Wie in der Linux-Welt üblich, stellt auch Mandriva Software in so genannten Paketquellen (oder Repositories, kurz Repos) zur Verfügung. Auf die greift die Paketverwaltung über eine Netzwerkverbindung automatisch zu und lädt die benötigten Pakete herunterlädt. Als Paketformat dient dabei RPM [1].
Mandriva unterteilt seine Paketquellen in die Zweige main, contrib und non-free. Dabei steht main für "maintained", bezeichnet also die Pakete, die direkt von Mandriva betreut werden. Die Abkürzung contrib bedeutet "contributed" – auch dabei handelt es sich um offizielle Pakete, jedoch um solche, die Community-Mitglieder beigesteuert haben. Während Mandriva selbst die main-Pakete immer aktuell hält, kann es durchaus passieren, dass in contrib ein Paket etwas anstaubt – etwa, wenn dem Kontributor die Zeit ausgeht und sich niemand anderes findet, der das Paket übernimmt. Der Zweig non-free schließlich enthält proprietäre Software wie Grafik- und WLAN-Treiber.
Alle drei Zweige untergliedern sich jeweils wiederum in release, updates, backports und testing. In release finden sich die Pakete, wie sie am Release-Datum von Mandriva freigegeben wurden – diese ändern sich also während der Lebensdauer der Distribution nicht mehr. Dagegen enthält updates alle Sicherheits- und Bugfix-Aktualisierungen. Halten Sie sich an die Quellen in diesen beiden Zweigen, dann haben Sie immer ein stabiles und sicheres System. Neue Software-Versionen bekommen Sie allerdings nicht, da Mandriva vorsieht, innerhalb eines Releases keine Versionsupdates einzelner Pakete herauszugeben – es sei denn, um Fehler oder Sicherheitsprobleme zu beheben.
Für diesen Zweck gibt es die backports-Repos. Hier landen regelmäßig neue, aber noch nicht gründlich getestete Versionen von Paketen – für unerfahrene Benutzer können sie zu Problemen führen. Der Zweck der testing-Quelle lässt sich schon anhand des Namens erraten: Sie enthält Pakete, die erst noch geprüft werden müssen. Wer solche Pakete nutzt, muss sich des entsprechenden Risikos für die Systemstabilität bewusst sein.
Jenseits der offiziellen Quellen gibt es noch einige Repositories von Drittanbietern, wie etwa die PLF-Quellen. Die "Penguin Liberation Front" stellt Pakete bereit, die Mandriva aus rechtlichen Gründen nicht in der Distribution anbieten kann, wie etwa Audio- und Video-Codecs oder proprietäre Software wie das Flash-Plugin. Diese Pakete lassen sich meist problemlos nutzen und verursachen in der Regel in Deutschland auch keine juristischen Probleme. Des Weiteren gibt es noch viele lokale Paketquellen der Mandriva-Communities aus aller Welt, wie zum Beispiel die MUD-Quelle von Mandrivauser.de [2].
Mehr RPM
Da Mandriva das RPM-Paketformat nutzt, lässt sich auch hier das klassische Verwaltungswerkzeug rpm[1] einsetzen. Mandrakesoft – so der frühere Name von Mandriva – fing jedoch schon sehr früh an, eine Erweiterung zu Rpm zu entwickeln: User RPM oder kurz Urpm. Urpm ist kein Ersatz für Rpm, sondern eine Ergänzung, ähnlich wie Yum und Zypper bei Red Hat/Fedora und Opensuse oder Apt-get und Aptitude als Ergänzung zu Dpkg in der Debian-Welt.
Anders als das "einfache" Rpm kümmert sich Urpm auch um die Verwaltung der Paketquellen und das automatische Auflösen von Abhängigkeiten. Die wichtigsten Urpm-Befehle fasst die Tabelle "Wichtige Urpm-Befehle" zusammen.
urpmi.addemdia
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Hinzufügen von Quellen |
urpmi.removemedia
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Entfernen von Quellen |
urpmi.update
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Aktualisieren der Quellen |
urpmi Paketname
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Installieren/Aktualisieren von Softwarepaketen |
urpme Paketname
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Entfernen von Softwarepaketen |
urpmf Paktename
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Suchen nach Softwarepaketen |
urpmq Paketname
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Abfragen von Paketeigenschaften |
Um einen vollständigen Quellensatz der offiziellen Paketquellen anzulegen, nutzen Sie den Befehl
# urpmi.addmedia --distrib --mirrorlist
Das MIRRORLIST-System sucht dann bei jedem Aufruf von urpmi anhand der IP-Adresse, von der die Anfrage kommt, einen räumlich nahen aktuellen Mirror, von dem es die Pakete holt.
Dieses Verfahren hat Vorteile, vor allem, was die gleichmäßigere Ausnutzung der Mirror-Server betrifft, führt aber bei unvollständigen Mirror-Servern zu Problemen. Unglücklicherweise neigen gerade die Server der deutschen Universitäten dazu, hier Probleme zu verursachen. Um dies zu umgehen, binden Sie gezielt Mirrors ein. Das erledigen Sie mittels der Befehlszeile
# urpmi.addmedia QuellennameProtokoll:URL/Pfad
Auf diesem Weg binden Sie beispielsweise auch kleine Drittanbieterquellen ein, wie etwa diejenige der deutschen MandrivaUser.de-Community. MandrivaUser.de bietet zum Generieren entsprechender Kommandozeilen ein freies Webfrontend namens SmartUrpmi von Dieter Schütze ein [3]. Darüber lassen Sie sich bei Bedarf einen ganzen Satz Paketquellen generieren oder laden ein Skript herunterladen, das die Quelleneinrichtung interaktiv vornimmt.
Als wichtigste Option beim Einbinden von Softwarequellen dient --update dazu, die jeweilige Paketquelle für Mandrivas Auto-Update-Funktion und das graphische Frontend Rpmdrake als Aktualisierungsquelle zu kennzeichnen.
Paketverwaltung mit Urpm
Anders als Rpm benötigt Urpm zum Umgang mit Software nicht den vollständigen Namen des Pakets. Bei Mehrdeutigkeit erhalten Sie eine entsprechende Meldung und können sich entscheiden, welches der angegebenen Pakete Sie tatsächlich einrichten wollen. Um eine Liste aller Paketnamen mit dem Namensteil "libdvd" zu erhalten, stellen Sie über urpmf eine Abfrage, die Sie am Besten mit einer Sortierung verbinden (Listing 1). Das gewünschte Paket installieren Sie anschließend mit urpmi Paketname
.
# urpmf --name libdvd | sort libdvdcss2 libdvdcss-devel libdvdnav4 libdvdnav-devel libdvdread4 libdvdread-devel
Eine relativ neue Funktion von Urpm stellt die Überprüfung auf verwaiste Pakete dar – also etwa Bibliotheken, die als Abhängigkeiten anderer Pakete installiert wurden und nach deren Entfernen nicht mehr gebraucht werden. Urpm überprüft nach jeder Aktion auf verwaiste Pakete, listet diese auf und nennt das Handwerkszeug, um diese zu entfernen: urpme --auto-orphans. Man sollte diese Funktion allerdings mit Sorgfalt nutzen: Im Forum von MandrivaUser.de-Forum gab es immer wieder Meldungen von Nutzern, die auf diesem Weg unbeabsichtigt wichtige Teile des Systems deinstallierten. Seit der Mandriva-Version 2009.1 scheinen solche Probleme aber der Vergangenheit anzugehören.
Mit der Abfragefunktion urpmq lassen sich Informationen über ein Paket abrufen (urpmq -i Name
) oder das Changelog einsehen (urpmq --changelog). Der Unterschied zum klassischen rpm: Während dieses hier nur installierte Pakete abfragen kann, bezieht urpmq auch die Daten der Paketquellen und somit alle verfügbaren Pakete ein.
Zu guter Letzt liefert Urpm natürlich auch Werkzeuge für die Aktualisierung. So bringen Sie das System mithilfe von
# urpmi.update -a && urpmi --auto-select
auf den neuesten Stand. Ein Tipp für Schreibfaule: Ein kurzes, knackiges urpmi --auto-update erledigt den Job ebenso.



