E-Books erobern langsam aber sicher die virtuellen Regale von Buchhändlern und Lesern. Wie in den Bereichen Musik und Video hat sich auch hier ein Vielzahl an Formaten entwickelt. Als freies Format für E-Books erfreut sich EPUB großer Beliebtheit, lesen sich doch die meisten Lesegeräte – mit Ausnahme von Amazons Kindle – die entsprechenden Dateien. Kostenloses Lesefutter in diesem Format gibt es unter anderem beim Projekt Gutenberg [1].
Sigil [2] hilft Ihnen beim Erstellen und Konvertieren von E-Books. Das Programm läuft unter Linux ebenso wie unter Windows und Mac OS X, so dass einem Einsatz in heterogenen Umgebungen nichts entgegen steht.
Sigil erlaubt das Editieren der Texte im WYSIWYG-Modus ebenso wie die Arbeit im XHTML-Quelltext des E-Books. Das Programm ist erst ein paar Monate alt, erfreut sich aber schon einer großen Beliebtheit bei Autoren. Wir stellen Ihnen die Version 0.1.6b des E-Book-Editors vor.
Installation
Die Installation von Sigil gestaltet sich erfreulich einfach. Auf der Homepage des Projekts finden Sie ein fix und fertig vorkompiliertes Binary mit einem Installationsprogramm für 32- und 64-Bit-Systeme. Das Installationsprogramm enthält alle zum Ausführen von Sigil notwendigen Bibliotheken.
Nach dem Download der Datei Sigil-0.1.6b-Linux-x86-Setup.bin machen Sie das Installationsprogramm mit dem Befehl chmod +x Sigil-0.1.6b-Linux-x86-Setup.bin ausführbar und starten das Setup mit dem Befehl sudo ./Sigil-0.1.6b-Linux-x86-Setup.bin. Sie geben einen Speicherort für das Programm an, anschließend landen die zum Ausführen notwendigen Dateien in diesem Verzeichnis. Der Installer bietet eine deutschsprachige Lokalisierung an, das Programm selbst ist jedoch noch nicht übersetzt: Menüs und Dialoge erscheinen in englischer Sprache.
Falls Sie Sigil aus dem Quelltext übersetzen möchten, finden Sie auf der Homepage das Archiv Sigil-0.1.6-Code.zip, das Sie mit dem Befehl unzip Sigil-0.1.6-Code.zip entpacken. Zum Kompilieren der Software benötigen Sie zwingend das brandneue Qt 4.6; mit älteren Versionen von Qt klappt das Übersetzen nicht.
Jetzt wechseln Sie in das neu entstandene Verzeichnis Sigil-0.1.6 und erzeugen mit dem Befehl cmake . die zum Übersetzen nötigen Makefiles. Die Befehle make und sudo make install übersetzen schließlich den Quelltext und befördern das Programm an die richtige Stelle im Verzeichnisbaum.
Nach dem Ende der Installation starten Sie Sigil aus dem Programmmenü (wo das Installationsprogramm eine eigene Gruppe anlegt) oder durch Eingabe von sigil & in einem Terminalfenster (Abbildung 1).
Textverarbeitung
In Book View, der als Standard eingestellten Ansicht, schreiben Sie Ihren Text im WYSIWYG-Modus. Dabei gilt es zu beachten, dass EPUB-Dateien nur sehr begrenzt Formatierung unterstützen – schließlich sind die Texte für unterschiedliche, meist sehr kleine Bildschirme gedacht.
Sigil setzt das Konzept um, indem es nur wenig Formatwerkzeuge anbietet. Diese erlauben es, die Texte linksbündig, rechtsbündig, zentriert und als Blocksatz auszugeben. Zur Zeichenformatierung stehen die Varianten Fett, Kursiv, Unterstrichen und Durchgestrichen bereit. Auch Bullet-Listen und nummerierte Listen dürfen Sie einfügen. Um Zitate oder andere Textblöcke hervorzuheben, rücken Sie Textblöcke ein und aus. Überschriften stehen in sechs verschiedenen Größen bereit.
Formate, die Sigil mit bordeigenen Werkzeugen nicht erzeugt – etwa Tabellen oder unterschiedliche Schriftgrößen und -farben – zeigt das Programm dennoch an und setzt sie auch in der EPUB-Datei um. Falls Sie derartige Formatierungen in Ihrem Dokument benötigen, fügen Sie sie in der Quelltextansicht ein.
Wenn Sie ein E-Book lieber im XHTML-Quelltext bearbeiten möchten, bietet Ihnen Sigil eine Ansicht an, in der Sie direkt im Quelltext arbeiten. Vor dem Speichern überprüft das Programm mit Hilfe von Tidy, ob der Quelltext standardkonform ausfällt, und beseitigt gegebenenfalls Fehler.
Die Quelltextansicht aktivieren Sie, indem Sie [F11] drücken oder View | Code View aus dem Menü wählen. Im Split View, zu erreichen über [F10] oder durch den Menübefehl View | Split View, sehen Sie Text und Quelltext übereinander. Der Quelltexteditor bietet Syntax-Highlighting für HTML (Abbildung 2).
Neu hinzugekommen sind in der aktuellen Programmversion Funktionen zum Suchen und Ersetzen von Text. In der WYSIWYG-Ansicht arbeitet Suchen und Ersetzen etwas träge, im Quelltext geht es dagegen flink voran. Beim Suchen verwenden Sie neben den üblichen Wildcards ? und * für einzelne oder mehrere Buchstaben bei Bedarf auch reguläre Ausdrücke.



