Friedliche Koexistenz
Dualboot mit Windows 7
Cleveres Helferlein
EasyBCD präsentiert nach dem Start sehr übersichtlich. Das linke Drittel der Programmoberfläche nimmt ein Menü ein. Ein Klick auf einen der Schalter öffnet im rechten Bereich die entsprechenden Informationen beziehungsweise Optionen. Diese entsprechen den Ausgaben, die sie mit Bcdedit auf der Kommandozeile erhalten hätten.
Um Linux dem Bootmenü hinzuzufügen klicken Sie auf Add/Remove Entries. Nun erhalten Sie eine Übersicht über die bereits vorhandenen Einträge, einen neuen erstellen Sie im unteren Bereich. Dabei können Sie wahlweise eine weitere Windows-Instanz oder ein unixoides Betriebssystem wie Linux, FreeBSD oder auch Mac OS X hinzufügen (Abbildung 2).
Haben Sie einen Namen für den neuen Eintrag vergeben, wählen Sie darunter in der Checkbox die zu bootende Festplatte beziehungsweise Partition aus. Nutzen Sie den Grub-Bootloader, teilen Sie dem Programm anschließend noch mit, ob dieser im Bootsektor oder auf der Linux-Partition installiert wurde. Ein finaler Klick auf Add Entry fügt dem Bootmenü den neuen Eintrag hinzu.
Ein kleines Highlight von EasyBCD stellt seine Fähigkeit dar, den Windows-Bootloader wieder in den MBR zu schreiben. Das hilft zum Beispiel dann weiter, wenn Sie lieber mit diesem booten oder wenn Sie Linux wieder aus dem System verbannen wollen. Bisher führte der Weg zu einer Restaurierung des MBR nur über den Einsatz der Windows-Installations-DVD. In EasyBCD gehen Sie einfach in den Bereich Manage Bootloader, wählen Restore the Vista Bootloader und klicken auf Write MBR. Nach einem Neustart erscheint jetzt wieder der Windows-Bootloader.
Stolperstein Grub 2
Neben den beiden bereits im Abschnitt "Wer zuerst kommt …" erwähnten Gründen, erst Windows und dann Linux zu installieren, gibt es neuerdings noch einen dritten: Verwenden Sie eine Distribution, die wie Ubuntu 9.10 auf den neuen Bootloader Grub 2 setzt, dann wird es kompliziert.
In dieser Konstellation lässt sich nach derzeitigem Stand Linux nicht aus Windows heraus starten, denn Grub 2 setzt zwingend die Installation in den MBR voraus. Eine Installation auf eine Partition, wie Grub oder Lilo sie beherrschen, kennt Grub 2 nicht. Auch das Wiederherstellen eines bei der Windows-Installation überschriebenen, mit Grub 2 bestückten MBR ist nicht ganz einfach – vor allem wegen der mangelnden Dokumentation des neuen Bootloaders.
TIPP
Eine Einführung in den neuen Bootloader Grub 2 gibt der Artikel "Ladehemmungen" in der Ausgabe 01/2010 von LinuxUser [3].
Haben Sie bei der Installation von Windows den MBR mit dem Windows-Bootloader überschrieben, wollen aber mit Grub 2 in Ubuntu 9.10 booten, dann legen Sie die Installations-CD von Ubuntu 9.10 ins Laufwerk und starten von dieser. Nun wechseln Sie per chroot ins installierte System und führen die in Folgenden beschriebenen Schritte aus.
Wir nehmen im Beispiel an, dass Ubuntu in der ersten logischen Partition (/dev/sda5) der ersten Festplatte (/dev/sda) installiert ist. Diesen Device-Namen müssen Sie gegebenenfalls anpassen. Um herauszufinden, auf welcher Partition Ubuntu liegt, rufen Sie Sie mit Admin-Rechten den Befehl fdisk -l auf.
Im ersten Schritt hängen Sie das installierte System in die Live-Umgebung ein (Listing 1, Zeile 1) und binden /boot sowie /dev, /proc und /sys ein (Zeilen 2 bis 5). Nun wechseln Sie in die Installation (Zeile 6) und schreiben Grub 2 wieder in den MBR (Zeilen 7 und 8). Nun verlassen Sie die Chroot-Umgebung (Zeile 9), lösen die eingehängten Verzeichnisse wieder (Zeilen 10 und 11) und starten schließlich den Rechner neu (Zeile 12).
Beim Reboot erscheint jetzt wieder das Bootmenü von Grub 2 mitsamt den Einträgen für Ubuntu 9.10 und Windows 7.
$ sudo mount /dev/sda5 /mnt $ sudo mount /boot /mnt/boot $ sudo mount --bind /dev /mnt/dev $ sudo mount --bind /proc /mnt/proc $ sudo mount --bind /sys /mnt/sys $ sudo chroot /mnt/ $ grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg $ grub-install /dev/sda $ exit $ sudo umount /mnt/dev $ sudo umount /mnt/ $ reboot



