Konkurrenz für den Atom?

Doch wie schlägt sich der Snapdragon im Vergleich zu Intels Atom? Hier kann Schweighofer bis jetzt nur mit Dhrystone-MIPS-Zahlen aufwarten – und leider ist Dhrystone heutzutage kein besonders guter CPU-Benchmark mehr. Der schon 1984 geschriebene Test fällt klein genug aus, um in die Caches moderner Prozessoren zu passen, und bezieht somit das Speicher-Subsystem nicht mit in den Test ein. Darüber hinaus macht er dank der kleinen Code-Größe spezielle Anpassungen der Compiler explizit für den populären Benchmark möglich, die beim Kompilieren von normalem Code dann nicht fruchten. Außerdem handelt es sich bei Dhrystone um einen reinen Integer-Benchmark, und da der Snapdragon auch über eine Fließkomma-Einheit verfügt, wäre zumindest ein Whetstone-Benchmark mit Fließkommarechnungen ebenfalls interessant.

Der momentane, in 65 Nanometer gefertigte Snapdragon mit 1 GHz bringt es Qualcomm zufolge auf 2100 Dhrystone-MIPS, der ARM-Kern alleine verbraucht dabei 0,5 Watt. Ein in 45 Nanometer gefertigter Intel Atom N270 mit 1,6 GHz Taktrate kommt in SiSofts Sandra-Benchmark (mit Intel-Compiler übersetzt) auf rund 3800 Dhrystone-MIPS und verbraucht dabei Intel zufolge 2,5 Watt (TDP).

Auch für den kommenden Dualcore-Snapdragon kann Schweighofer schon Werte liefern, dieser soll bei 1,5 GHz Taktrate 5200 Dhrystone-MIPS liefern; konkrete Watt-Zahlen gibt es dafür noch keine, aber Qualcomm spricht allgemein von 30 Prozent weniger Stromverbrauch durch Umstieg auf den 45-Nanometer-Prozess. Zum Vergleich: Ein Dualcore-Atom-330 mit 1,6 GHz liefert rund 7800 Dhrystone-MIPS, benötigt Intel zufolge dafür aber auch satte 8 Watt TDP. Auch im Größenvergleich schlägt sich der 225 Quadratmillimeter große Snapdragon (Abbildung 3) gut: Die Atom-Varianten in der kleinsten Chip-Bauform fallen mit 182 Quadratmillimetern nur unwesentlich kleiner aus. Sie benötigen aber andererseits auch noch etliche zusätzliche externe Komponenten, die der Snapdragon bereits integriert.

Für den kommenden Dualcore-Cortex-A9 (2 GHz, 1,9 Watt) gibt ARM übrigens einen DMIPS-Wert von 10 000 an. ARM zufolge ist der Chip im aussagekräftigeren EEMBC CoreMark [2] mehr als 2,5 mal so schnell wie ein Atom mit 1,6 GHz. Schon die Stromspar-Variante des Cortex A9 mit 800 MHz und 0,5 Watt soll den Atom knapp schlagen.

Abbildung 3: Der winzige Snapdragon im Vergleich zu einer amerikanischen 10-Cent-Münze.

Auf Basis der Dhrystone-Werte lässt sich extrapolieren, dass der Snapdragon bei gleichem Takt also etwas weniger Leistung bringen dürfte als Intels Atom – dabei aber nur einen Bruchteil des Stroms braucht, was wiederum eine höhere Taktung oder längere Akkulaufzeiten ermöglichen würde. Wo Intel auf SIMD-Erweiterungen wie SSE setzt, hat der Snapdragon NEON, die ARM-Variante von SIMD – und den DSP. Diese Technik könnte bei Aufgaben wie dem (De-)Kodieren von Video und Audio deutlich mehr bringen als die SSE-Erweiterungen im Atom. So verspricht Qualcomm beispielsweise, dass der Snapdragon H.264-Video in 720p dank DSP flüssig abspielt – was Intels Atom nur in Zusammenarbeit mit Nvidias Ion-Grafikchip fertigbringt. Dies setzt natürlich entsprechende Anspassungen der Software voraus.

Im Vergleich zu den ARM-Prozessoren der Konkurrenz – unter anderem Freescale, Marvell, Texas Instruments oder Nvidia – sieht sich Qualcomm in Sachen Leistung als Technologieführer.

Software-Unterstützung

Qualcomm arbeitet mit Adobe zusammen an einem ARM-Port von Flash – somit wird zumindest eine der problematischen Closed-Source-Komponenten von Anfang an unterstützt. Auch kooperiert Qualcomm offiziell mit Sun, um Java auf dem Snapdragon lauffähig zu machen. Ungetrübtem Websurfen mit ARM-Netbooks sollte also nichts im Wege stehen.

Auch andere Softwarefirmen haben sich hinter den Snapdragon gestellt: Real Networks, Bluestreak und Varia Mobile optimieren ihre Mediaplayer für den Prozessor, Phoenix Technologies, Thundersoft und Xandros engagieren sich in Sachen Betriebssystem. Haansoft und Remoba entwickeln bisher undefinierte Produktivitätssoftware, ebenso vage wird Zinio in Sachen Digital Media Services genannt. Conveneer entwickelt Social-Networking-Software für ARM-Netbooks, Bsquare und Movial kümmern sich um die Systemintegration.

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Kommentare
Gewünschtes Betriebssystem markieren: Linux [x] - Micro... [ ] - ...
Uwe (unangemeldet), Donnerstag, 26. November 2009 23:39:34
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Wir könnten es so einfach haben:

- gewünschten Hersteller auswählen
- gewünschtes Gerät auswählen
- gewünschtes Betriebssystem auswählen

Wir sollten uns nicht wieder an einen Strohhalm klammern. Wie schon so oft erlebt, wird Micro... auch in diesem Fall eine Lösung finden, GELD, GELD, GELD...

Wir brauchen eine dauerhafte Lösung: eine EU-Klage, die endlich die Wahlfreiheit für die Verbraucher durchsetzt!




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@Editor
Karl Schlosser (unangemeldet), Donnerstag, 19. November 2009 15:14:17
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Out-of-Order Execution gabs schon seit den Sechzigern. Der POWER1 war zwar der erste Mikroprozessor mit der Technik, benutzte sie aber auch nicht durchgängig.


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Absenken, anmieten, vorwarnen
WvG (unangemeldet), Mittwoch, 18. November 2009 20:08:50
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"sind lange Gesichter also ebenso vorprogrammiert"
Programmieren muß man meines Wissens immer vorher. "vorprogrammieren" ist also nur Bläh-Deutsch.


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