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© Lars Sundström, sxc.hu

Gemütlicher Gleitflug

Dateibrowser TDFSB visualisiert Dateien und Verzeichnisse

18.02.2010
Statt schnöder Dateisymbolik erleben Sie mit TDFSB einen atemberaubenden Flug durch das Dateisystem.

README

TDFSB visualisiert Festplatteninhalte. Sein weitgehend konfigurierbares Interface erlaubt Ihnen die volle Kontrolle über die Steuerung sowie Aktionen auf bestimmte Dateitypen.

Dateimanager gibt es wie Sand am Meer, vom Konsolen-Tool Midnight Commander bis hin zu Nautilus und dem KDE-Allrounder Konqueror. Wer allerdings in seinem Dateisystem nicht nur pragmatisch den Inhalt auflisten will, sondern vor allem die originelle Präsentation sucht, für den gibt es den Datei-Browser TDFSB.

TDFSB steht als Abkürzung für 3D File System Browser, und der Name ist Programm: Dreidimensional durchwandern oder überfliegen Sie Dateien und Ordner auf der Festplatte und betrachten den Inhalt von Multimedia-Files. Auf diese Weise schauen Sie Grafiken an oder spielen MP3-Dateien ab. Dazu benötigen Sie allerdings eine hardwarebeschleunigte 3D-Grafikkarte, ansonsten gerät die Fliegerei zur nervtötenden Ruckelpartie.

Als Ubuntu-Nutzer habe Sie leichtes Spiel: Sie installieren das Programm über den Paketmanager Synaptic oder mit dem Kommando sudo apt-get install tdfsb in der Shell. Enthält das Repository der Distribution Ihrer Wahl TDFSB nicht, holen Sie die Version 0.0.10 des Dateibrowser als Quelltext von der Homepage des Projekts. Nach dem Entpacken des Tarballs finden Sie im neu entstandenen Verzeichnis tdfsb-0.0.10 die Datei README, die alles weitere zu benötigten Bibliotheken und der Installation per Hand verrät. Zum erfolgreichen Übersetzen brauchen Sie unter anderem die Entwicklerpakete von SDL und SDL-Image sowie die SDL MPEG Player Library (SMPEG).

Erste Wanderungen

Nach dem ersten Start des Programms mittels des Befehls tdfsb in der Kommandozeile öffnet sich das 400x300 Pixel große Fenster des Dateibrowsers. Es zeigt den Inhalt des Wurzelverzeichnisses (/), also beispielsweise die Verzeichnisse /bin, /etc oder /home. Ordner stellt die Software dabei als Kugeln dar, Grafiken als Vorschaubilder, Text- und HTML-Dokumente als animierte, gelbe Zylinder und Musikdateien in Form von stilisierten, grünen Lautsprechern (Abbildung 1).

Abbildung 1: TDFSB zeigt Ihnen den Festplatteninhalt dreidimensional mithilfe verschiedener Formen, Farben und Flächen an.

Um in eines der Verzeichnisse zu navigieren, steuern Sie es mit der Maus und den Pfeiltasten wie bei einem Ego-Shooter an, bis Sie es "berühren". Sogleich öffnet sich mit dem Hinweis WARPING… dessen Inhalt – vorausgesetzt, Sie haben die nötigen Rechte. Liegen dort viele oder große Dateien, für die TDFSB eine Vorschau anbietet (wie etwa Bilder oder MPEG-Videos), nimmt der Wechsel durchaus eine Minute oder mehr in Anspruch (Abbildung 2). Bei Bedarf, insbesondere wenn es der bessere Überblick über den Datenwust verlangt, fliegen Sie mit [Leertaste] los und sehen sich die Gegend von oben an. Mit [Ende] landet das Tool auf dem Boden.

Abbildung 2: Grafiken stellt TDFSB in Form digitaler Plakatwände dar.

Sollte das Browser-Fenster zu klein ausfallen, drücken Sie [F] für den Vollbild-Modus. Ein erneuter Druck auf die Taste bringt Sie zu Ihrem gewohnten Desktop zurück und verkleinert die Browser-Ansicht. Neben diesen Tastaturkürzeln gibt es noch eine Reihe weiterer Tasten- und Mausfunktionen, um den 3D-Dateibrowser zu steuern. Die wichtigsten Shortcuts finden Sie in der Tabelle "Shortcuts zur Steuerung".

Shortcuts zur Steuerung

Tastatur/Maus Funktion
[Esc] Programm beenden
Mausbewegung Umsehen und drehen
Pfeiltasten Vorwärts, rückwärts, seitwärts bewegen
[Linke Maustaste]+[Eingabe] MPEG oder MP3 abspielen
[U] Ins übergeordnete Verzeichnis wechseln
[H] Hilfe ein/ausschalten
[T] Dateinamenanzeige um- oder ausschalten
[L] Verzeichnis neu einlesen
[.] Unsichtbare Daten ("Dotfiles") anzeigen/ausblenden
[A] Alphabetische Sortierung ein/aus
[0] Ins Home-Verzeichnis gehen
[Leertaste] Flugmodus ein/aus
[Ende] Landen

Konfiguration

Beim ersten Aufruf legt TDFSB die Konfigurationsdatei ~./tdfsb in Ihrem Heimatverzeichnis an und liest sie in Zukunft bei jedem Programmstart ein. Die Datei liegt im ASCII-Format vor, sodass Sie sie mit einem Pager wie less lesen oder mit einem Texteditor bearbeiten können, falls Sie eigene Anpassungen wünschen. Der Aufbau der Datei ~./tdfsb folgt dem Muster Variable = Wert. Bei den Werten handelt es sich entweder um Zahlen wie 400 oder 0.6, Textzeichen wie / oder Ja/Nein-Angaben, die Default-Einstellungen ändern.

Im oberen Abschnitt der Konfigurationsdatei fügt sich zudem ein Kommentar an das genannte Muster. Die Kommentarzeilen beginnen mit dem Rautenzeichen # und werden, ähnlich wie bei Shell-Skripten, nicht vom Programm eingelesen und erfasst. Diese Zeilen liefern Ihnen den Hinweis, welche Programmfunktionen Sie durch eine Neudefinition der Variablen verändern.

So definiert die Variable StartDir beispielsweise das Verzeichnis, in das TDFSB nach dem Aufruf wechselt. Voreingestellt haben die Entwickler hier, wie bereits erwähnt, das Wurzelverzeichnis. Um nach dem Programmstart sofort ins Verzeichnis /etc zu wechseln, passen Sie die Variable wie folgt an:

StartDir = /etc

Auf ähnliche Weise erreichen Sie, dass das Browserfenster mehr als 400 x 300 Pixel umfasst. Die Variablen im nächsten Beispiel schrauben die Fensterweite (WindowWidth) und Fensterhöhe (WindowHeight) auf 800 x 600 Pixel hoch:

WindowWidth = 800
WindowHeight = 600

In der Voreinstellung sortiert das Programm den Verzeichnisinhalt von vornherein alphabetisch. Möchten Sie darauf verzichten, regeln Sie das über den Eintrag:

AlphaSort = No

Eine besondere Bedeutung kommt der Variable CustomExecuteString am Schluss der Liste zu. Wie Sie in der Datei ~./tdfsb sehen, steht dort der Wert cd "%s"; xterm& als Vorgabe. Das bewirkt folgendes: Nehmen Sie mit der linken Maustaste ein Verzeichnis ins Visier, und drücken Sie dabei die Tabulator-Taste, dann öffnet die Applikation ein Terminal in eben diesem Verzeichnis. Der Wert der Variable besteht also aus einem Kommando wie in der Shell, und dieses Kommando dürfen Sie frei wählen. Möchten Sie, dass der Gmplayer eine durch linke Maustaste ausgewählte Datei mit [Tabulator] abspielt, ändern Sie die Zeile so ab:

CustomExecuteString = gmplayer %s &

Am Ende der Konfigurationsdatei ~./tdfsb sehen Sie die Tastenbelegungen, die Sie frei wie die bereits erwähnten Variablen verändern und anpassen dürfen. Um die Flugfähigkeit nicht mehr wie bisher mit der Leertaste, sondern dem [+] ein- und auszuschalten, genügt hier die Neudefinition KeyFlying = "+".

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