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Notenblatt

Musescore 0.9.5 im Test

11.11.2009 Musescore gilt als vielversprechendster Kandidat auf dem komplexen Feld der Notationssoftware für Linux. Die neue Version 0.9.5 verspricht deutliche Verbesserungen gegenüber dem absturzgefährdeten Vorgänger.

Kurz nach Redaktionsschluss für unseren großen Test zu Notationsprogrammen [1] unter Linux erschien der vielversprechenste Kandidat, Musescore [2], mit einem kleinen Versionssprung auf 0.9.5. Die Release-Notes [3] versprechen, dass die Entwickler über 30 Absturzursachen aus dem Weg geräumt haben – ein Grund für uns, Musescore noch einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das bisher für Windows und Linux erhältliche grafische Notensatzprogramm erscheint mit seiner Version 0.9.5 erstmals auch für Mac OS X. Musescore installieren Sie nach wie vor über die zwei Programmpakete mscore und mscore-common, die Sie in den Repositories der großen Distributionen finden. In jedem Fall kommen die Anwender von OpenSuse, Debian und Ubuntu sowie deren Abkömmlingen in den Genuss einer simplen Installation über den Paketmanager.

Alle anderen probieren entweder je nach System (APT oder RPM) die Pakete aus oder kompilieren Musescore aus den Quellen. Als Voraussetzung gelten die Entwicklerpakete zu Qt 4.3 oder höher, Alsa ab Version 1.0 und CMake 2.4. Unser Testsystem, ein Linux Mint 7 "Gloria", schluckte aber beispielsweise die Ubuntu-Pakete klaglos, sodass die meisten Anwender um ein Kompilieren der Quellen herumkommen.

Erster Eindruck

Ein erstes Öffnen zeigt die aus dem letzten Test bekannte Promenade von Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" (Abbildung 1). Auffällige Änderungen an der Programmoberfläche haben die Entwickler nicht vorgenommen. Über die Taste [F9] holen Sie eine Palette mit sämtlichen Funktionen an den linken Fensterrand. Mit einem Klick auf das kleine, links im Kopf der Palette positionierte Symbol lösen Sie den Werkzeugkasten aus dem Fenster und positionieren ihn frei auf dem Bildschirm.

Abbildung 1: Die Oberfläche von Musescore orientiert augenscheinlich an kommerziellen Windows-Programmen wie Sibelius oder Finale.

Ein kleines Fenster mit blauem Rahmen für den sichtbaren Partiturausschnitt bietet Übersicht bei allzugroß geratenen Scores. Den Mauszeiger ballen Sie per Klick zur Faust und verschieben damit das gesamte "Blatt" frei im Fenster. Das ist äußerst benutzerfreundlich und gibt, anders als beispielsweise in Noteedit [4], das Gefühl, tatsächlich vor einem echten Partitur-Blatt zu sitzen.

Ein Klick auf das Symbol für eine neue Datei öffnet den Dokumentenassistent. Wer schon einmal vor einer kommerziellen Windows-Lösung (Finale, Sibelius, Capella) saß, der hat keinerlei Probleme damit, die Angaben zu seinem Projekt einzutragen. Im ersten Fenster bestimmen Sie Titel und sonstige Texte, die Musescore an den üblichen Stellen der Partitur einsetzt. Nachfolgend klicken Sie die Stimmen Ihres neuen Kunstwerkes zusammen. Leider bleibt die Instrumentenliste trotz deutscher Spracheinstellungen englisch. Zum Glück klingen die meisten Instrumentennamen im Deutschen recht ähnlich (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der gelungene Dokumentenassistent bereitet Ihre Partitur hervorragend vor.

Die richtigen Schlüssel und MIDI-Klänge fügt Musescore selbstständig hinzu. Bestimmen Sie nun noch die Anfangstonart und – ein Fenster weiter – die Taktart. Hier legen Sie auch einen eventuellen Auftakt fest und geben die Menge der zu komponierenden Takte an, falls es sich um eine vorgefertigte Übung handelt.

Musescore bietet auch einige wenige Vorlagen an. So starten Chorleiter recht schnell mit einem vorgefertigten Notenblatt für einen vierstimmigen Chor mit oder ohne Klavierbegleitung.

Kreativ werden

Sitzen Sie nun vor Ihrem vorbereiteten Notenblatt, dann klicken Sie zuerst auf das N in der Iconleiste, um den Eingabemodus zu aktivieren. Bestimmen Sie nun in der selben Symbolleiste den Notenwert und ein eventuelles Vorzeichen. Zur Eingabe des eigentlichen Tones auf dem Papier genügt ein Klick auf die richtige Linie oder den richtigen Zwischenraum. Der integrierte Fluid-Synthesizer lässt den Ton bereits während der Eingabe erklingen.

Dabei fällt auf, dass die Eingabe per Maus nun präzise funktioniert, noch in Version 0.9.4 war das nicht der Fall. Nicht vollständige Takte ergänzt Musescore richtigerweise um die fehlenden Pausen. Für Laien sehr hilfreich: Außerhalb des Tonumfangs eines Instrumentes liegende Noten zeigt die Software rot an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die zwei "Fis" im Takt 5 liegen außerhalb des normalen Tonumfangs einer Geige. Musescore stellt sie daher rot dar.

Die Programmierer scheinen so einige Unzulänglichkeiten teurer, professioneller Satzprogramme beim Entwickeln der eigenen Software vor Augen gehabt zu haben. So gefällt zum Beispiel sehr gut, dass die Töne mit den Pfeiltasten chromatisch und nicht diatonisch verschoben werden. Das erspart in vielen Fällen den nervigen Extra-Klick auf ein # oder ein b. Mit der linken und rechten Pfeiltaste springen Sie von Ton zu Ton oder von Pause zu Pause.

Mehrstimmigkeit in nur einer Notenzeile erzeugen Sie mit Hilfe der farbigen Quadratsymbole mit den Ziffern 1 bis 4. Aktivieren Sie beispielsweise die "grüne Zwei", schreiben Sie eine zweite Stimme in die Zeile, ohne aus der ersten Stimme einfach Akkorde zu basteln. Das Symbol mit der zweihälsigen Note verändert sehr bequem die Halsrichtung. Das Kontextmenü für einzelne Noten erlaubt über den Eintrag Eigenschaften Note einige Änderungen, wie das Weglassen des Notenhalses oder eine verkleinerte Note.

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Kommentare
Linux Notensatz
pastagaz (unangemeldet), Mittwoch, 23. Februar 2011 22:11:44
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Verwende seit 1999 mup http://www.arkkra.com/ regelmässig unter Linux zum Notensetzen und habe nie etwas vermisst. Erzeugt eine typografisch perfekte Ausgabe.


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Bedienung krankhaft
Jürgen Grete, Samstag, 30. Januar 2010 16:16:28
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Ich habe gerade mal versucht, ein 32-taktiges Jazzstück einzuhacken. Ich kann kaum glauben, dass der Erfinder dieses "Benutzerinterfaces" selbst jemals mehr als zwei Noten unter Verwendung seiner Software eingegeben hat. So ein schlimmes Stück Software ist mir in den letzten 10 Jahren nicht untergekommen. Es ist praktisch unmöglich, die Länge einer Note zu korrigieren, da eine einmal eingebene Note - ist der Takt erstmal gefüllt - ihre Länge behält. Korrektur Fehlanzeige. Stattdessen werden in wirrer Manier Pausen eingestreut. Schade, dass es unter Linux so wenig Auswahl in dieser Sparte gibt. Musescore ist jedenfalls nichts für Leute, die mal was fertig bekommen wollen. Echter Mist!
Jürgen


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Re: Bedienung krankhaft?
Werner Schweer (unangemeldet), Donnerstag, 11. März 2010 21:03:17
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Im Forum "Made with MuseScore" (http://musescore.org/forum/159) finden sich mengenweise Leute, die kein Problem mit der Bedienung haben und das auch bei größeren Werken wie ganzen Sinfonien (z.B. Beethovens 5. oder Schuberts "Unvollendete").


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Re: Bedienung krankhaft??
Florian (unangemeldet), Mittwoch, 14. April 2010 11:36:00
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Ich weiß nicht, ob es wirklich eine gute Sache ist, daß man im Netz zunehmend seinen Kommentar zu allen möglichen Dingen abgeben kann. Denn dann kommen solche peinlichen Ergüsse heraus, wie von Herrn Jürgen Grete.
Es mag sein, daß man sich bei einem in der Entwicklung befindlichen Programm wie MuseScore einmal festbeißt und nicht weiterkommt. Aber wenn man mit der Bedienung noch nicht vertraut ist, könnte es doch eventuell auch daran liegen... Ich halte MuseScore für ein großartiges Programm, das mit einem unglaublich breiten Anspruch gegen die etablierten Gegenstücke antritt. Daß dabei noch an sehr vielem zu arbeiten ist, versteht sich von selbst. Aber die Fortschritte sind sehr beachtlich.
Dank an die Entwickler!


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Re: Bedienung krankhaft
Sven (unangemeldet), Dienstag, 18. Mai 2010 18:34:04
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Hallo

Seit 3 Jahren spiele ich in einer professionellen Combo.
Wir schreiben unsere Noten alle selber. Meine Kollegen haben es sich leisten können Sibelius zu kaufen. Mir war es zu teuer. Daraufhin habe ich nach vergleichbarer Software gesucht und bin auf "Muse Score" gestossen.


Die Aussage des Herrn Grete war wohl ein übeler Scherz.
MuseScore ist zwar nicht perfekt, ist aber im Preis / Leistungsverhältnis im Vergleich zu anderen teueren Programmen wie Sibelius eine Top Freeware.
Aber es gibt immer unzufriedene und undankbare Menschen, die immer was auszusetzten haben.

Herr Grete, Sie hâtten wahrscheinlich auch zu "Sibelius" oder "Forte" was auszusetzen.

Davon abgesehen , zu versuchen, ein 32-taktiges Jazzstück "einzuhacken " musste nach Ihrer Aussage ja wohl scheitern , da Sie sich sicherlich keine Zeit genommen haben, zuallererst die Software und die Bedienungsanleitung zu studieren. (letzteres = sehr nützlich)

Sämtliche Korrekturen sind problemlos auszuführen.

Mein Fazit:

MuseScore ist eine tolle Freeware, die schliesslich auch noch weiterentwickelt wird und die allen teueren Kollegen in nichts nachstehen wird.

gruss

Sven




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Re: Bedienung krankhaft
Michael Morawietz (unangemeldet), Donnerstag, 28. Oktober 2010 09:43:27
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Lieber Jürgen,

vielleicht versuchst Du es mal mit "Eingeben" anstatt mit "Hacken" und vielleicht wäre auch "Alle meine Entchen" für den ersten Anfang besser geeignet.

Die Software ist echt cool und ich bin superfroh, dass es soetwas kostenlos gibt. Da absolut jede Software Fehler hat, ist diese Software zudem auch noch komplett normal und alles andere als krankhaft. Krankhaft ist hier lediglich der ungeduldige Geist. Arbeite mal daran und gewinne Freude aus Deinem Tun.

Lieben Gruss
Michael Morawietz


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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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