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Media-Center

Wyplayer: TV, A/V, Web und mehr

12.11.2009 Auf Linux und FOSS basierende Mediacenter sind nicht nur unter Linux-Anwendern populär. Aus Frankreich kommt ein neuer Vertreter dieser Gattung, der viele neuartige Funktionen integriert.

Die französische Firma Wyplay schickt uns zum Test den Wyplayer [1], ein Linux-basiertes Mediacenter für das heimische Wohnzimmer. Es kommt mit einem externen Netzteil, Fernbedienung, Composite-SCART-Adapter sowie HDMI-, USB- und Composite-Kabeln. Ohne Festplatte kostet der Wyplayer für 264 Euro, vorkonfiguriert mit Harddisk wandern je nach Festplattengröße bis zu 135 Euro (1 TByte) mehr über den Ladentisch. Anwender, die nicht schon beim bloßen Anblick eines Schraubenziehers schreiend die Flucht ergreifen, sollten also die Festplatte besser selbst kaufen und in zwei Minuten einbauen: 1,5-TByte-Disks sind schon für unter hundert Euro zu haben.

Das Gerät selbst sieht unspektakulär aus: ein 27 x 24 x 4,6 Zentimeter großer, 1,8 Kilogramm schwerer schwarzer Plastikkasten (Abbildung 1) mit den Anschlüssen hinten. Vorne sitzen neben dem Infrarotempfänger und einem Büroklammer-Reset-Loch drei LEDs (grün für Installation oder Betrieb als Festplatte, blau für Betrieb und Fernbedienungssignal, rot für Aufnahme) sowie ein USB-Port. Alles ist solide verarbeitet; beim Öffnen des Geräts stellen wir fest, dass der Hersteller alles ordentlich geschirmt und sauber entstört hat.

Abbildung 1: Wyplayer plus Fernbedienung. Optisch schlicht und unspektakulär.

An Anschlüssen (Abbildung 2) bietet der Wyplayer insgesamt drei USB-Ports, einen quadratischen USB-B-Port zum Anschluss an einen Computer als externe Festplatte, HDMI (Version 1.2, maximal 1080i mit 50/60 Hz oder 1080p mit 24 Hz), Antennen-Ein- und Ausgang, 100-Mbit/s-Ethernet, einen optischen Digital-Audioausgang und Composite-Cinch-Anschlüsse. Als Basis des Geräts dient ein SH4-Instructionset-kompatibler ST7109-Chip von ST Microelectronics mit 256 MByte RAM. Als Massenspeicher kann man in Wyplays Webshop optional 3,5-Zoll-Festplatten von 500 bis 1000 GByte ordern. Ein DVB-T-Dual-Tuner, der HD-fähig ist und das neue, in Frankreich bereits genutzte H.264-basierte Digital-TV-Format sowie mehrere Audiospuren und Untertitel unterstützt, ermöglicht das Aufzeichnen einer Sendung bei gleichzeitigem Ansehen einer anderen. Zusätzlich verfügt das Gerät über 802.11b/g/n-fähiges WLAN. Der Wyplayer hat einen sehr kleinen Lüfter links, der allerdings nur selten läuft – so erweist sich der Player im Betrieb als äußerst leise.

Abbildung 2: Das französische Gerät gibt sich sehr anschlussfreudig.

Bedienung

Die Fernbedienung hält Wyplay erfreulich simpel: Sie kommt mit nur elf Knöpfen und einem iPod-ähnlichen Scrollrad aus, das sich auch in vier Richtungen drücken lässt.

Die Bedienergonomie des Player fällt erfreulich gut aus, allerdings gibt es auch kleine Probleme. Zum Kaltstart braucht das Gerät rund eine Minute, ein Aufwachen aus dem Standby-Modus erfolgt jedoch sofort. Die Funktion der elf Knöpfe und des Scrollrads der Fernbedienung erklärt eine Grafik beim ersten Einrichten: eine sehr sinnvolle Idee, an der sich andere Hersteller ein Beispiel nehmen könnten. Allerdings steht nach jedem Firmware-Update die Einrichtungsprozedur erneut an.

Die Bedienung per Scrollrad zeigt sich nicht immer ganz logisch: Manchmal muss man das Rad drehen, manchmal aber auch drücken, um in einem Untermenü zu navigieren. Die Navigation in den schick gestalteten Menüs gestaltet sich stellenweise etwas zäh. Auch, dass ein schnelleres Drehen des Scrollrads nicht auch in schnellerem Scrolling resultiert, ist unverständlich. Gewöhnungsbedürftig fanden wir, dass beim Abspielen das Scrollrad lediglich die Spulgeschwindigkeit regelt und nicht etwa – wie bei den im Videobereich populären "Jog-Shuttles" üblich – durch den Film spult, solange man daran dreht. Die veränderte Spulgeschwindigkeit behält der Wyplayer solange bei, bis man das Scrollrad wieder in die andere Richtung dreht oder darauf drückt (entspricht Play). Wer munter am Rad dreht, findet sich also schnurstracks ganz am Ende des Films wieder. Ein kritikwürdiger Aspekt ist desweiteren, dass der Wyplayer drei bis zehn Sekunden braucht, bis er eine Videodatei abspielt – für schnelles Durchzappen durch eine Medienbibliothek eignet sich der Player also nicht.

Das mit einer eigenen Taste jederzeit aufrufbare Haupt-Navigationsmenü untergliedert sich in die vom Hersteller "Universen" genannten Bereiche Video/Bild-Player (was auch YouTube beinhaltet), Audioplayer, Web-Player, TV-Anwendung und Einstellungen. Die TV-Anwendung lässt sich gut bedienen, beherrscht Time-Shifting (Pause und Zurück, beziehungsweise Vorspulen im laufenden Programm) und unterstützt EPG (Electronic Program Guide). Damit sieht man nicht nur, was gerade wo läuft, es lassen sich auch direkt aus der Liste Sendungen zum späteren Aufnehmen markieren.

Der Wyplayer speichert bei Aufnahme den DVB-T-Stream nativ als MPEG-Transport-Stream mit der Endung .ts auf die interne Platte. Das YouTube-Feature setzt Wyplay nicht zufriedenstellend um: Sobald man den Wyplayer bei der Wiedergabe der Videos stört – etwa durch Vorspulen oder Aufrufen der Stream-Auswahlliste – beschwert sich das Gerät, dass es mit dem Container nichts anzufangen weiß.

Auch der Fotobetrachter kann nicht überzeugen: Der Funktionsumfang erschöpft sich im (sehr langsamem) Weiterschalten von Bild zu Bild, einer mageren Slideshow-Funktion und Bildrotation um 90 Grad. Vergeblich suchen wir eine Vorschauansicht oder eine Möglichkeit, ins Bild zu zoomen. Wenig intuitiv arbeitet auch der Audioplayer, denn er verheiratet Playlistenerstellung und Dateinavigation munter miteinander – ein recht gewöhnungsbedürftiges Bedienkonzept.

Der Videoplayer kann, abgesehen von den oben bereits angesprochenen Kritikpunkten, dagegen durchaus überzeugen. Praktisch: Der Medien-Tausendsassa merkt sich beim Wiedergabe-Abbruch die Position im Video, so dass man später ohne langes Suchen an dieser Stelle weitergucken kann.

Schwachpunkte

Etwas durchwachsen ist der Internet-Bereich in der Hauptnavigation. Hier muss man zuerst auf der Wyplayer-Homepage ein Konto anlegen, dann pflegt man über ein Webinterface am PC Bild-, Audio- und Video-Dateien (maximal 50 MByte je Datei) sowie RSS-Feeds und Podcasts ein. Die kann man anschließend über den Wyplayer betrachten. Abgesehen von der mangelhaften Lokalisierung – das Webinterface gibt es nur in Französisch, das Schlagzeilenmenü für Deutschland bleibt leer) erschließt sich uns der Sinn dieses Features nicht. Warum sollte man seine Mediendateien erst mühsam per Computer auf die Wyplayer-Homepage hochladen, wenn man sie – ohne Einschränkungen der Dateigröße – doch auch direkt darauf kopieren kann? Darüber hinaus ließ sich ein mit einer Samsung-Kamera aufgenommener 720p-MP4-Videoclip in H.264, den wir testweise hochluden, nicht abspielen – dieselbe Datei funktionierte im normalen Videoplayer jedoch völlig problemlos. Die einzig wirklich nützlichen Internet-Feature des Wyplayers sind der Podcast-Player und – mit gewissen Einschränkungen – der RSS-Reader.

Stellenweise finden sich schlecht übersetzte (beispielsweise Volumen statt Lautstärke) oder für die Dialogboxen zu lange deutsche Texte in den Menüs. Dateioperationen lassen sich über die entsprechenden Tasten auf der Fernbedienung problemlos abwickeln: Umbenennen, Ordner erstellen, Kopieren (auch auf und von externe Datenträger), Löschen und sogar das Erstellen und Speichern von Playlisten aus mehreren markierten Dateien an beliebigen Stellen in der Hierarchie funktionieren komfortabel. Nur eine Funktion zum Verschieben fehlt – hier hilft nur Kopieren und anschließendes Löschen weiter.

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LinuxUser 06/2012

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