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Roter Flitzer

Acer-Netbook Ferrari One 200

15.01.2010 Mit dem Ferrari One 200 umgeht Acer unter Einsatz eines AMD-Prozessors geschickt einige von Intels künstlichen Einschränkungen für Netbooks.

Intel macht sich nicht gern selbst Konkurrenz. Deshalb erlegt der Chiphersteller seinen Atom-Abnehmern gewisse Einschränkungen auf, um das lukrative Geschäft mit den hochpreisigen Core-ULV-Ultraportables nicht zu kannibalisieren: Der Bildschirm darf nicht größer ausfallen als 10 Zoll, der Dualcore-Atom 330 soll den als Nettops apostrophierten Atom-Desktops vorbehalten bleiben. Einige Mutige trauen sich aus der Reihe zu tanzen – etwa Dell mit dem 12-Zoll-Mini – doch der Großteil der Hersteller hält sich brav an die Einschränkungen.

Des einen Hütchenspiel ist des anderen Chance, und so sah man bei AMD eine Marktnische und tat sich mit Acer zusammen. Gemeinsam entwickelte das Duo mit dem Ferrari One 200 [1] das erste Netbook mit Dualcore-Prozessor. Gleichzeitig stellt es auch den Vertreter der Netbook-Klasse in Acers bekannter Ferrari-Linie dar. Sowohl AMD als auch Acer waren in der Formel Eins Ferrari-Sponsoren, daher rührt diese Liaison.

Weil das Wiederverwerten bestehender CPU-Designs einfacher ist, als einen eigenen Atom-Konkurrenten zu entwickeln, baute AMD basierend auf der auslaufenden K8-Generation einen stromsparenden Athlon-X2-Abkömmling mit der Typennummer L310. Die mit 1,2 GHz getaktete CPU hat eine TDP von 13 Watt und bringt 1 MByte L2-Cache mit. Allerdings fertigt AMD den L310 noch nicht im neuen 45-Nanometer-Prozess, wie die zeitgleich veröffentlichte Turion-II-Generation.

Der 11,6 Zoll große, spiegelnde Bildschirm des Ferrari One 200 verfügt über eine LED-Hintergrundbeleuchtung und bietet bei einer Auflösung von 1366 x 768 Pixeln ausreichend Desktop-Wohnfläche. Die Radeon-HD3200-Chipsatzgrafik verspricht mehr Leistung als das Intel-Pendant. Je nach Konfiguration bringt das Netbook eine Festplatte mit einer Kapazität von 250 bis 500 GByte mit. Gigabit-Ethernet, WLAN und Bluetooth sind standardmäßig mit an Bord. Bei einer minimalen Speicherkonfiguration von 2 GByte DDR2-RAM fasst das 1,5 Kilogramm wiegende Scuderia-Netbook bis zu vier GByte.

Eine Besonderheit stellt der integrierte XGP-Anschluss dar, über den Sie bei Bedarf eine externe Grafikkarte anbinden. Mit dem DynaVivid Graphics Dock, das eine Radeon HD 4670 mit 1 GByte Videospeicher, HDMI, einen Display-Port und sechs USB-Anschlüsse umfasst, bietet Acer für 250 Euro eine dazu passende Erweiterung an. Die weiteren externe Anschlüsse entsprechen dem Standard: MMC/SD/XD/MS-Cardreader, drei Mal USB 2.0, VGA und Audioklinke für Ein- und Ausgang. Letzterer fällt mit integriertem optischen S/PDIF positiv aus der Reihe. Als Betriebssystem installiert Acer ab Werk Windows 7 vor.

Auf Ferraris Spuren

Acer hat sich wirklich Mühe gegeben, das Ferrari-Thema konsequent umzusetzen: Neben dem schreienden Ferrari-Rot und dem bekannten Pferde-Logo gibt es diverse Scuderia-Designelemente: Besonders lustig wirken die Gummifüße des Geräts, die Formel-Eins-Reifen nachempfunden sind – inklusive Profil (Abbildung 1). Beim Einschalten erscheint kein Hersteller-Bildschirm, sondern stattdessen ein Bild des Formel-Eins-Flitzers von Ferrari.

Abbildung 1: Diese Reifen rollen nicht: Gummifüße des Ferrari One im Reifen-Look.

Beim Systemstart gibt das Gerät das Geräusch eines hochdrehenden Motors von sich, und eine spezielle Ferrari-Taste (Abbildung 2) bringt den Anwender direkt auf die Homepage des Rennstalls. Die beiden letztgenannten Features funktionieren zwar unter Linux nicht, aber der Ferrari-Tastemit dem Tastaturcode 0xF6 weisen Sie über den Befehl setkeycodes e076 replaceableKeycode eine beliebige andere Funktion zu.

Abbildung 2: Eine extra Taste für die Ferrari-Homepage brauchen nur hartgesottene Fans.

Das Design gefällt nicht nur hartgesottenen Ferrari-Fans: Die gemusterte Handablage (Abbildung 3) wirkt edel, das selbe gilt für die roten Ornamente hinten an den Seiten (Abbildung 4). Das 28 x 20 x 2,5 bis 3 Zentimeter große Gerät erfreut durch gute Verarbeitung, auf der Tastatur lässt sich angenehm tippen. Die ferrarirote Oberseite weist trotz Hochglanzdesigns Fingertapser weitgehend ab. Wie beim Aspire 7540G [2] integriert Acer wieder eine Maustasten-Wippe aus einem Guss. Das macht nicht nur die haptische Unterscheidung zwischen links und rechts zur Mitte hin schwierig, sondern auch den gleichzeitigen Rechts- und Linksklick – da helfen weder Ferrari-Beschriftung noch Chrom-Look.

Abbildung 3: Gemusterte Handablagen und Trackpad-Tasten im Chrom-Look.

Abbildung 4: Rote Designelemente überall betonen den Ferrari-Markennamen.

Linux-Kompatibilität

Mit Ubuntu versteht sich das Ferrari One sehr gut. WLAN, Bluetooth, Kamera, Multimediatasten, Kartenleser, Schlafmodus und sogar der über vorne liegende Stereolautsprecher verblüffend gut simulierte Dolby-zertifizierte 5.1-Surround-Sound funktionieren unter Ubuntu 9.04 sofort nach der Installation. Um Ethernet zur Mitarbeit zu überreden, mussten wir allerdings erst ein Systemupdate vornehmen.

Die ATI-Grafiktreiber sollten Sie nicht über den Ubuntu-Hardware-Assistenten installieren – es sei denn, Sie haben ein Faible für schwarze Bildschirme. Der aktuelle Catalyst-Treiber von der ATI-Homepage versieht nach der Installation seinen Dienst jedoch einwandfrei. Noch besser sieht es unter Ubuntu 9.10 aus: Hier funktioniert schlichtweg alles vom Start weg, auch die über den Hardware-Assistenten installierten Grafiktreiber.

Nicht ganz so störungsfrei verläuft die Kooperation mit OpenSuse aus: Der Installer von OpenSuse 11.1 stürzt kurz vor Ende der Installation ab, das System auf der Platte bootet nicht. Besser läuft es mit OpenSuse 11.2, allerdings müssen Sie hier auf Webcam, Bluetooth, Schlafmodus und Multimediatasten verzichten. Die Sound-Ausgabe funktioniert nur im Stereo-Modus.

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