Intel macht sich nicht gern selbst Konkurrenz. Deshalb erlegt der Chiphersteller seinen Atom-Abnehmern gewisse Einschränkungen auf, um das lukrative Geschäft mit den hochpreisigen Core-ULV-Ultraportables nicht zu kannibalisieren: Der Bildschirm darf nicht größer ausfallen als 10 Zoll, der Dualcore-Atom 330 soll den als Nettops apostrophierten Atom-Desktops vorbehalten bleiben. Einige Mutige trauen sich aus der Reihe zu tanzen – etwa Dell mit dem 12-Zoll-Mini – doch der Großteil der Hersteller hält sich brav an die Einschränkungen.
Des einen Hütchenspiel ist des anderen Chance, und so sah man bei AMD eine Marktnische und tat sich mit Acer zusammen. Gemeinsam entwickelte das Duo mit dem Ferrari One 200 [1] das erste Netbook mit Dualcore-Prozessor. Gleichzeitig stellt es auch den Vertreter der Netbook-Klasse in Acers bekannter Ferrari-Linie dar. Sowohl AMD als auch Acer waren in der Formel Eins Ferrari-Sponsoren, daher rührt diese Liaison.
Weil das Wiederverwerten bestehender CPU-Designs einfacher ist, als einen eigenen Atom-Konkurrenten zu entwickeln, baute AMD basierend auf der auslaufenden K8-Generation einen stromsparenden Athlon-X2-Abkömmling mit der Typennummer L310. Die mit 1,2 GHz getaktete CPU hat eine TDP von 13 Watt und bringt 1 MByte L2-Cache mit. Allerdings fertigt AMD den L310 noch nicht im neuen 45-Nanometer-Prozess, wie die zeitgleich veröffentlichte Turion-II-Generation.
Der 11,6 Zoll große, spiegelnde Bildschirm des Ferrari One 200 verfügt über eine LED-Hintergrundbeleuchtung und bietet bei einer Auflösung von 1366 x 768 Pixeln ausreichend Desktop-Wohnfläche. Die Radeon-HD3200-Chipsatzgrafik verspricht mehr Leistung als das Intel-Pendant. Je nach Konfiguration bringt das Netbook eine Festplatte mit einer Kapazität von 250 bis 500 GByte mit. Gigabit-Ethernet, WLAN und Bluetooth sind standardmäßig mit an Bord. Bei einer minimalen Speicherkonfiguration von 2 GByte DDR2-RAM fasst das 1,5 Kilogramm wiegende Scuderia-Netbook bis zu vier GByte.
Eine Besonderheit stellt der integrierte XGP-Anschluss dar, über den Sie bei Bedarf eine externe Grafikkarte anbinden. Mit dem DynaVivid Graphics Dock, das eine Radeon HD 4670 mit 1 GByte Videospeicher, HDMI, einen Display-Port und sechs USB-Anschlüsse umfasst, bietet Acer für 250 Euro eine dazu passende Erweiterung an. Die weiteren externe Anschlüsse entsprechen dem Standard: MMC/SD/XD/MS-Cardreader, drei Mal USB 2.0, VGA und Audioklinke für Ein- und Ausgang. Letzterer fällt mit integriertem optischen S/PDIF positiv aus der Reihe. Als Betriebssystem installiert Acer ab Werk Windows 7 vor.
Acer hat sich wirklich Mühe gegeben, das Ferrari-Thema konsequent umzusetzen: Neben dem schreienden Ferrari-Rot und dem bekannten Pferde-Logo gibt es diverse Scuderia-Designelemente: Besonders lustig wirken die Gummifüße des Geräts, die Formel-Eins-Reifen nachempfunden sind – inklusive Profil (Abbildung 1). Beim Einschalten erscheint kein Hersteller-Bildschirm, sondern stattdessen ein Bild des Formel-Eins-Flitzers von Ferrari.
Beim Systemstart gibt das Gerät das Geräusch eines hochdrehenden Motors von sich, und eine spezielle Ferrari-Taste (Abbildung 2) bringt den Anwender direkt auf die Homepage des Rennstalls. Die beiden letztgenannten Features funktionieren zwar unter Linux nicht, aber der Ferrari-Tastemit dem Tastaturcode 0xF6 weisen Sie über den Befehl setkeycodes e076 Keycode
eine beliebige andere Funktion zu.
Das Design gefällt nicht nur hartgesottenen Ferrari-Fans: Die gemusterte Handablage (Abbildung 3) wirkt edel, das selbe gilt für die roten Ornamente hinten an den Seiten (Abbildung 4). Das 28 x 20 x 2,5 bis 3 Zentimeter große Gerät erfreut durch gute Verarbeitung, auf der Tastatur lässt sich angenehm tippen. Die ferrarirote Oberseite weist trotz Hochglanzdesigns Fingertapser weitgehend ab. Wie beim Aspire 7540G [2] integriert Acer wieder eine Maustasten-Wippe aus einem Guss. Das macht nicht nur die haptische Unterscheidung zwischen links und rechts zur Mitte hin schwierig, sondern auch den gleichzeitigen Rechts- und Linksklick – da helfen weder Ferrari-Beschriftung noch Chrom-Look.
Mit Ubuntu versteht sich das Ferrari One sehr gut. WLAN, Bluetooth, Kamera, Multimediatasten, Kartenleser, Schlafmodus und sogar der über vorne liegende Stereolautsprecher verblüffend gut simulierte Dolby-zertifizierte 5.1-Surround-Sound funktionieren unter Ubuntu 9.04 sofort nach der Installation. Um Ethernet zur Mitarbeit zu überreden, mussten wir allerdings erst ein Systemupdate vornehmen.
Die ATI-Grafiktreiber sollten Sie nicht über den Ubuntu-Hardware-Assistenten installieren – es sei denn, Sie haben ein Faible für schwarze Bildschirme. Der aktuelle Catalyst-Treiber von der ATI-Homepage versieht nach der Installation seinen Dienst jedoch einwandfrei. Noch besser sieht es unter Ubuntu 9.10 aus: Hier funktioniert schlichtweg alles vom Start weg, auch die über den Hardware-Assistenten installierten Grafiktreiber.
Nicht ganz so störungsfrei verläuft die Kooperation mit OpenSuse aus: Der Installer von OpenSuse 11.1 stürzt kurz vor Ende der Installation ab, das System auf der Platte bootet nicht. Besser läuft es mit OpenSuse 11.2, allerdings müssen Sie hier auf Webcam, Bluetooth, Schlafmodus und Multimediatasten verzichten. Die Sound-Ausgabe funktioniert nur im Stereo-Modus.
Kann das Ferrari One 200 auch leistungsmäßig dem Ferrari-Anspruch gerecht werden? In unserem CPU-Test (siehe Tabelle "CPU-Benchmarks") zeigt sich unter dem Strich kaum ein Unterschied zwischen dem HP Pavilion dv2-1050 mit AMD Neo 1,6 GHz [3], der auf derselben K8-Generation basiert. Das Ferrari One gewinnt dank Doppelkern in den Multithread-Tests, das HP Pavilion dank höherem Takt in den Singlethread-Tests. Im Vergleich zur omnipräsenten Atom-Netbook-Konkurrenz arbeitet das Ferrari One jedoch – je nach Test – um die Hälfte bis drei Mal schneller. In der Gesamtsumme unseres Benchmarks rechnet der rote Netbook-Flitzer gegenüber einem Atom-Konkurrent mit doppelter Geschwindigkeit. Im Vergleich zu großen Notebooks liefert der Athlon X2 L310 in unserem Test halb soviel Leistung wie ein Turion II X2 2.3 GHz oder ein Core 2 Duo 2.1 GHz.
Etwas enttäuschend fallen allerdings die Leistungen der Radeon-HD3200-Chipsatzgrafik im M780G-Chipsatz aus (siehe Tabelle "GPU-Benchmarks"). Der Sauerbraten-Shader-Benchmark läuft zwar um Längen schneller als auf Atom-Netbooks, vom Attribut "flüssig" bleibt er dennoch weit entfernt. Hier liefert ATIs neue Chipsatzgrafik-Generation Radeon HD4200 doch deutlich mehr, auch die dedizierte Radeon-HD3410-GPU im HP Pavilion dv2-1050 rechnet klar schneller. Positiv ist allerdings anzumerken, dass die Chipsatzgrafik extrem stromsparend arbeitet: Selbst unter Volllast messen wir gerade mal zwei Watt mehr. Die Funktion einer externen GPU am XGP-Port konnten wir nicht testen, aber für einen ausgewachsenen Grafikchip wie den Radeon HD4670 dürfte der Dualcore mit 1,2 GHz bei aufwendiger 3D-Grafik etwas zu schwachbrüstig sein.
Positiv stach die Festplattengeschwindigkeit ins Auge: Die im Testgerät verbaute 500-GByte-Platte liefert stolze 81 MByte/s – für 2,5-Zoll-Platten in unserem Testlabor ein neuer Rekordwert.
CPU-Benchmarks
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| Kompilieren (Files/s) | Encoding (Faktor / Frames/s) |
|
| Kompression (MByte/s) |
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| Raytracing (Pixel/s) |
| 1080p-H.264-Replay (fps) | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
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| Compilebench | OGG | MP3 | x264 | Bzip2 | 7zip | Rar | Povray | Yafray | Mplayer | LU-Bench-Wert1 |
| Mobil | |||||||||||
| Athlon X2 L310 1,2 GHz 32 Bit | 320 | 8,5x | 5,2x | 1,8 | 2,6 | 1,1 | 2,0 | 439 | 468 | 35 | 110 |
| Athlon X2 L310 1,2 GHz 64 Bit | 479 | 12,5x | 5,7x | 1,9 | 3,0 | 1,2 | 2,0 | 442 | 610 | 39 | 134 |
| Neo 1,6 GHz 64 Bit | 487 | 16,8x | 7,4x | 1,3 | 4,0 | 0,8 | 2,5 | 290 | 427 | 29 | 134 |
| Atom 1,6 GHz 32 Bit | 256 | 5,1x | 3,5x | 0,9 | 2,1 | 0,7 | 1,5 | 191 | 203 | 17 | 71 |
| Core 2 Duo 2,1 GHz 64 Bit | 506 | 28,2x | 13,2x | 4,7 | 7,2 | 2,4 | 3,9 | 1141 | 1468 | 81 | 264 |
| Turion II X2 2,3 GHz 64 Bit | 560 | 27,5x | 12,8x | 4,9 | 5,9 | 2,2 | 3,2 | 1215 | 1286 | 85 | 250 |
| Core 2 Quad 2 GHz 64 Bit | 457 | 28,6x | 13,6x | 8,8 | 6,6 | 2,8 | 4,3 | 2155 | 2349 | 148 | 339 |
| Desktop | |||||||||||
| Athlon X2 2,4 GHz 64 Bit | 389 | 24,9x | 11,4x | 3,9 | 5,4 | 2,3 | 3,6 | 875 | 1241 | 75 | 221 |
| Core i7 870 2,93 GHz 64 Bit | 870 | 44,9x | 22x | 17,8 | 11,4 | 4,3 | 7,5 | 4368 | 5114 | 322 | 648 |
| Phenom II 3,0 GHz 64 Bit | 711 | 36x | 16,8x | 12,0 | 9,5 | 3,1 | 4,9 | 3144 | 2993 | 171 | 450 |
| größer = besser, 1 addierte egalisierte Durchschnittswerte pro Disziplin * 100 | |||||||||||
GPU-Benchmarks
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| Ferrari One 200 (AMD Athlon X2 1,2 GHz, Radeon HD3200 IGP) | HP Pavilion dv2 (AMD Neo 1,6 GHz, Radeon HD3410) | Akoya (Intel Atom 1,6 GHz, GMA950 IGP) | HP ProBook 4710 (Intel Core 2 Duo 2,1 GHz, Radeon HD4330) | Acer Aspire 7540G (AMD Turion II X2 2,3 GHz, Radeon HD4570) | Desktop (AMD Athlon X2 4600+ 2,4 GHz; Radeon HD2400 Pro) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| SpecViewperf 10.0 (Frames/s) | ||||||
| 3DS Max-04 | 5,7 | 7,1 | 0,3 | 11,3 | 10,8 | 10,4 |
| Catia-02 | 4,7 | 6,3 | 0,3 | 10,5 | 10 | 9,3 |
| Ensight-03 | 4,4 | 7,3 | - | 8,6 | 11,3 | 6,8 |
| Maya-02 | 10,9 | 13,4 | - | 21,1 | 23,3 | 16,9 |
| ProE-04 | 3,7 | 4,9 | 0,2 | 7,9 | 8,2 | 7,3 |
| Solidworks-01 | 8,5 | 10,6 | 0,3 | 17 | 17,6 | 15,2 |
| NX Teamcenter Vis-01 | 2,5 | 2,9 | 0,1 | 4,5 | 4,9 | 3,8 |
| UG NX-01 | 2,8 | -* | - | 5,9 | 8,9 | -* |
| Nexuiz 2.4 (Frames/s) | ||||||
| 31 | 56 | 2 | 95 | 107 | 56 | |
| Sauerbraten (Frames/s) | ||||||
| 14,5 | 17,4 | - | 34,2 | 46,3 | 15,4 | |
| Gtkperf 0.4 (Durchläufe/s) | ||||||
| 8,2 | 4,2 | 2,7 | 7,2 | 10,8 | 7,4 | |
| größer = besser, * ATI-Consumer-GPUs stürzen unter Ubuntu 9.04 bei UG NX ab. ATI arbeitet an einem gefixten Treiber. | ||||||
Acer legt dem roten Renner einen 6-Zellen-Akku mit 56 Wh Kapazität bei, mit dem das Gerät unter Last 2:10 h durchhält. Im Leerlauf unter Ubuntu 9.04 erreicht der Akku nur 12 Minuten mehr. Unter Ubuntu 9.10 mit seinen verbesserten Stromsparoptionen hält das Gerät im Leerlauf dann doch 3:20 h. Zuerst maßen wir im Leerlauf nur eine etwas längere Laufzeit unter "Karmic". Dann bemerkten wir jedoch, dass sich bei diesem Gerät trotz entsprechender Einstellung der Bildschirm nicht automatisch nach ein paar Sekunden Leerlauf abdunkelt wie bei "Jaunty".
Das Gerät braucht im Leerlauf 23 W, mit voller CPU-Last 32 W und bei Prozessor- und Grafik-Volllast 36 W. Das ist ein glänzender Verbrauchswert: Nur Atom-Netbooks liegen darunter, leisten aber auch nur einen Bruchteil. Beim Verbrauchsvergleich mit Atom-Netbooks muss man auch den größeren Bildschirm berücksichtigen, denn gerade der zählt bei Netbooks zu den größten Stromfressern.
Das Ferrari One 200 ist mit einem Preis ab 500 Euro (250-GByte-Festplatte, 2 GByte RAM) nicht eben das günstigste Netbook, bietet dafür aber auch wesentlich mehr als die Atom-Konkurrenz. Die Kompatibilität mit Ubuntu erweist sich als äußerst gut, für den Einsatz mit OpenSuse eignet sich das Netbook weniger. Die Leistungdaten liegen deutlich über jener der Atom-Konkurrenz, jedoch unter der selbst älterer (aber auch teurerer) AMD-Notebooks wie etwa des HP Pavilion dv2-1050. Um dem Ferrari-Geschwindigkeitsanspruch gerecht zu werden, hätte Acer wohl eher einen Mobilchip der aktuellen K10-Generation verbauen sollen, gepaart mit mindestens Radeon-HD4200-Chipsatzgrafik.
Infos
[1] Ferrari One 200: http://tinyurl.com/ferrarione200
[2] Test Acer Aspire 7540G: Daniel Kottmair, "17-Zoll-Schnäppchen", LinuxUser 12/2009, S. 86, http://www.linux-community.de/artikel/19913/
[3] Test HP Pavilion dv2-1050: Daniel Kottmair, "Glanzleistung", LinuxUser 08/2009, S. 74, http://www.linux-community.de/artikel/18935/