).
Über Lupensymbole verändern Sie bei Bedarf per Mausklick die Vergrößerungsstufe der Dokumentenanzeige, wobei die Stufen von 25 bis 400 Prozent reichen. Auch das Blättern in mehrseitigen PDF-Dokumenten erfolgt per Mausklick auf die entsprechenden Buttons. Im Bedarfsfall schließen Sie durch Drücken von [F8] die so genannte Kommandozeile im linken unteren Fensterbereich, was das Dokumentenfenster deutlich vergrößert. Zahlreiche weitere Optionen finden Sie in einem gesonderten Dialog, den Sie über [F9] erreichen (Abbildung 3).



