Gelungene Synthese
Mails, Adressen, Termine und Blogs verwalten mit Kontact
Von einem bloßen E-Mailclient zu sprechen, scheint angesichts der Funktionsfülle von Kontact unangebracht. Selbstbewusst nennen die Entwickler Kontact denn auch "KDE-PIM-Suite" [1], wobei die drei Buchstaben für Personal Information Management stehen. Das beinhaltet nicht nur den Versand und den Empfang E-Mails: Ein Kalender und ein Adressbuch zählen ebenso dazu wie das Verwalten von Aufgaben und Verteilerlisten.
Wenn dann noch die Daten des Handys auch auf dem Linux-Desktop zur Verfügung stehen, haben selbst professionelle Anwender nichts mehr zu meckern. Die aktuelle KDE-Version 4.4 [2], die voraussichtlich Mitte Februar 2009 als finales Release erscheint, bietet neben zahlreichen bekannten Fähigkeiten aber auch eher unbekannte Features für Kontact, die viel Arbeit sparen und mit denen das Kontact-Management leicht von der Hand geht. Der Artikel beschreibt den aktuellen Release-Kandidaten.
Im Rahmen
Im Gegensatz zu reinen Mailclients wie Thunderbird handelt es sich bei Kontact um ein umfangreiches Framework für unterschiedliche KDE-Anwendungen wie KMail (E-Mail), KOrganizer (Kalender, Journals) und KAdressbook (Addressbuch). Diese Programme betten sich in der Regel nahtlos als sogenannte KParts in die Oberfläche ein, lassen sich aber auch einzeln starten. Darüber hinaus greifen Sie via Kontact auch auf Module für die Zeiterfassung (KTimetracker), Notizen (KNotes und KJots) und den RSS-Newsreader Akregator zu. Diverse unregelmäßig weiterentwickelte Tools – etwa KCall für SIP-Telefonie, Kitchensync zum Synchronisieren von mobilen Geräten und oder Kmobiletools zu deren Steuerung – integrieren sich mehr oder weniger nahtlos in die Oberfläche. Durch den Umstieg auf KDE 4 steht jedoch noch viel Arbeit an.
Umfangreiche Anbindungsmöglichkeiten an Mail- und Groupware-Server sowie schier endlose Optionen in den Einstellungsmenüs und Konfigurationsdateien haben Kontact den Ruf einer aufgeblasenen, schwerfälligen Bloatware eingebracht. Daher schrieben sich die Entwickler auf die Fahnen, das zu ändern. Zurzeit tut sich von Version zu Version gerade in Sachen Arbeitsgeschwindigkeit Einiges. Ab der KDE-Version 4.5 (die voraussichtlich im Sommer erscheint) soll auch das komplette Backend auf die datenbankbasierte, flexible Neuentwicklung Akonadi [3] umgestellt sein. Damit sind die Daten zwischen den Anwendungen dann Entwicklerangaben zufolge "shared, not copied": Ein zentraler Datenbestand sorgt für mehr Effizienz und Geschwindigkeit, eine lokale MySQL-Datenbank mit fortlaufender Indizierung und semantischer Suche [4] hilft Kontact den Vorsprung der Konkurrenz aufzuholen.
Die KDE-PIM-Suite kommt recht intuitiv daher – nicht zuletzt dank der Portalseite (Abbildung 1). Die zeigt im Überblick neue Mails, Aufgaben, anstehende Termine und zuletzt angelegte Notizen. Sie individualisieren die Startseite über den Menüpunkt Einstellungen | Übersicht einrichten.... Sechs Unterpunkte bestimmen das Aussehen der Startseite, zum Beispiel welche E-Mail-Postfächer die Übersicht auflisten soll oder wie lange im Voraus Termine dort erscheinen.
Über das zweite Icon von oben erreichen Sie die E-Mail-Funktion. Mit Tabs wie im Browser öffnen Sie mehrere Postfächer nebeneinander. Ein eigener Bereich zeigt Bevorzugte Ordner und Favoriten an (Abbildung 2). Damit wechseln Sie auch aus tief verschachtelten E-Mail-Postfächern mit einem Klick zum Posteingang oder zur Lieblingsmailingliste. Per Drag & Drop oder über das Kontextmenü (rechte Maustaste) fügen Sie einen Ordner zu den Favoriten hinzu. Über den Einstellungsdialog des Ordners geben Sie ihm darüber hinaus ein eigenes eigenes Symbol.
Um Ordner zu exportieren, klicken Sie auf den gewünschten und wählen aus dem Kontextmenü Ordner Archivieren. Danach geben Sie einen Verzeichnis- und Dateinamen an und klicken auf Ok. Optional stellen Sie hier ein, ob KMail das zu archivierende Verzeichnis nach erfolgreichem Sichern löschen soll. Als Zielformat bietet der Mailclient beispielsweise ZIP- und TGZ-Archive. Darin landen die Nachrichten samt Anhängen und Unterordnern übrigens im Standard-Maildir-Format, das auch viele andere Mailclients öffnen können.
Den Import in Kontact erledigt das Tool KMailCVT, das Sie im Menü unter Datei | Nachrichten Importieren erreichen. Hier wählen Sie im Dropdownmenü den Eintrag KMail-Archivdatei importieren, aktivieren bei Bedarf das Optionsfeld Doppelte Nachrichten beim Importieren entfernen und klicken auf Weiter. Anschließend wählen Sie im Fenster Import Archive den lokalen Ordner, unter dem Sie die Mails platzieren möchten, und geben im Feld Archive File den Namen der vorher exportierten Datei an. Diese Funktion ist zwar neu, arbeitet aber schon erstaunlich zuverlässig
Das vielfach nachgefragte Feature, Mails zu markieren (Abbildung 3), erweitern die Entwickler derzeit. KDE 4.4 gruppiert die Darstellungsoptionen im Menü Ansicht. Hier finden Sie Untermenüs zum Sortieren, Zusammenstellen und Gestalten der Nachrichtenliste sowie zum Darstellen der Mails und Attachments.
Die Option doppelte Nachrichten automatisch zu löschen erfreut wohl jeden Anwender, der auf mehreren Mailinglisten Mitglied ist und regelmäßig Cross-Postings anderer Teilnehmer bekommt. Sehr komfortabel fällt auch die Mailinglistenverwaltung unter Ordner | Verwaltung von Mailinglisten aus (Abbildung 4). Das Aktivieren der Option Ordner enthält eine Mailingliste schaltet den Button Automatisch feststellen sowie einige Zusatzfunktionen frei. Das Programm erkennt danach automatisch die Mails dieser Liste.
Beantworten Sie jetzt eine Nachricht aus diesem Verzeichnis, ersetzt Kontact automatisch den Empfänger durch die Adresse der Mailingliste. Auch zum An- und Abmelden von Mailinglisten enthält KMail das passende Feature: Wählen Sie dazu den Eintrag Abonnement kündigen aus und klicken Sie auf Programm auswählen. Damit erscheint die richtige E-Mail-Vorlage.



