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Flinker Flachmann

Testbericht: Sony Vaio X

Proprietäre Firmware

Die Firmware-Dateien, die es zum Betrieb ins Modem zu laden gilt, finden sich in der Windows-Installation oder über Sonys Support-Seiten [6]. Wir laden den angebotenen Treiber herunter und "installieren" ihn mittels Wine. Anschließend finden sich die Firmware-Dateien amss.mbn und apps.mbn im Wine-DOS-Laufwerk C:\Programme\QUALCOMM\Images\Sony\UMTS\. Beide kopieren wir in das neu erstellte Verzeichnis /lib/firmware/gobi/.

Um die Firmware ins Modem zu bekommen, braucht es noch einen Loader. Den hat Matthew Garrett [7] geschrieben und unter der GPLv2 veröffentlicht. Wir laden den Firmware-Loader herunter [8] und entpacken ihn in ein neues Verzeichnis. Die Installation erfolgt mittels make; make install. Dabei wird auch ein neues Regel-Skript für Udev installiert, das für das Modem angepasst werden muss. Dazu öffnen wir es in einem Editor und ergänzen es um Vendor-ID und Product-ID (ohne Firmware). Der Eintrag lautet also:

ATTRS{idVendor}=="05c6", ATTRS{idProduct}=="9224", RUN+="gobi_loader /dev/%k /etc/gobi_firmware".

Nun machen wir den Kernel fit für den Aufruf des Modems. Dazu brauchen wir das Modul qcserial, das Kernel ab 2.6.30 mitbringen. Um es an das UMTS-Modem anzupassen, installieren wir mit sudo apt-get install linux-source build-essential die Kernel-Quellen (in unserem Fall Kernel 2.6.31) sowie die notwendigen Pakete, um das Kernel-Modul selbst zu übersetzen. Das Quellpaket im Verzeichnis /usr/src/ entpacken wir mit Hilfe des Befehls sudo tar -xjvf linux-source-2.6.31.tar.bz2. Um Qcserial zu bauen, kopieren wir die Quelldatei in ein neues Verzeichnis:

# cp /usr/src/linux-source-2.6.31/drivers/usb/serial/qcserial.c /tmp/Baustelle/

Die Anpassung für das Modem des Vaio X nehmen wir in der Quelldatei vor. Dazu benötigen wie wiederum die Vendor- und Product-ID – diesmal jedoch nach dem Laden der Firmware. Beide IDs gilt es in qcserial.c einzutragen. Dazu kopieren wir die Zeile, die mit {USB_DEVICE beginnt, und passen die neue Zeile passen wir wie folgt an:

{USB_DEVICE(0x05c6, 0x9225)},   /* Sony Gobi QDL device */

Nun fehlt noch ein Makefile (Listing 1). Dieses erstellen wir mit einem Editor in unserem Baustellen-Verzeichnis. Nun übersetzen wir das Modul mit make. Anschließend kopieren wir das fertige Kernelmodul via cp qcserial.ko /lib/modules/`uname -r`/kernel/drivers/usb/serial/ ins System. Ein Aufruf von depmod -A macht das neue Modul dem System bekannt und aktualisiert die Abhängigkeiten.

Listing 1
obj-m := qcserial.o
all:
  $(MAKE) -C /lib/modules/`uname -r`/build M=`pwd` modules
clean:
  $(MAKE) -C /lib/modules/`uname -r`/build M=`pwd` clean
  $(RM) Module.markers modules.order

Jetzt steht ein Neustart des Systems steht an. Anschließend findet sich unter /dev/ der notwendige Eintrag ttyUSB0 für das Gobi-Modem. Auch der Netzwerkmanager von Ubuntu zeigt unter Mobiles Breitband den Eintrag Neue mobile GSM-Breitbandverbindung (Abbildung 3). Darüber lässt sich der Zugang konfigurieren, der Internet-Zugriff via UMTS klappt tadellos.

Abbildung 3: Connect: Nach erfolgreicher Installation lässt sich das integrierte Modem bequem über den Netzwerkmanager von Ubuntu steuern.

Fazit

Das Vaio X zählt nicht zu den Geräten, die aus dem Stand heraus uneingeschränkt mit Linux kooperieren. Trotzdem lässt es sich mit vergleichsweise geringem Aufwand vollständig in Betrieb nehmen (siehe Tabelle "Linux-Unterstützung"). Mit seinem ansprechenden Design, der hervorragenden Verarbeitung und dem integrierten 3G-Modem verlockt das Sony Vaio X einerseits sehr, andererseits dämpft der exklusive Preis die Kaufgelüste deutlich.

Linux-Unterstützung

VGA ++
VGA extern ++
Sleep +
Suspend ++
WAN ++
WLAN +++
Bluetooth +++
Card-Reader +++
Webcam nicht getestet

+++ uneingeschränkt funktionsfähig, ++ nach Modifikationen voll funktionsfähig, + unterstützt, aber nicht ohne Fehler

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LinuxUser 06/2012

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