Zug um Zug
Shredder 12 im Test
Nützliches Neues
Nach dem ersten Start wählen Sie Ihre Landessprache aus und starten das Programm neu. Der Programmautor bleibt dem Aufbau mit mehreren Fenstern treu (Abbildung 1). Wer auf einem größeren Monitor spielt, wählt im Menü unter Fenster am besten zuerst ein größeres Layout aus.
Die Neuerungen an der Oberfläche fallen während einer ersten Partie schnell ins Auge: Spielt Shredder selbst, erscheint im Uhrenfenster ein kleiner Pokal, der verschwindet, sobald Sie eine Weltmeister-Partie aus der mitgelieferten Datenbank nachspielen. Das darunter liegende Fenster für den Spielverlauf zeigt nicht nur über eine Balkenstatistik Gewinne und Verluste an, sondern reiht in einer zweiten Ansicht auch verlorengegangene Spielfiguren auf.
Bei einem besonders dummen Zug greift der verbesserte Coach nicht nur mit einer Warnung ein, er zeigt gleichzeitig die Bedrohung mit einem farbigen Pfeil. Unglücklicherweise erlaubt die Software nicht, diese Hilfe zu konfigurieren, um zum Beispiel einen Schwellwert für den Trainerruf festzulegen. Trotzdem arbeitet der Coach so, dass er nicht bei jedem kleinen Stellungsverlust eingreift. Über den Menüpunkt Hilfe | Coach passt auf verbannen Sie ihn komplett aus dem Spiel.
Auf Wunsch sagt Shredder seine eigenen Züge nun mit einer klaren und angenehmen Stimme an. Aktivieren Sie hierzu unter Ablage | Optionen die Funktion Züge ansagen. Gerade bei langen Partien fällt dieses nette Gimmick im Gegensatz zum schrillen Piepston manch anderer Software angenehm auf.
Bleiben Sie im Notationsfenster mit der Maus länger auf einem Zugeintrag, erscheint ein kleines Schachfeld mit der jeweiligen Stellung – eine große Hilfe, wenn Sie nach einer längeren Partie ein bestimmtes Bedrohungsbild wiederfinden möchten (Abbildung 2). Dieses nützliche Feature findet sich ebenso im Partieprofil. Hier halten Sie den Mauspfeil über einen Balken, um die jeweilige Spielsituation grafisch zu erfassen. Ein Klick darauf befördert Sie im Hauptfenster zur gewählten Stellung.
Das untere Fenster vermittelt die Gedankenwelt des Schachprogrammes. Neben der aus Shredder 9 bekannten Anzeige zu gerade untersuchten Zügen greift die Software seit Shredder 11 auch auf umfangreiche Onlinedatenbanken für Eröffnungen und Endspiele zu. Zwar liefert Shredder 12 ein sehr gutes Eröffnungsbuch und eine Datenbank für Drei- und Vier-Steiner-Endspiele mit. Online haben Sie aber Zugriff auf deutlich umfangreichere Datensätze. So misst die Endspieldatenbank für alle Sechs-Steiner (außer 5 gegen 1) über ein TByte. Das große, nur online abrufbare Eröffnungsbuch hält über 16 Millionen Züge vor und stellt damit so ziemlich alles dar, was jemals jemand auf Turnierebene gespielt hat.
Um eine Partie mit Schwarz zu beginnen, drehen Sie nicht mehr umständlich das Brett und starten dann ein neues Spiel. Vielmehr drücken Sie statt [Strg]+[N] für eine Partie mit Weiß nun die Tastenkombination [Strg]+[Umschalt]+[N] oder wählen den adäquaten Menüpunkt aus Ablage, um gleich mit Schwarz zu beginnen. An dieser merkwürdigen Menübezeichnung erkennen Sie übrigens den Ursprung aus Mac OS X: Dort existiert der Punkt Ablage in beinahe jedem Programm.
Nach wie vor konfigurieren Sie über den Bereich Spielstufen Blitzpartien oder Spiele unter Turnierbedingungen. Für die schnelle Partie finden Sie nun ein paar Schalter für die gängigsten Sekundenvorgaben (Abbildung 3). Die enorme Spielstärke drosseln Sie zu Trainingszwecken mit dem Schieberegler, der nun mehr Informationen als die reinen ELO-Zahlen anzeigt. An klaren Bezeichnungen wie Vereinsspieler, Guter Vereinsspieler oder gar Internationaler Meister erkennen Sie besser, welche Art von simuliertem Gegner Sie vor sich haben.
Sparringspartner
Haben Sie eine Partie beendet, zeigt Shredder die für Sie geschätzte ELO-Zahl an und macht den Vorschlag, die Spielstärke der Engine für die nächste Partie entsprechend anzupassen (Abbildung 4). So stellt das Programm sicher, dass Ihnen immer ein angemessener Gegner gegenübersteht. Über den Menüpunkt Modus | Zeige Deine Spielstärke... erfahren Sie mittels einer Grafik, wie es um die Entwicklung Ihrer Schachkünste steht.
Als besonders gelungen fiel im Test die künstliche Intelligenz der simulierten Gegner auf. Viele Konkurrenzprodukte schränken lediglich die Rechentiefe ein und produzieren somit unlogische Fehler. Shredder dagegen unterlaufen in der jeweiligen Spielstufe typisch menschliche Fehler. Somit haben auch mittelmäßige Spieler bei gedrosselter "Gehirnkraft" der Engine einen guten Trainingseffekt und behalten den Spaß am Spiel gegen eine Maschine.



