Was hat ein Server im Browser zu suchen? Diese Frage drängt sich auf, nimmt man Operas [1] neuestes Release 10.10 in Augenschein. Die Antwort fällt ebenso trivial wie einleuchtend aus: Es ist einfach praktisch und eröffnet eine ganze Reihe Möglichkeiten, auf vielfältige Weise mit anderen in Kontakt zu treten – sei es, um Dateien und Bilder zu tauschen, zu chatten oder ein Spielchen zu wagen.
Opera dezentralisiert das Internet damit gewissermaßen und macht jeden Anwender in wenigen Augenblicken zum eigenen – und vor allem eigenverantwortlichen – Webmaster, Filehoster und Chatroom-Eigner. Da die Nutzer Dateien direkt von dem Rechner herunterladen, der sie freigibt, bleiben viele der Möglichkeiten von Unite allerdings Anwendern mit einer schnellen Internetanbindung vorbehalten.
Wie funktioniert's?
Die technische Umsetzung von Unite erweist sich bei genauerer Betrachtung als wenig spektakulär: Als Dreh- und Angelpunkt arbeitet ein in den Browser integrierter Webserver, der die Addons für verschiedene Einsatzbereiche als Webanwendung ausführt.
Erweiterungen, die Opera bereits bei der Installation mitbringt, finden Sie im Verzeichnis /usr/share/opera/unite. Jede Datei mit der Endung .ua repräsentiert dabei ein Addon. Zusatzmodule, die Sie nachträglich installieren, speichert der Browser unter /home/Benutzer
/.opera/widgets/. Es handelt sich dabei um ZIP-Dateien, die Sie beispielsweise mit dem Packprogramm Ark problemlos öffnen. Ein Blick in die Innereien zeigt, dass die Erweiterungen aus einem Sammelsurium an XML- und Javascript-Dateien bestehen welche, jeweils an die Anforderungen angepasst, Funktionen über den Webserver bereitzustellen.
Um die Datenfreigaben von Opera zu nutzen, gilt es einen kostenfreien Account bei Opera anzulegen. Dafür erscheint beim ersten Start von Unite ein Registrierungsfenster, in dem Sie die notwendigen Daten eintragen. Arbeitet der eigene Rechner hinter einem Router, lässt er sich allerdings im Normalfall von außen nicht direkt erreichen. Opera umgeht diese Hürde, indem es dem Unite-Nutzer einen Proxy-Server bereitstellt, der anderen den Zugriff auf die freigegebenen Dateien ermöglicht. Dazu verwendet das Unternehmen URLs nach dem Schema http://Standort
.Nutzer
.operaunite.com (Abbildung 1). Sowohl den Standort als auch den Nutzernamen legt der Anwender selbst fest. Das Unternehmen versichert, dass es den Datenverkehr nicht protokolliert.
Jedoch ermöglicht der Browser auch den direkten Zugriff über die URL http://IP-Adresse
:8840 auf die freigegebenen Ressourcen – von außen allerdings nur dann, wenn Sie im Router das Port Forwarding entsprechend einrichten. In der Konfiguration legen Sie fest, von wo aus (über die Webseite von Opera Unite oder über das lokale Netz) die Freigaben zu erreichen sind. Im Test zeigte sich jedoch, dass Opera die Einstellungen ignoriert und die Freigaben stets sowohl lokal als auch extern anzeigt. Da Opera die Shares jedoch in der Grundeinstellung mit einem Passwort versieht, besteht zunächst keine Gefahr, dass Unbefugte an die Daten gelangen.
Was kann's?
Opera Unite versteht sich als Oberbegriff für eine Vielzahl von Applikationen, die den Peer-to-Peer-Tausch von Daten verschiedenster Art ermöglichen. Zu den mitgelieferten Anwendungen zählen ein Filesharing-Modul, ein Mediaplayer zum Abspielen von Musik (Abbildung 2), ein Fotoalbum und ein Webserver. Letzterer erlaubt, eigene Webseiten ins Netz zu stellen. Jedes dieser Module versieht Opera in der Grundeinstellung mit einem zufälligen Passwort, das Sie aber jederzeit ändern können.
Jedes Addon erlaubt nur die Freigabe eines Verzeichnisses samt der enthaltenen Unterordner. Möchten Sie andere Ordner freigeben, ermöglicht das Opera mit einer parallelen Installation des gleichen Moduls aus der Applikationsdatenbank [2]. Derzeit enthält diese ungefähr 30 Addons, die Sie wie Firefox-Plugins mit einem Klick auf Install Application dem Browser hinzufügen. Diese Zusatzmodule erlauben, die Funktionen von Unite in viele Richtungen zu erweitern.
Reicht Ihnen beispielsweise der virtuelle Kühlschrank zum Tausch von Informationen nicht aus, bietet Ihnen das Modul Tempbin ein rudimentäres Blog. Bevorzugen Sie die interaktive Kommunikation, installieren Sie das IRC-ähnliche Chat-Modul The Lounge. Möchten Sie Ihren Besuchern die Gelegenheit geben, Dateien auf Ihren Server hochzuladen, bietet Ihnen File Inbox die entsprechende Funktion. Um Dateien in regelmäßigen Intervallen zwischen zwei Rechnern zu synchronisieren, installieren sie auf einem davon das Modul Document Courier und auf dem anderen Document Sync. Der Abgleich klappt aber nur, wenn auf beiden Rechnern Opera läuft und sie beide online sind.
Möchten Sie Ihren Gästen nicht nur Musik zum Download und Abspielen bereitstellen, sondern auch Filme, dann installieren Sie Stream media. Zur Anzeige der Videodateien benötigt der Client jedoch den Windows-Mediaplayer – Linux-Anwender schauen also in die sprichwörtliche Röhre. Desweiteren bietet dieses Modul keinen Passwortschutz, womit Sie bei dessen Start jedermann Zugriff auf die im Verzeichnis enthaltenen Dateien gewähren.



