Klare Linien
Mandriva Linux 2010.0
Multimedia und Grafik
Die größte Aufmerksamkeit im Anwenderbereich gilt heutzutage wohl den Multimedia-Anwendungen. Hier kann Mandriva Linux 2010.0 voll punkten. Amarok, die wohl meistgenutzte Anwendung im Audiobereich knüpft mit der Version 2.2 wieder an die Leistung und Funktionsvielfalt der Vorgängerversion an (Abbildung 5). Sowohl das Erfassen der Musiksammlung als auch das Generieren von Wiedergabelisten, das Einbinden von Wikipedia-Einträgen zum aktuellen Stück und die Wiedergabe von MP3-Dateien funktionieren problemlos.
Auch die anderen Audio-Anwendungen können überzeugen – einmal abgesehen vom KDE-CD-Spieler, dessen Aussehen man bestenfalls "ungewöhnlich" einordnen kann. Hohen Anteil an der allgemein guten Audio-Leistung hat (zumindest unter KDE) die Integration des Multimedia Frameworks Phonon in Pulseaudio. Auch die Integration der erforderlichen Plugins im Browser Firefox überzeugt: Videos bei YouTube und in der ZDF-Mediathek ansehen, MP3-Dateien im Internet anhören, und auch das Abspielen von OGG-Videos funktionieren auf Anhieb. Das gilt zumindest für die Live-CDs und das "Powerpack", welche die dafür benötigten Plugins bereits während der Installation einbinden. Bei der "Free Edition" gilt es diese noch vom Mandriva-Server nachzuinstallieren, wofür aber wenige Mausklicks genügen.
Weniger erfreulich sieht es bei den Video-Anwendungen aus. Das kommerzielle "Powerpack" enthält den DVD-Player von Fluendo, der zwar alle Video-DVDs brav abspielt, sich jedoch im Test weigerte, auf ISO-Abbilder von Video-DVDs oder gar einzelne Videodateien mit freien Formaten zuzugreifen. Die "Free Edition" enthält einige Video-Player (MPlayer, Totem, Dragonplayer), die aber alle nur mit nachinstallierten Plugins und Codecs aus dem Angebot der PLF-Repositories funktionierten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Verwendung einiger der in diesen Codecs verwendeten Technologien in manchen Staaten illegal ist – namentlich in den USA, dem Hauptmarkt von Mandriva. Das neu in der Distribution angebotene Mediacenter Moovida erkannte zwar eine vorhandene DVD, weigerte sich aber beharrlich, sie auch wiederzugeben. Einzig die nachinstallierte freie Anwendung VLC zeigte alle Filme ohne viel Nacharbeit in gewohnter Qualität.
Sehr gute ausgestattet gibt sich Mandriva Linux 2010.0 in Sachen Grafik und Bildbearbeitung. Neben Gimp, dem Flaggschiff der freien Bildbearbeitung, steht eine Fülle weiterer Bearbeitungs-, Katalog- und Darstellungssoftware zur Verfügung. Auch der Import von Bildern aus zwei verschiedenen Digitalkameras lief problemlos ab, wobei auch hier mehrere Programme zur Auswahl stehen – in erster Linie natürlich Digikam.
Freunde des Vektorformats freuen sich über die aktuelle Version 0.47 von Inkscape, die sich selbst für anspruchsvollste Aufgaben eignet. Auf der Schnittstelle zwischen Grafik und Text steht das Layoutprogramm Scribus 1.3.5 zur Verfügung, während für einfache Malaufgaben Kolourpaint völlig ausreicht.
Kommunikation
Die Kommunikation mit Freunden, Fremden und Besuchern unterstützt Mandriva Linux 2010.0 auf allen Ebenen. Das "Powerpack" enthält die aktuelle Beta-Version 2.1 von Skype, die im Test einwandfrei funktionierte. Die früheren Probleme im Zusammenspiel mit Pulseaudio scheinen nun ausgeräumt zu sein. Für Benutzer der "Free Edition" sieht es nicht so gut aus – hier gilt es das allgemeine Paket von Skype.com zu installieren, was nicht ganz so einfach ist. Als VoIP-basierte Alternativen stehen aber Ekiga sowie Kphone zur Verfügung.
Auch für Videochats dienen wiederum Ekiga oder Skype. Dabei erkannte und nutzte Mandriva Linux 2010.0 sowohl eine im Netbook installierte Webcam als auch eine USB-Webcam von Creative automatisch. Daneben gibt es zahlreiche textbasierten Kommunikationsmittel – von Kopete über Quassel und Konversation bis zu Lirc und Xchat. Alle diese Programme liefen im Test zufriedenstellend und ohne sichtbare Probleme.



