Cleveres Helferlein

EasyBCD präsentiert nach dem Start sehr übersichtlich. Das linke Drittel der Programmoberfläche nimmt ein Menü ein. Ein Klick auf einen der Schalter öffnet im rechten Bereich die entsprechenden Informationen beziehungsweise Optionen. Diese entsprechen den Ausgaben, die sie mit Bcdedit auf der Kommandozeile erhalten hätten.

Um Linux dem Bootmenü hinzuzufügen klicken Sie auf Add/Remove Entries. Nun erhalten Sie eine Übersicht über die bereits vorhandenen Einträge, einen neuen erstellen Sie im unteren Bereich. Dabei können Sie wahlweise eine weitere Windows-Instanz oder ein unixoides Betriebssystem wie Linux, FreeBSD oder auch Mac OS X hinzufügen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Allrounder: Das kleine Programm EasyBCD vereinfacht die Konfiguration des Windows Bootloader erheblich und hilft auch in schwierigen Fällen bei der Rettung des Systems.

Haben Sie einen Namen für den neuen Eintrag vergeben, wählen Sie darunter in der Checkbox die zu bootende Festplatte beziehungsweise Partition aus. Nutzen Sie den Grub-Bootloader, teilen Sie dem Programm anschließend noch mit, ob dieser im Bootsektor oder auf der Linux-Partition installiert wurde. Ein finaler Klick auf Add Entry fügt dem Bootmenü den neuen Eintrag hinzu.

Ein kleines Highlight von EasyBCD stellt seine Fähigkeit dar, den Windows-Bootloader wieder in den MBR zu schreiben. Das hilft zum Beispiel dann weiter, wenn Sie lieber mit diesem booten oder wenn Sie Linux wieder aus dem System verbannen wollen. Bisher führte der Weg zu einer Restaurierung des MBR nur über den Einsatz der Windows-Installations-DVD. In EasyBCD gehen Sie einfach in den Bereich Manage Bootloader, wählen Restore the Vista Bootloader und klicken auf Write MBR. Nach einem Neustart erscheint jetzt wieder der Windows-Bootloader.

Stolperstein Grub 2

Neben den beiden bereits im Abschnitt "Wer zuerst kommt …" erwähnten Gründen, erst Windows und dann Linux zu installieren, gibt es neuerdings noch einen dritten: Verwenden Sie eine Distribution, die wie Ubuntu 9.10 auf den neuen Bootloader Grub 2 setzt, dann wird es kompliziert.

In dieser Konstellation lässt sich nach derzeitigem Stand Linux nicht aus Windows heraus starten, denn Grub 2 setzt zwingend die Installation in den MBR voraus. Eine Installation auf eine Partition, wie Grub oder Lilo sie beherrschen, kennt Grub 2 nicht. Auch das Wiederherstellen eines bei der Windows-Installation überschriebenen, mit Grub 2 bestückten MBR ist nicht ganz einfach – vor allem wegen der mangelnden Dokumentation des neuen Bootloaders.

TIPP

Eine Einführung in den neuen Bootloader Grub 2 gibt der Artikel "Ladehemmungen" in der Ausgabe 01/2010 von LinuxUser [3].

Haben Sie bei der Installation von Windows den MBR mit dem Windows-Bootloader überschrieben, wollen aber mit Grub 2 in Ubuntu 9.10 booten, dann legen Sie die Installations-CD von Ubuntu 9.10 ins Laufwerk und starten von dieser. Nun wechseln Sie per chroot ins installierte System und führen die in Folgenden beschriebenen Schritte aus.

Wir nehmen im Beispiel an, dass Ubuntu in der ersten logischen Partition (/dev/sda5) der ersten Festplatte (/dev/sda) installiert ist. Diesen Device-Namen müssen Sie gegebenenfalls anpassen. Um herauszufinden, auf welcher Partition Ubuntu liegt, rufen Sie Sie mit Admin-Rechten den Befehl fdisk -l auf.

Im ersten Schritt hängen Sie das installierte System in die Live-Umgebung ein (Listing 1, Zeile 1) und binden /boot sowie /dev, /proc und /sys ein (Zeilen 2 bis 5). Nun wechseln Sie in die Installation (Zeile 6) und schreiben Grub 2 wieder in den MBR (Zeilen 7 und 8). Nun verlassen Sie die Chroot-Umgebung (Zeile 9), lösen die eingehängten Verzeichnisse wieder (Zeilen 10 und 11) und starten schließlich den Rechner neu (Zeile 12).

Beim Reboot erscheint jetzt wieder das Bootmenü von Grub 2 mitsamt den Einträgen für Ubuntu 9.10 und Windows 7.

Listing 1
$ sudo mount /dev/sda5 /mnt
$ sudo mount /boot /mnt/boot
$ sudo mount --bind /dev /mnt/dev
$ sudo mount --bind /proc /mnt/proc
$ sudo mount --bind /sys /mnt/sys
$ sudo chroot /mnt/
$ grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg
$ grub-install /dev/sda
$ exit
$ sudo umount /mnt/dev
$ sudo umount /mnt/
$ reboot

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • GRUB Funktionen für Closed Source Systeme
  • Starthilfe
    Wer Vista nicht nicht das Monopol auf seinem Rechner zugesteht, braucht adäquate Möglichkeiten, mehrere Systeme zu booten.
  • Windows 8 und Linux im Dualboot
    Microsoft setzt wieder einmal mehr auf Kosmetik als auf Innovation – trotz neuer Oberfläche verfolgt Windows 8 beim Booten im Wesentlichen die selben rückständigen Konzepte wie seine Vorgänger.
  • Super Grub2 Disk

    Das Live-System Super Grub Disk, das sich zur Wiederherstellung kaputter Bootloader eignet, verwendet in der aktuellen Betaversion die neueste Grub-Release.
  • Systemstart
    Wie funktioniert eigentlich der Systemstart? Wir erklären, woher Ihr Computer weiß, welches Betriebssystem er starten soll, und wie sich die gängigen Bootloader von Linux und Windows unterscheiden.
Kommentare
so ganz will das bei mir nicht
Matthias (unangemeldet), Sonntag, 11. Juli 2010 14:56:34
Ein/Ausklappen

Hatte eben versucht Ubuntu bei vorhandenem W7 zu installieren. Gebootet wird nur W7. Via EasyBCD lässt sich zwar vieles eintragen, nur nicht Booten.


Bewertung: 237 Punkte bei 109 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
Problem??
xille (unangemeldet), Mittwoch, 17. Februar 2010 22:17:20
Ein/Ausklappen

Hab win7 auf rechner und heut open suse 11.2 installiert. hatte null probleme. weder suse noch noch windows haben auch nur anstalten gemacht irgendwie zu zicken. linux hat patitioniert vom feinsten. mußte nix selbst machen. hab den ganzen tag an linux gebastlet (treiber, drucker, ein paar programmchen). jetzt wieder win7 und alles läuft wie geschmiert.


Bewertung: 248 Punkte bei 120 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
Und wieder so ein halber Artikel vom RSS-Feed verlinkt
Christian Schuglitsch, Montag, 04. Januar 2010 00:23:13
Ein/Ausklappen

Und zum Thema:
Der Artikel ueber die XP-Distribution bleibt aktuell:
http://www.linux-user.de/au...2002/09/085-xp-test/index.html


Bewertung: 268 Punkte bei 113 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Installation Linux mint auf stick
Reiner Schulz, 10.12.2017 17:34, 0 Antworten
Hallo, ich hab ein ISO-image mit Linux Mint auf einem Stick untergebracht Jetzt kann ich auch...
Canon Maxify 2750 oder ähnlicher Drucker
Hannes Richert, 05.12.2017 20:14, 4 Antworten
Hallo, leider hat Canon mich weiterverwiesen, weil sie Linux nicht supporten.. deshalb hier die...
Ubuntu Server
Steffen Seidler, 05.12.2017 12:10, 1 Antworten
Hallo! Hat jemand eine gute Anleitung für mich, wie ich Ubuntu Server einrichte? Habe bisher...
Tinte sparen bei neuem Drucker
Lars Schmitt, 30.11.2017 17:43, 2 Antworten
Hi Leute, ich habe mir Anfang diesen Monats einen Tintenstrahldrucker angeschafft, der auch su...
Für Linux programmieren
Alexander Kramer, 25.11.2017 08:47, 3 Antworten
Ich habe einen Zufallsgenerator entworfen und bereits in c++ programmiert. Ich möchte den Zufalls...