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Dutzend voll

Fedora 12 "Constantine"

Schall und Rauch

Das freie Audio-Dateiformat Ogg-Vorbis haben viele Linux-Nutzer schon als MP3-Konkurrent schätzen gelernt. Weitaus weniger verbreitet ist das Video-Pendant Ogg-Theora. Auftrieb könnte es durch seine Integration in die neuen Firefox-Versionen erleben. Fedora 12 liegt Ogg-Theora in der brandneuen Version 1.1 (Codename "Thusnelda") bei. Sie bietet nicht nur überarbeitete Streaming-Fähigkeiten, sondern verspricht auch eine wesentlich bessere Bildqualität. Letztere bleibt allerdings noch hinter der von H.264 kodierten Videos und somit Blu-ray zurück.

Um die Wiedergabe von Audiomaterial kümmert sich im Hintergrund der Pulseaudio-Soundserver. In Fedora 12 bekam er einen verbesserten Mixer spendiert, mit dem sich die Lautstärke wesentlich feiner und sicherer regeln lässt. Die Integration mit dem Rygel-UPnP-Media-Server ermöglicht es, Audiomaterial direkt vom eigenen Computer auf ein beliebiges UPnP/DLNA-Gerät zu streamen, unter anderem auch auf die Playstation 3.

Mit Hotplug-Geräten geht Pulseaudio nun etwas intelligenter um: Spielt man eine Musikdatei über das Standardausgabegerät ab und zieht dieses dabei vom Rechner ab, wandern die Audiodaten zu einem anderen Ausgang. Stöpselt man das alte Gerät wieder ein, leitet PulseAudio die Musik wieder dorthin um. Darüber hinaus erkennt der Soundserver auch Audiogeräte, die über Bluetooth kommunizieren, und unterstützt Ereignisklänge mit Surround-Sound. Damit lässt sich schon bei der Anmeldung ein Jingle im 5.1-Mehrkanalton abspielen – laut der Entwickler sogar in bester THX-Kinoqualität.

Unter der Haube

Der Bootloader Grub kann das System endlich auch von einem Ext4-Dateisystem starten. In Fedora 11 war dazu immer noch eine separate Boot-Partition im Ext2/3-Format notwendig. Im Gegensatz zu Ubuntu wagen die Fedora-Entwickler aber noch nicht den Umstieg auf den neuen Grub 2.

Bis Fedora 11 wurde die zum Booten benötigte Initial Ramdisk (initrd) mit mkinitrd erzeugt, das jedoch recht monolithische, starre und distributionsabhängige Ergebnisse produzierte. Mehr Flexibilität soll das modulare Dracut bieten. Das nutzt neben Fedora auch das OLPC-Projekt – die dort entstandenen OLPC-Dracut-Module finden sich im Fedora Repository.

Im Hintergrund wacht das Werkzeug Abrt über Abstürze. Im Gegensatz zu Fedora 11 ist es nun standardmäßig aktiv und soll insbesondere normalen Benutzern die Meldung von Programmfehlern erleichtern. Sobald Abrt ein Problem entdeckt, sammelt es selbständig alle für die Entwickler relevanten Informationen, erstellt daraus einen Fehlerbericht und sendet diesen dann per Knopfdruck an das Fehlerverwaltungssystem Bugzilla. Abrt löst das bisherige Gespann aus Bug-buddy und Kerneloops ab, leistet aber mehr: So fängt es schwere Abstürze (Segmentation Faults) nicht mehr nur von GTK+-Anwendungen, sondern beliebigen Programmen auf, und berücksichtigt sogar Fehler in Python-Software (Python Backtraces).

Die Fedora-Entwickler nahmen auch die Zugriffsrechte unter die Lupe und verschärften sie für viele Verzeichnisse, Dateien und Prozesse. Insbesondere laufen einige Kernkomponenten nicht mehr mit Super-User-Rechten. Steve Grubb von Red Hat steuerte zudem die Bibliothek libcap-ng bei, welche die alte libcap-Bibliothek ersetzt und den Umgang mit den so genannten Posix-Capabilities erleichtern soll. In Fedora 12 wurde libcap-ng bereits in viele Kernkomponenten integriert, um so die Sicherheit des Systems zu erhöhen.

Mit dem X.Org Server 1.7 halten auch die X Input Extension in Version 2.0 (XI2) Einzug in Fedora. Diese Erweiterung bietet eine neue Programmierschnittstelle für den Umgang mit Eingabegeräten. Dank der Multi-Pointer X (kurz MPX) kommt der X-Server endlich mit mehreren Eingabegeräten gleichzeitig zurecht und zeichnet sogar für jedes davon einen eigenen, unabhängigen Mauszeiger auf den Bildschirm. Diese Fähigkeiten können Anwendungen beispielsweise für Multitouch-Eingaben verwenden. Denkbar sind auch Programme oder Spiele, die mehrere Nutzer an einem Computer erlauben, wie etwa in Klassenräumen, wo sich zwei Schüler einen Arbeitsplatz teilen. Bis solche ersten Anwendungen erscheinen, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen.

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