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Beagle, Strigi und Tracker
Beagle
Das in Mono programmierte Beagle ist der Testkandidat mit der längsten Entwicklungshistorie: Bereits seit Mitte 2003 [12] gibt es eine Mailingliste für die Anwendung. Ursprünglich trug sie noch den Namen Dashboard und war nicht mehr als eine Software, die Informationen aus diversen Quellen zusammentrug – etwa aus Chats, Lesezeichen oder Blogs. Schnell war klar, dass Dashboard Potenzial für mehr bot, und so entschlossen sich die Entwickler, daraus eine Desktop-Suchmaschine zu entwickeln. Nicht ganz ein Jahr später war Beagle in der Version 0.0.0 geboren [13].
In den vergangenen Jahren flossen eine Vielzahl von Features in Beagle ein. Anfangs lag der Speicherverbrauch der Suchmaschine – nicht zuletzt wegen Mono – recht hoch. Die aktuell getestete Version geht sehr sorgsam mit den Betriebsmitteln wie CPU und Arbeitsspeicher um: Im Leerlauf benötigt der Beagle-Hintergrunddienst gerade einmal zwischen 20 und 30 MByte Arbeitsspeicher. Im Vergleich zur Version, die wir vor knapp zwei Jahren im Test hatten, haben die Entwickler den Speicherverbrauch also um Einiges gesenkt, wozu sicherlich auch die wesentlich neuere Mono-Version beiträgt: Auf dem System nistete sich Mono 2.4.2.3 ein. Ein zweiter Dienst mit dem Namen beagle-helper verputzt weitere 20 MByte, sodass das Beagle in etwa 50 MByte verbraucht.
Beim Erzeugen des Index arbeitet Beagle um ein Mehrfaches langsamer als die Konkurrenten Strigi und Tracker. Andererseits geht die Spürnase dafür recht verantwortungsvoll mit den Ressourcen um, der Lüfter des Test-Laptops heulte zu keinem Zeitpunkt laut auf. Am Ende indizierte Beagle knapp 20 000 Dateien. Bei Anfragen reagierte der Suchdialog angenehm schnell: Das Ergebnis lieferte Beagle stets in weniger als fünf Sekunden, egal wie komplex die Anfragen auch waren. Das erscheint zunächst vorteilhaft, hat jedoch eine unschöne Ursache.
Bei der Anzeige der Ergebnisse beschränkt sich die Engine nämlich stets auf 100 Datei-Treffer. So beschäftigt sich das System nicht allzu lang mit der Suche und liefert schnell eine Antwort. Das mag ja durchaus sinnvoll sein – Tracker limitiert die Anzeige gleichermaßen. Es fördert jedoch nicht immer die gewünschte Antwort zutage.
Was den Suchdialog selbst betrifft, erweist sich Beagle als der Konkurrenz um Längen voraus (Abbildung 1). Die Einteilung des Suchergebnisses in Kategorien fördert die Übersichtlichkeit. Im unteren Teil zeigt der Dialog die Eigenschaften der gewählten Datei beziehungsweise des gewählten Ordners an.
Beagle setzt derzeit nicht auf die Nepomuk-Ontologie, als Alternative steht ein Xesam-Modul bereit. Damit ist Beagle auf diesem Gebiet nicht ganz auf der Höhe der Zeit, da ja Xesam mittlerweile in Nepomuk aufging. Dieser Rückstand hängt sicherlich mit dem Entwicklerschwund der vergangenen Monate zusammen. Schade wäre, falls Beagle komplett stirbt: Gerade die Genauigkeit der Suchanfragen macht Beagle zu einer der besten freien Desktop-Suchmaschinen, und auch hinsichtlich der Vielzahl an Extraktoren muss die Konkurrenz passen. Novell selbst scheint allerdings kein besonderes Interesse mehr an Beagle zu haben, sondern konzentriert sich lieber auf Mono selbst und verwandte Projekte wie Moonlight.
Strigi
Bei Strigi handelt es sich um die derzeit vom KDE-Projekt präferierte und in KDE 4 eingebundene Suchmaschine. In unserem letzten Test schnitt Strigi nicht eben gut ab, und so waren wir sehr gespannt, welche Verbesserungen die Entwickler in der Zwischenzeit implementiert haben.
Das Indizieren der Daten zumindest geht mittlerweile recht schnell vonstatten. Allerdings führt jeder Suchvorgang nach wie vor zu einer extrem hohen CPU-Last. Regelmäßig verursachte der Strigi-Hintergrunddienst auf unserem Testrechner eine Auslastung von 180 Prozent, verbrauchte also jeweils neun Zehntel der Rechenleistung beider CPU-Kerne. Das erscheint in heutiger Zeit als schlichtweg zu viel und obendrein für den Anwender unzumutbar: Die hohe Last macht das Gesamtsystem träge, andere Anwendungen reagieren nur noch verzögert, und ein vernünftiges Arbeiten ist nicht mehr ohne Weiteres möglich. Den Speicherverbrauch hingegen optimierten die Entwickler: Nur 15 MByte Arbeitsspeicher vereinnahmt der Hintergrunddienst für sich, solange keine Suchanfrage ansteht – noch genügsamer arbeitet nur noch Tracker.
Die Ergebnisse einer Anfrage präsentiert Strigi nicht ganz so zügig wie Beagle und lässt sich beim Suchvorgang deutlich mehr Zeit. Das kann (muss aber nicht) am Suchdialog liegen, der sich derzeit weniger für den Endanwender eignet. Auch die Aufbereitung der Ergebnisse gelingt nur bedingt. Im Vergleich der vor fast zwei Jahren getesteten Version haben die Entwickler in diesem Bereich überhaupt nichts verbessert (Abbildung 2).
Strigi verwendet wie Tracker die Nepomuk-Ontologie und ist somit für die Zukunft bestens gerüstet. Das Einsatzgebiet der Suchmaschine erstreckt sich ausschließlich auf das Durchsuchen von Dateien nach Zeichenketten und lässt das Auffinden von Dateien außen vor. Unklar bleibt, ob sich dieser Umstand in Zukunft noch ändert oder ob schlichtweg der Suchdialog die Schuld daran trägt.
Unter dem Strich steht Strigi in der derzeitigen Version vom Speicherverbrauch her zwar nun besser da, geht aber nach wie vor verschwenderisch mit der CPU-Performance um. Verglichen mit Beagle oder Tracker nimmt Strigi immer noch den letzten Platz ein. Die Tracker-Entwickler testen momentan Teile von Strigi, um sie gegebenenfalls später in Tracker zu integrieren. Eventuell hilft diese Kooperation zwischen Strigi und Tracker, die KDE-Suchmaschine in den schwachen Disziplinen voranzubringen.



