Bereits 1995 erblickte in Japan die Software W3m das Licht der Welt, vom Entwickler Akinori Ito zunächst als reiner Pager wie Less oder More geplant. Aus diesen Anfängen entwickelte sich W3m zu einem komplexen Webbrowser und erfreut sich heute einer großen Fan-Gemeinde. Dieser Beliebtheit ist auch die Tatsache geschuldet, dass beinahe jede große Linux-Distribution den Textbrowser im Repository bereit hält, manchmal sogar in der Standardinstallation. Für Debian- und Ubuntu-Anwender steht zudem neben dem Hauptpaket w3m das Paket w3m-img bereit: Es ermöglicht dem Textbrowser, Grafiken in Terminals mit Framebuffer-Support darzustellen (Abbildung 1).
Sollten Sie das Programm nicht in den Lagerbeständen Ihres Distributors entdecken, finden Sie den Quellcode auf der Homepage des Sourceforge-Projektes [2]. Nach dem Herunterladen und Entpacken des Tarballs w3m-0.5.2.tar.gz bekommen Sie mit der Datei w3m-0.5.2/doc/README eine Anleitung zum Selbstkompilieren samt Hinweisen für die dazu benötigte GC-Bibliothek von Hans J. Boehm [3]. Falls Ihnen die Anleitung zu kompliziert erscheint, bietet Ihnen das Heft-Archiv von LinuxUser im Internet Hilfe zu diesem Thema an [4].
Der Browser
Zu einem erfolgreichen Start benötigt W3m verschiedene Parameter, wie etwa Webadressen, lokale Dateien auf Ihrem Rechner oder die Option -B, die das Programm mit den Bookmarks aufruft, falls Sie solche bereits vermerkt haben. Auch der Aufruf eines einzelnen Verzeichnispfades wie w3m /usr/share/doc/ ist möglich, W3m verwandelt sich in diesem Fall zu einem Dateibrowser mit geteilter Ansicht (Abbildung 2).
Nachdem Sie zum Beispiel mit dem Befehl w3m www.ubuntu-user.de das Programm mit einer URL als Argument gestartet haben, gilt es, sich mit dem Bedienkonzept des Browsers vertraut zu machen. Natürlich erlaubt er wie jedes Konsolen-Tool, das etwas auf sich hält, eine Steuerung komplett per Tastatur. Das heißt aber nicht, dass via Maus nichts geht: Mit einem Klick der rechten Maustaste zaubern Sie ein Popup-Menü hervor, über das Sie navigieren, Dokumente speichern, Tabs auswählen, Bookmarks auflisten oder die Hilfe und Einstellungen öffnen (Abbildung 3).
Die entsprechende Tastenfunktionen stehen in Klammern hinter den einzelnen Menüpunkten. Ein Doppelklick mit der linken Taste hingegen öffnet den Link unter dem Mauspfeil direkt. Falls Sie nicht zu den Freunden der Mausschubserei gehören, seien Sie beruhigt: Die Entwickler haben die Shortcuts der Tastaturbefehle gut durchdacht. So gelangen Sie mit [Umschalt]+[B] ein Dokument zurück, [Umschalt]+[J] und [Umschalt]+[K] scrollen in der Seite auf und ab, und [Q] beendet den Browser. Die Tabelle "Shortcuts" fasst die wichtigen Funktionen zusammen.
Shortcuts
| Tasten | Funktion |
|---|---|
| [O] | Einstellungsmenü öffnen |
| [Umschalt]+[H] | Online-Hilfe öffnen |
| [Umschalt]+[K] | eine Zeile abwärts scrollen |
| [Umschalt]+[J] | eine Zeile aufwärts scrollen |
| [Umschalt]+[<] | nach rechts scrollen |
| [<] | nach links scrollen |
| [Pfeiltasten] | Cursor bewegen |
| [Umschalt]+[B] | in der Browser-Chronik zurück |
| [Umschalt]+[E] | Dokument editieren |
| [Enter] | Link öffnen |
| [Strg]+[T] | Link in neuem Tab öffnen |
| [Alt Gr]+[7] | vorherigen Tab öffnen |
| [Alt Gr]+[0] | nächsten Tab öffnen |
| [Umschalt]+[S] | Dokument speichern |
| [Umschalt]+[U] | neuen URL eingeben |
| [Esc]+[B] | Lesezeichen betrachten |
| [Esc]+[A] | aktuelle Seite zu Lesezeichen hinzufügen |
| [Umschalt]+[ 7] | im Dokument vorwärts suchen |
| [Umschalt]+[ß] | im Dokument rückwärts suchen |
| [Q] | Programm beenden |
Der Pager
Auch als Pager – also als Programm zum Anzeigen einzelner Dateien – hinterlässt W3m dank der ausgereiften Funktionen einen guten Eindruck. Das Programm öffnet natürlich nicht nur HTML-Dokumente, sondern auch Textdateien.
Stehen in der Textdatei URLs wie http://www.linux.org oder file:///usr/local beziehungsweise und für Newsgroups und Mail news:de.rec.film.misc respektive mailto:tux@tux.tld, dann verwandelt ein Druck auf die Doppelpunkt-Taste ([Umschalt]+[.]) diese in anwähl- und klickbare Links.
Konfrontieren Sie W3m mit einer Grafik-, Video oder PDF-Datei als Option – einem Format also, das der Pager selbst nicht beherrscht – dann schaut die Software in verschiedenen Dateien nach Hilfsanwendungen. Dabei handelt es sich in der Regel um die Files ~/.mailcap oder /etc/mailcap und bei W3m je nach Distribution zusätzlich um /etc/w3m/mailcap oder ~/.w3m/mailcap. Darin erfährt das Programm, welches externe Tool beispielsweise das PDF-Dokumente anzeigt, und startet dieses bei Bedarf.
Möchten Sie ein HTML-Dokument ungerendert im Quelltext betrachten, geben Sie dem Programm die Option -T text/plain mit. Das -T spezifiziert den Content-Type, den W3m bei der Darstellung annehmen soll. In diesem Falle text/plain, also Klartext, statt text/html, wie für HTML üblich:
$ w3m -T text/plain Datei .html
Als Pager arbeitet W3m mit dem Programm Man zusammen, das die Hilfedateien zu Programmen aufruft und strukturiert. Für gewöhnlich kommen hier die Pager Less oder More zum Einsatz. Bevorzugen Sie den flinken Japaner, geben Sie das entsprechend in der Kommandozeile über die Option -P (für Pager) an:
man -P"w3m" bash
Möchten Sie W3m dauerhaft als Pager einsetzen, definieren Sie dies über die gleichnamige Umgebungsvariable in der Konfiguration Ihrer Shell. Diese finden Sie, sofern Sie die Bash als Shell nutzen, in der Datei ~/.bashrc. Dort fügen Sie mit export PAGER="w3m" einen entsprechenden Eintrag hinzu. Nach einem Neustart der Shell oder einem Einlesen der veränderten Konfiguration benötigen Sie den Parameter -P nicht mehr, da Man in Zukunft automatisch zu W3m greift.



