Befehlsgewalt

Die meisten DOS-Programme erfordern genau wie ihre heutigen Windows-Pendants eine Installation. In dem Fall erstellen Sie unter Linux zunächst ein Verzeichnis, in das Sie das Programm laden möchten, zum Beispiel /home/tim/nfs für das Rennspiel "Need for Speed". Jetzt starten Sie die Dosbox ohne jeglichen Parameter. Damit landen Sie an einem Prompt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Dosbox beherrscht eine Zusatzfunktion, mit der Sie Verzeichnisseals Laufwerk C: oder eine CD als Laufwerk D: einbinden.

Alte Hasen dürften sich hier sofort heimisch fühlen. MS-DOS ließ sich noch vollständig über Textkommandos steuern, wobei das Bedienkonzept dem eines Terminals unter Linux ähnelt: Mit cd wechseln Sie das Verzeichnis, ein dir listet dessen Inhalt auf. Eine Übersicht über die eingebauten Kommandos liefert help, das Pendant intro zaubert eine Art Online-Hilfe hervor.

MS-DOS vergibt Laufwerksbuchstaben für jedes gefundene Laufwerk. Da es unter Linux nur eine Verzeichnisstruktur gibt, in der die Partitionen transparent eingebunden sind, bildet die Dosbox Linux-Verzeichnisse auf Laufwerksbuchstaben ab. Eigens zu diesem Zweck gibt es einen Spezialbefehl: Mit mount C /home/tim/nfs binden Sie das Verzeichnis /home/tim/nfs als Laufwerk C: ein.

Um dort hin zu wechseln, tippen Sie einfach den Laufwerksbuchstaben gefolgt von einem Doppelpunkt ein (Beispiel: C:). Sofern Sie das eingebundene Verzeichnis unter Linux benutzen, zeigt Dosbox die Veränderungen nicht an. Mit [Strg]+[F4] aktualisieren Sie die Ansicht.

Scheibchenweise

Das Spiel "Need for Speed" kommt, wie viele andere Spiele auch, auf einer CD-ROM. Mounten Sie diese zunächst unter Linux und weisen Sie dann das Verzeichnis in der Dosbox einem Laufwerk zu:

Z:\><$$b>mount D /media/cdrom -t cdrom<$$b>
MSCDEX installed.
Drive D is mounted as CDRom /media/cdrom/

Der Befehl bindet den Ordner /media/cdrom unter dem Laufwerksbuchstaben D als CD-Laufwerk (-t cdrom) ein und sorgt außerdem dafür, dass die Dosbox den entsprechenden DOS-Treiber lädt. Auf letzteres weist das MSCDEX installed. in der darauf folgenden Ausgabe hin.

Sollte diese Zeile nicht der aus Abbildung 4 gleichen, wie es in unseren Tests etwa unter OpenSuse der Fall war, hängen Sie zunächst das Laufwerk per mount -u D wieder aus. Anschließend schauen Sie sich mit mount -cd die von Dosbox erkannten CD-Laufwerke an. Die Nummer vor dem entsprechenden Laufwerk verwenden Sie im zusätzlichen Parameter -usecd:

Z:\>mount D /media/cdrom -t cdrom -usecd 0

Er erzwingt den Einsatz des entsprechenden Laufwerks. Alternativ haben Sie die Möglichkeit, ein CD-Image aus einer ISO-Datei einzubinden:

Z:\>imgmount D image.iso -t iso

Viele ältere DOS-Programme erwarten übrigens die Festplatte auf Laufwerk C: und das CD-Laufwerk unter D:. Es empfiehlt sich daher, sich an diese Konvention zu halten. Damit vermeiden Sie zudem eine Namenskollision mit dem Dosbox-Laufwerk Z: (siehe Kasten "Das mysteriöse Z").

Das mysteriöse Z

Dosbox erstellt direkt nach dem Start ein virtuelles Laufwerk Z:. Es enthält verschiedene Programme, die ein DOS-Environment für gewöhnlich benötigt – darunter übrigens den Mount-Befehl. Sie haben keine Möglichkeit, das Laufwerk auszuhängen oder zu verändern.

Gerade letzteres hat Konsequenzen für die dort lagernde autoexec.bat, die Sie ebenfalls nur indirekt über die Konfigurationsdatei abändern. Das Laufwerk Z: steht direkt am Anfang der Variable PATH. Findet Dosbox ein Programm nicht im aktuellen Verzeichnis, sucht es folglich als erstes dort. Alle eingebauten Befehle und ihre Funktionsweise erläutert das Dosbox-Wiki [3].

TIPP

Mit [Pfeil oben] und [Pfeil unten] navigieren Sie in der History der Kommandozeile von Dosbox und nutzen so einmal eingegebene Befehl erneut.

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