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© Miguel Ugalde, sxc.hu

Entwicklungshelfer

RAW-Dateien mit Rawstudio konvertieren

02.12.2009 Wer Wert auf hochwertige Aufnahmen legt, kommt am Rohdatenformat nicht vorbei. Rawstudio hilft beim Verwalten und Konvertieren auf dem Rechner.

War das Rohdatenformat in der Vergangenheit eher teuren Spiegelreflexkameras vorbehalten, unterstützen es heute auch immer mehr preisgünstigere Kompakt- und Bridge-Kameras. Gerade Anwendern, die ihre Bilder am Computer nachbearbeiten, bietet das RAW-Format gegenüber der JPEG-Variante diverse Vorteile. Der erheblich erweiterte Kontrastumfang der Bilder (8 Bit bei JPEG, bis zu 14 Bit bei RAW) ermöglicht es beispielsweise, die Helligkeit der Bilder praktisch verlustfrei um bis zu zwei Blendenstufen anzupassen. Des weiteren schreibt die Kamera Anpassungen wie den Weißabgleich nicht ins Bild, sondern in dessen Metadatenbereich. Das ermöglicht die beliebige nachträgliche Korrektur der Farbtönung.

Für Linux-Systeme gibt es derzeit nur eine handvoll kostenfreier Programme, die sich dazu eignen, Bilder im RAW-Format zu bearbeiten und zu konvertieren. Eines davon hoben drei Dänen im Jahre 2006 unter dem Namen Rawstudio [1] aus der Taufe. Wie die meisten Applikationen aus diesem Dunstkreis verwendet auch dieses Programm zum Konvertieren der Bilder das altbewährte und vielfach gelobte Kommandozeilentool Dcraw [2]. Vergleichstests [3] zeigen, dass dieser Umwandler teilweise bessere Ergebnisse liefert als die mehrere hundert Euro teure kommerzielle Konkurrenz.

Installation

Für die meisten großen Distributionen stehen fertig konfektionierte Pakete in den Repositories oder der auf Projektseite zum Download bereit. Sie installieren sie entsprechend über den Paketmanager Ihres Systems.

Zumindest die Pakete für Opensuse verwenden eine englische Lokalisierung. Es fehlt eine in die grafische Oberfläche integrierte Option, diese umzustellen. Zwar stellt das Projekt eine deutsche Übersetzung auf der Webseite zum Download bereit, es fehlt jedoch jeder Hinweis darauf, wie man sie ins Programm integriert. Sehr wahrscheinlich wird die Lokalisierung jedoch einkompiliert und lässt sich entsprechend nachträglich nicht mehr ändern. Falls Sie also auf eine deutsche Bedienoberfläche Wert legen, müssen Sie das Programm entsprechend selbst übersetzen.

Da verschiedene Lokalisierungen, unter anderem die deutsche, dem Quelltext (auch auf der Heft-DVD) aber bereits beiliegen, erübrigt sich deren Download. Das Kompilieren erfolgt mit dem üblichen Dreisatz ./configure && make && sudo make install. Einen Schalter, mit dem Sie bei ./configure die Lokalisierung festlegen, erwähnt die beiliegende Installationsanleitung nicht; das Setup wählt stattdessen die auf der Maschine eingestellte Sprache.

Start

Nach dem ersten Start zeigt sich Rawstudio eher von der schlichten Seite. Das ändert sich aber schnell, sobald Sie die zum Bearbeiten vorgesehen Bilder in den Konverter laden. Sie erreichen diese über den Reiter Open in der Leiste rechts neben dem Hauptfenster. Navigieren Sie darin in das Verzeichnis, das die Bilder enthält. Bei aktivierter Checkbox Open recursive zeigt das Programm auch die in Unterverzeichnissen enthaltenen Bilder in der Vorschauleiste an. Es berücksichtigt dabei jedoch ausschließlich RAW-Dateien (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Funktionsumfang von Rawstudio hält sich zwar in engen Grenzen, dafür widmeten sich die Entwickler aber erfolgreich dem Umsetzen eines möglichst effizienten Workflows.

Im Test öffnete das Programm nur 59 der 67 Testdateien verschiedener Hersteller und Kameramodelle, was im Vergleich zu anderen RAW-Konvertern wie Rawtherapee (63) [4] und Ufraw (67) [5] einen eher mageren Wert darstellt. Das verwundert insofern, als diese Programme ebenfalls Dcraw als Grundlage verwenden. Darüber hinaus stellt Rawstudio speziell Bilder aus Canon-Kameras oft mit falschen Farben dar, was sich jedoch leicht korrigieren lässt. Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt "Bilder bearbeiten".

Die Vorschauleiste gliedert sich in sechs Bereiche, deren jeweilige Bedeutung sich erst bei genauerem Hinsehen erschließt. Während die oberste Leiste alle Bilder anzeigt, enthalten die Bereiche 1 bis 3 entsprechend bewertete Dateien, U die ohne Bewertung und D die zum Löschen markierten. Um ein Bild zu bewerten, klicken Sie darauf und drücken [1] bis [3]. Ein Druck auf [0] entfernt die Bewertung wieder. Diese Funktion erlaubt es Ihnen, gerade größere Bildersammlungen in kurzer Zeit zu sichten und die guten von den schlechten Aufnahmen zu trennen. Eine Funktion zur Verschlagwortung oder zur Suche von Dateien fehlt jedoch. Die EXIF-Metainformationen des Bildes zeigt das Programm an, sobald Sie mit der Maus die Vorschaubilder berühren. Allerdings beschränkt sich die Anzeige auf die grundlegenden Einstellungen wie Brennweite, Blende und Verschlusszeit.

Wie die meisten RAW-Konverter mit Verwaltungsfunktion speichert auch Rawstudio die Veränderungen an Bildern in Metadaten. Dazu legt es im Verzeichnis, in dem sich die Bilder befinden, einen Unterordner namens .Rawstudio an. Dort sichert es die Informationen in einer XML-Datei, die den Namen des jeweiligen Bilds trägt. Um beim erneuten Aufruf eines Ordners die Vorschauansicht zu beschleunigen, speichert das Rawstudio auch die Thumbnails der Aufnahmen in diesem Verzeichnis.

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Infos zum Autor

Thomas Leichtenstern

Thomas Leichtenstern

CD/DVD-Redakteur


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LinuxUser 06/2012

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