Spielend leicht gebaut

2D-Spielespaß mit World of Goo

Das Spiel "World of Goo" [1] der in San Francisco ansässigen, unabhängigen Spielefirma 2D Boy [2] räumte viel Lob in den einschlägigen Spielemagazinen und zwei Preise auf dem "Independent Games Festival" ab. Es setzt auf die freie Bibliothek SDL und nutzt als Audioformat Ogg-Vorbis.

Das Spielziel besteht darin, sogenannte Goo-Bälle so zusammenzubauen beziehungsweise aneinander zu kleben, dass sie am Schluss in einem Absaugrohr verschwinden. Anfangs fällt diese Aufgabe noch recht leicht, was sich jedoch im Laufe des Spiels ändert. Insgesamt gilt es, vier Kapitel zu absolvieren, die sich wiederum in verschiedene Arenen aufteilen.

Auf der Homepage steht eine Demoversion des Spiels bereit, die das erste Kapitel von World of Goo umfasst. Die Vollversion schlägt mit gerade einmal 20 US-Dollar zu Buche, umgerechnet also weniger als 15 Euro. Erwähnenswert ist, dass das Spiel sogar sogar in einer Variante für die Nintendo Spielkonsole Wii bereit steht.

Systemvoraussetzung

Die Anforderungen des Spiels an die Hardware fallen äußerst moderat aus: Laut der Entwickler genügen eine mit 1 GHz getaktete CPU, eine handelsübliche Grafikkarte, 512 MByte RAM und 100 MByte Festplattenspeicher vollkommen.

Das Spiel liegt als RPM- und Debian-Paket vor, einen Tarball bietet die Firma ebenfalls zum Download an. Die Archive haben eine Größe von knapp 64 MByte und belegen nach der Installation in etwa 80 MByte Plattenplatz. Auf dem System befinden sich die Dateien nach der Installation unter /opt/WorldOfGoo/. Gut gefällt, dass das Spiel sowohl auf 32- als auch 64-Bit Systemen läuft und komplett ins Deutsche übersetzt ist.

Als Testsystem diente ein Thinkpad X61s mit einer 1,6-GHz-CPU, 3 GByte RAM und einer Intel-X3100-Grafikkarte. Darauf lief das Spiel im Test sehr flüssig. Zu keinem Zeitpunkt gab es Ruckler bei Grafik oder Ton.

Spielstart

Nach einer kurzen Initialisierungsphase befinden Sie sich im Hauptmenü von World of Goo. Um ein Spiel zu starten, klicken Sie im linken Teil des Bildschirms auf den im Nordosten liegenden "Kontinent" des Planeten. Später haben Sie die Möglichkeit, in andere Kapitel direkt einzusteigen, die Sie zuvor durchgespielt haben. Im rechten unteren Teil verwalten Sie bis zu drei Profile. Um das Spiel zu beenden, klicken Sie auf das rechte Symbol. Das erste Kapitel startet in der Sommerzeit. Sie befinden sich im Übersichtsmodus, von wo aus Sie die verschiedenen Arenen anwählen.

Einstellungen

Um zwischen Vollbild- und Fenstermodus zu wechseln, drücken Sie [Alt]+[Enter]. Den Ton schalten Sie mit [Alt]+[M] stumm, [Alt]+[F4] beendet World of Goo. Die allgemeinen Einstellungen finden Sie unter /opt/WorldOfGoo/properties/config.txt im Hauptverzeichnis des Spiels. Diese Datei enthält ein XML-Format. Das Ändern der Sprache, der Bildschirmauflösung oder etwa des Audiotreibers (Pulseaudio, ESD, Arts) nehmen Sie bei Bedarf hier mit einem Editor vor.

Ein Schmankerl – allerdings als experimentell deklariert – ist der Einsatz mehrerer Mäuse. Dazu ändern Sie bei <param name="manymouse" value="false" /> den String "false" auf "true" und führen chmod a+r /dev/input/by-id/*event-mouse aus. Insgesamt können bis zu vier Leute gleichzeitig World of Goo spielen, jeder mit einer separaten Maus. Dieses Features haben wir im Test allerdings nicht aktiviert.

Beachten Sie bitte auch, dass bestimmte Funktionstasten (wie Multimediatasten bei Keyboards oder Laptops) nicht funktionieren. So gelingt es im Vollbildmodus beispielsweise nicht, die Lautstärke zu ändern. Ein etwas umständlicher Workaround besteht darin, zuerst in den Fenstermodus zu wechseln, dort die Lautstärke zu regeln und anschließend wieder zurück zum Vollbild zurück zu springen.

Das Bedienkonzept des Spiels gestaltet sich sehr einfach – alle Aktionen erreichen Sie über die linke Maustaste. Um nach rechts, links, oben oder unten zu scrollen, fahren Sie einfach mit der Maus an den Bildrand. In späteren Arenen kommt es vor, dass gewisse Bereiche erst nach und nach ins Blickfeld rücken: nämlich dann, wenn die Goo-Bälle in solche Bereiche vordringen.

Die erste Arena der ersten Stufe fällt noch recht einfach aus. Hier gilt es, einen kleinen Turm aus Goo-Bällen an das Absaugrohr zu bauen. Einen Goo-Ball wählen Sie aus, indem Sie mit der Maus darüber fahren. Nun halten Sie die linke Maustaste gedrückt und ziehen den Ball über zwei andere bereits festsitzende Bälle. Markierungslinien zeigen an, wie die neue Konstruktion aussieht (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Die Markierungslinien helfen beim Zusammenbau der Goo-Bälle.

Achten Sie darauf, eine stabile Konstruktion zu bauen – das Einfügen eines neuen Balls sollte also das bereits fertige Konstrukt (Abbildung 2) nicht umkippen. Fest installierte Goo-Bälle können Sie in den ersten Stufen nicht mehr repositionieren. Erst später lernen Sie neue Arten von Goo-Bällen kennen, die so etwas erlauben.

Abbildung 2

Abbildung 2: In der ersten Arena reicht es, einen kleinen Turm zu bauen.

Haben Sie das Absaugrohr erreicht, saugt es die Goo-Bälle ab. Je nach Arena muss eine bestimmte Anzahl von Goo-Bällen "überleben". Sofern Sie mehr erreichen, als notwendig war (Abbildung 3), kommt das Ihrem Konto zugute – dazu später mehr. Nach dem Absolvieren einer Arena erscheint im rechten Teil des Bildschirms ein Griff an einer Schnur mit der Aufschrift weiter.

Abbildung 3

Abbildung 3: Haben Sie mehr als die notwendige Anzahl an Goo-Bällen erreicht, erhalten Sie eine Gutschrift aufs Konto.

Klicken Sie darauf, gelangen Sie wieder zur Übersicht – eine neue Arena ist jetzt freigeschaltet. Der rote Pfeil zeigt dabei immer an, welche Arena als nächstes auf Sie wartet. Bereits in der zweiten Arena haben Sie die Aufgabe, schlafende Goo-Bälle aufzuwecken. Dazu reicht es aus, aktive Goo-Bälle in die Nähe von noch schlafenden zu bringen – letztere schließen sich dann dem Kollektiv an.

Höher hinaus…

Nach erfolgreicher bestandener dritten Arena schaltet die Software die Arena "World of Goo Corporation" frei. Um sie zu absolvieren, benötigen Sie eine Internetanbindung. Goo-Bälle, die Sie in den zurückliegenden Arenen gesammelt haben, landen in der Corporation-Arena. Das Ziel lautet hier, einen Turm aus Goo-Bällen zu konstruieren, der höher ausfällt als jener der Konkurrenten. Dabei geht es nicht um Zeit, sondern einzig allein um die Höhe. Achten Sie also darauf, dass Ihr Turm nicht zu sehr ins Schwanken gerät und das Fundament genügend Stabilität bietet, um etwaigen Belastungen stand zuhalten.

Fazit

World of Goo besticht durch das einfache, aber witzige Spielkonzept. Bei insgesamt vier Kapiteln mit zahlreichen Arenen kommt selbst bei hart gesottenen Gamern so schnell keine Langeweile auf – der Schwierigkeitsgrad steigt von Arena zu Arena an, ohne dass Frust aufkommt.

Während andere Anbietern für ihre Spiele immer potentere Hardware fordern, läuft die hier vorgestellte Software selbst auf fünf Jahre alten Rechnern flüssig. Auch der moderate Preis von gerade mal 20 US-Dollar dürfte selbst den letzten Spielkritiker hinter dem Ofen hervorlocken.

Glossar

Ogg-Vorbis

Ein Codec zur verlustbehafteten Kompression von Audio-Daten – ähnlich wie der bekanntere MP3-Codec. Ogg-Vorbis steht jedoch unter einer freien Lizenz und ermöglicht besonders bei starker Kompression eine bessere Qualität als das MP3-Format.

Infos

[1] World of Goo: http://2dboy.com/games.php

[2] 2D Boy: http://2dboy.com/

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