Der etwas seltsam klingende Name Machinarium [1] weckt großes Interesse in der Spielewelt – nicht nur, weil es eine kleine tschechische Softwareschmiede mit einem Marketing-Budget von gerade einmal 1000 US-Dollar schaffte, das Produkt auf dem hart umkämpften Spielemarkt zu etablieren. Auch die Tatsache, dass innerhalb von gerade einmal drei Jahren ein Spiel entstand, das auf dem "Independent Games Festival" einen der begehrten Preise abräumte, begeisterte viele Spielemagazine. Bereits mit den Vorläufern Samorost 1 und 2 hatten die Entwickler von Amanita Design [2] demonstriert, wie man mit einfachen Konzepten Spieler begeistern kann.

Machinarium steht seit dem 27. Oktober auf der Hersteller-Homepage für 12,90 Euro zum Download bereit. Dafür bekommen Sie das Spiel in drei Versionen für Windows, Mac OS X und Linux sowie den Soundtrack im MP3-Format. Möchten Sie das Spiel vor dem Kauf einem Test unterziehen, nutzen Sie dazu die Demoversion – sie beinhaltet die ersten drei von insgesamt 30 Orten, an denen es Rätsel zu lösen gilt. Diese Version spielen Sie bequem im Webbrowser.

Für Linux steht nur eine 32-Bit-Version des Spiels zur Verfügung. Als Systemvoraussetzungen nennt der Hersteller einen mit wenigstens 1,6 GHz getakteten Prozessor, 1 GByte RAM und 380 MByte freien Festplattenplatz. Der Monitor sollte mindestens 1024 x 768, besser aber 1280 x 1024 Bildpunkte auflösen. Das in Flash geschriebenes Spiel setzt nicht etwa einen installierten Flash-Players voraus, sondern bringt eine integrierte Version davon bereits mit. Das ist sehr lobenswert, da es mögliche Probleme mit den Playern der diversen Linux-Distributionen von vorneherein ausräumt. Spielwillige, die ein 64-Bit-Linux ihr eigen nennen, müssen allerdings vorab dafür sorgen, dass 32-Bit-Programme auf dem System funktionieren.

Die herunterladbare, englischsprachige Spieleversion kommt als rund 340 MByte großer Tarball daher, im Archiv finden sich vier Verzeichnisse und eine ausführbare Datei. Eine Installation im eigentlichen Sinne ist nicht notwendig: Sie entpacken den Tarball in ein beliebiges Verzeichnis, wechseln dorthin und starten im Terminal die ausführbare Datei Machinarium. Genauere Untersuchungen dieses Files deuteten darauf hin, dass es sich dabei um den Adobe Flash-Player in der Version 10.0.32.18 handelt.

Testplattform

Als Testplattform diente die 32-Bit-Variante von Ubuntu 9.10. Interessiert waren wir vor allen Dingen daran, ob Machinarium den Versprechungen des Herstellers gemäß tatsächlich auf PCs mit 1,6-GHz-Prozessor ausreichend schnell läuft und sich bei 1024 x 768 Pixeln noch vernünftig spielen lässt. Klare Antwort auf beide Fragen: ja! Ohne Probleme war ein flüssiges Lösen von Rätseln möglich.

Start auf dem Schrottplatz

Nach dem Start befinden Sie sich im Hauptmenü des Spiels. Sobald Sie mit der Maus über den unteren Bildschirmbereich fahren, öffnet sich dort ein verstecktes Menü. Darüber laden und speichern Sie Spielstände, ändern die Fenstergröße, schalten zwischen Vollbild und Fenstermodus um, regeln die Musik- und Effektlautstärke oder beenden das Spiel. Um ein neues Spiel zu starten, klicken Sie auf Play New Game, ein bereits gestartetes Spiel führen Sie mit Resume Game fort (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Einstiegsbildschirm von Machinarium gestaltet sich übersichtlich. Im unteren und oberen Bereich befinden sich versteckte Menüs.

Eine schöne animierte Szene leitet das Spiel ein: Ein futuristisch wirkendes fliegendes Müllfahrzeug entleert seinen Inhalt – samt des Protagonisten – auf dem lokalen Schrottplatz. Dem Hinweis Click here folgend, enthüllen Sie einen Teil des Roboters, in dessen Rolle Sie von nun an schlüpfen werden. Als erste Aufgabe gilt es, die weiteren Komponenten des Robots aus dem Schrott zusammmenzusuchen und zu einem funktionsfähigen Ganzen zu montieren.

Der Roboter hat die Fähigkeit, auch entfernte Gegenstände zu erreichen:Klicken Sie dazu auf den kleinen Kerl und halten die linke Maustaste gedrückt. Anschließend ziehen Sie den Mauszeiger in Richtung des oberen Bildschirmrands. Auf diese Weise gelangen Sie im weiteren Verlauf des Spiels an allerlei Gegenstände, die der Robot oder seine Mitstreiter brauchen oder haben möchten.

Um mit anderen Robots oder mechanischen Tieren zu interagieren, reicht ein Mausklick auf diese. Schön gemacht sind die Konversationen: Mit animierten Szenen zeigt das Spiel recht verständlich an, was das Gegenüber gerade von einem möchte beziehungsweise was es mitteilt. Langweilige Dialoge gibt es nicht (Abbildung 2).

Abbildung 2: Langweilige Dialoge ade – den entsprechenden Platz nehmen schön animierte Szenen ein.

Knifflig bis zur letzten Sekunde

Die anfangs recht leichten Rätsel, die Sie nun lösen müssen, fallen mit der Zeit immer kniffliger aus. Es gilt immerhin 30 Orte zu besuchen. Das Ziel: Sie sollen herausfinden, wo die Freundin des Protagonisten gefangen gehalten wird, um sie anschließend zu befreien. Auf den Weg dorthin gilt es unter anderem knackige Logikrätsel zu lösen (Abbildung 3). Fall Sie einmal nicht weiter wissen, hilft ein Klick auf die Glühbirne, die sich im versteckten Menü im oberen Teil des Bildschirms befindet (Abbildung 4) – dort lagern auch die Inventargegenstände.

Abbildung 3: Im Verlauf des Spiels muss der Protagonist viele teils nicht gerade einfache Rätsel zu lösen.
Abbildung 4: Weiß man mal nicht weiter, helfen kurze Tipps beim Lösen der Aufgabe.

Zum Speichern von Spielständen stehen insgesamt nur sechs Slots zur Verfügung – angesichts der Vielzahl von Rätseln fast etwas wenig. Andererseits muss man nicht fürchten, an irgendeiner Stelle zu sterben und wieder von Neuem anfangen zu müssen: Machinarium verläuft absolut unblutig. Einzig allein die zum Ende hin teilweise sehr langwierigen Quests, darunter ein endlos anmutendes Pacman-ähnliches Spiel, frustrieren manchmal etwas. Im Großen und Ganzen macht es aber einen Riesenspaß, sich von einem Ort zum anderen weiter zu kämpfen.

Fazit

Machinarium ist trotz seiner Schlichtheit ein sehr gelungenes Spiel, das von seiner tollen Grafik, stimmungsvollen Hintergrundmusik und der einfachen Steuerung lebt. Die Story mit ihren nicht immer einfachen zu lösenden Rätseln bleibt spannend bis zum letzten Level. An dem einen oder anderen Ort kann es allerdings durchaus vorkommen, dass der Spieler trotz Hilfestellung momentan nicht weiß, wie es weitergeht. Frust kommt aber nur selten auf. Laut Hersteller eignet sich das Spiel für Personen ab 7 Jahren – für solche Kids erscheint es uns aber etwas zu knifflig, zudem braucht man manchen Stellen eine gute Hand-Auge-Koordination. Alles in allem ist Machinarium sein Geld aber auf alle Fälle wert uns sorgt für Spielspaß bis zur letzten Minute.

Infos

[1] Machinarium-Homepage: http://www.machinarium.net/

[2] Amanita Design: http://amanita-design.net/

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Kommentare
Fenster verkleinern ESC
Jonas (unangemeldet), Montag, 04. Januar 2010 00:46:56
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Hallo,

habe es mir gerade gekauft. Start unter LInux geht auf Anhieb, aber laeuft sehr traege auf 3 GHz (liegt evtl. daran, dass nicht die Nvidia Binarys installiert sind.)

Jedenfalls wollte ich wie im Eingangsbildschirm empfohlen ESC druecken um das Bild zu verkleinern. ESC bewirkt aber nichts.

Kann ich das Spiel irgendwie auch im Browser laufen lassen? Da war alles fluessig.


Bewertung: 134 Punkte bei 24 Stimmen.
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Lustig zum Spielen ! Demoversion
Funwatcher (unangemeldet), Sonntag, 13. Dezember 2009 15:35:43
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Habe mir gestern auf der Website die Demo besorgt, bis ich bemerkte, dass man das Spiel bzw die Demo auch im Browser spielen kann. Und ich muss sagen ein sehr stimmiges und gutes Adventure.

Ich werde mir sicher die Vollversion kaufen.

Einfach mal probieren Leute.

Gruß Harald


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