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© Sapsiwai, Fotolia

Allround-Datenzentrale SME-Server

Schnell eingeklinkt

Einen eigenen Server zu betreiben, erfordert normalerweise viel Handarbeit an Konfigurationsdateien. Mit SME-Server bauen Sie dagegen in kurzer Zeit per Mausklick ein stabiles System zusammen.

Schon seit einigen Jahren erfreuen sich Linux-Anwender an eifrig weiterentwickelten Desktop-Systemen und genießen die erfreulichen Fortschritte vor allem in Sachen Benutzerfreundlichkeit und multimedialer Zuwächse. Dem Linux-Kerngeschäft des Server-Einsatzes haftet dagegen nach wie vor ein kryptisch-komplizierter Geruch an, und so bleibt er scheinbar Profis vorbehalten. In dieses Feld dringt der SME-Server [1] ein.

Aufgrund des CentOS-Unterbaus der Distribution trifft man bei SME-Server auf Red-Hat-typische Elemente wie die Paketverwaltung Yum (RPM-basiert) oder den Installer Anaconda. Dennoch lassen sich mit SME-Server in wenigen Schritten zu Hause oder im Büro kleine Netzwerke einrichten, ohne dicke Bücher zu wälzen und lange Konfigurationsdateien zu erstellen. Dafür sorgt eine eingängige Weboberfläche, die sich je nach Konfiguration nur lokal oder von überall auf der Welt abrufen lässt. So darf Ihr neuer Server auch ohne Monitor und Tastatur im Keller stehen, solange er dort Zugang zu einem (W)LAN hat.

Als Testobjekt wählten wir die neueste SME-Server-Version 8.0 Beta4, die sicher in naher Zukunft mit Schönheitskorrekturen als finales Release zum Herunterladen bereit steht. Beta-typische Einschränkungen oder gar Instabilitäten traten im Test nicht auf.

Die 5-Minuten-Installation

Die Installation des SME-Servers dauert kaum länger als das Aufbrühen eines bekannten Nudelschnellgerichts. Ihr Computer darf ruhig älteren Semesters sein: Auch Rechner der 1-GHz-Generation mit 512 MByte Arbeitsspeicher genügen den Ansprüchen der SME-Software. Die erforderliche Festplattengröße richtet sich nach Ihren Bedürfnissen, wieviel Raum Sie wieviel Nutzern zugestehen und ob der Server für die Anwender auch als Fileserver oder gar zum Streamen größerer Musiksammlungen dienen soll. Gerade in letzterer Konfiguration sollten Sie mit Festplattenspeicher nicht geizen.

Starten Sie den als Server zu neuem Leben erweckten Altrechner von der Installations-CD respektive der Heft-DVD dieser Ausgabe. Vergessen Sie nicht, dazu vorab im BIOS die Bootreihenfolge zu Gunsten des optischen Laufwerks zu ändern. Die gesamte Installation verläuft textbasiert, aber gut verständlich.

Im ersten Fenster gibt es die Möglichkeit, den eingelegten Datenträger zu verifizieren. Trauen Sie der Quelle und befürchten keine Fehler, dann überspringen Sie den Vorgang mit Skip. Insbesondere beim Booten von unserer Heft-DVD gilt es den Check auf diese Weise zu überspringen, denn aufgrund der Multiboot-Konfiguration der Scheibe stimmt hier die Prüfsumme grundsätzlich nicht.

Unter den angebotenen Lokalisierungen wählen Sie nun Ihre Muttersprache und ein dazu passendes Tastaturlayout aus, woraufhin es auch schon an das Einrichten der Festplatte geht. Eingefleischte Linuxer vermissen hier sicher die gewohnte Flexibilität, denn SME-Server gesteht dem Anwender keinerlei eigene Partitionierideen zu, sondern beschlagnahmt grundsätzlich die gesamte Festplatte. Die sollte außerdem mindestens 3 GByte groß ausfallen. Server-Einsteigern kommt beides entgegen: Partitionieren verlangt schließlich erweitertes Linux-Know-how, und ein Server läuft ohnehin nie auf einem Dual-Boot-Rechner – und schon gar nicht auf Festplatten mit Kapazitäten im einstelligen GByte-Bereich.

Nun bestimmen Sie noch die einzustellende Zeitzone und überlassen dann der Einrichtungsroutine das Formatieren. Hier lässt SME-Server den Anwender über das benutzte Dateisystem im Dunkeln – wie der spätere Bootvorgang zeigt, handelt es sich aber um Ext3. Nach der Vorbereitung der Platte spielt der Installer binnen weniger Minuten die Systemsoftware auf.

Schnelleinrichtung

Nun folgt ein Neustart, bei dem Sie sinnigerweise gleich die Boot-Reihenfolge im BIOS wieder für den Start von der Platte umstellen. Beim Hochfahren bietet SME-Server die Möglichkeit an, eine Sicherung einzuspielen. Da Sie bislang ja noch kein Backup erzeugt haben, lehnen Sie dieses Angebot ab. Als ersten Einrichtungsvorgang legen Sie ein Root-Passwort fest. SME-Server tadelt Sie bei einer schlechten Wahl (ohne Ziffern und Sonderzeichen) zwar, akzeptiert das schwache Root-Passwort letztlich aber doch. Diese Großzügigkeit widerfährt Ihnen später beim Anlegen eines Benutzers nicht mehr: Hier verweigert die Software ein nicht ausreichend starkes Passwort schlichtweg. Diese Strenge wäre beim Root-Passwort angebrachter gewesen.

Anschließend legen Sie eindeutige Namen für Domain und Server fest und vergeben eine IP-Adresse innerhalb Ihres Subnetzes, typischerweise eines Class-C-Netzes (192.168.1.0 oder ähnlich) mit der Maske 255.255.255.0 [2]. Wählen Sie nun eine Vorkonfiguration für den Server aus. Im Kasten "SME-Server: Konfigurationsvarianten" erfahren Sie mehr dazu. Die ersten beiden angegebenen Konfigurationen inklusive Gateway-Setup entfallen für Sie, falls Ihre Server-Hardware nur über eine einzelne Netzwerkkarte verfügt. Für ein Gateway benötigen zwei NICs: Die erste (eth0) verbindet den Server über ein Modem (analog, DSL oder ISDN) mit der Außenwelt, die zweite (eth1) wickelt den internen Datenverkehr ab.

Die häufigste Anwendung dürfte die dritte Konfigurationvariante darstellen, Nur Server ohne Gateway. Sollte Ihr Rechner nun trotzdem zwei Netzwerkkarten besitzen, bietet SME-Server an, diese zusammenzuschalten, um so auf höhere Durchsatzraten zu kommen. Die abgefragte Gateway-Adresse entspricht dabei jener ihres (DSL-)Hardware-Routers und lautet oft 192.168.2.1 oder ähnlich. Bei der Frage nach einem DNS-Server tragen Sie bitte nicht jenen Ihres Internet-Anbieters ein, sondern lassen das Feld einfach leer. Soll der Server neuen Clients im lokalen Netz automatisch eine IP-Adresse zuweisen, so aktivieren Sie noch den DHCP-Server. Übernimmt diese Aufgabe bereits der Router oder vergeben Sie die IP-Adressen Ihrer Rechner prinzipiell von Hand (ratsam in sehr kleinen Netzwerken mit wenig Besuchern), dann belassen Sie DHCP in deaktiviertem Zustand.

SME-Server: Konfigurationsvarianten

Die Konfiguration Server und Gateway beinhaltet eine Firewall und sämtliche Dienste wie Samba, NFS, E-Mail, FTP, HTTP und SSH. Es bietet außerdem die Möglichkeit, den Server direkt an ein DSL-Modem oder den ISDN-Zugang anzuschließen und ihn als Gateway für andere Hosts im Netzwerk zu nutzen. Sie benötigen für diese Konfiguration zwei Netzwerkkarten im Computer. Privater Server und Gateway entspricht im Wesentlichen ebenfalls diesem Setup, verzichtet aber auf Dienste nach außen (E-Mail, Web).

Die Einstellung Nur Server umfasst keine Firewall und setzt ausschließlich auf geschützte Dienste innerhalb eines geschlossenen, lokalen Netzwerks. Da die meisten Haushalte mittlerweile über einen DSL-Zugang und einen Router verfügen, der bereits eine Firewall mitbringt, dürfte diese Konfiguration für den Heimserverbereich die interessanteste sein. Nach außen anzubietende Dienste wie Web oder E-Mail leiten Sie einfach über die NAT-Einstellungen Ihres Routers um.

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