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Telefonzentrale

VoIP-Telefonanlage mit Asterisk einrichten

22.10.2009 Telefonanlagen sind teuer und aufwändig zu installieren. Anders Asterisk: Die frei Software steht Profisystemen in nichts nach und beherrscht sowohl VoIP als auch ISDN.

Die Geschichte der Internettelefonie ist fast so alt wie das Internet als Massenmedium selbst. Bereits in den 90er Jahren beherrschten Produkte wie Microsofts Netmeeting rudimentäre Telefoniefunktionen, mit Qualität oder Kompatibilität war es jedoch noch nicht weit her. Der Durchbruch gelang erst in den letzten Jahren seit der flächendeckenden Einführung breitbandiger Internetzugänge. Auch wenn nach wie vor zahlreiche Lösungen um die Gunst der Kunden buhlen, so existiert mit dem so genannten SIP-Protokoll ein einheitlicher Standard für Telefonate per Internet, den auch das vorgestellte Asterisk unterstützt.

Von Providern und Protokollen

Die wichtigste Voraussetzung für die Telefonie mit externen Teilnehmern stellt ein breitbandiger Internetzugang dar. Zwar genügt schon ein DSL-Anschluss mit 1 MBit/s, dann lastet – bei vernünftiger Qualität – jedoch ein einzelnes Gespräch die Leitung schon voll aus [1]. Wichtig ist auch eine geringe Latenzzeit des Anschlusses (Stichwort FastPath), da Sie ansonsten starke Verzögerungen im Telefonat hören. Generell gilt: Je schneller, desto besser – vor allem dann, Sie wenn neben dem Telefonat auch im Internet surfen wollen. Technologien wie Traffic-Shaping helfen zudem dabei, die Sprachpakete zu priorisieren.

Wollen Sie nicht nur intern, sondern auch mit anderen Teilnehmern telefonieren, dann brauchen Sie einen Anbieter, der Gespräche ins klassische Festnetz vermitteln kann. Freie Anbieter wie Sipgate [2] oder Dus.net [3] eignen sich meist besser, da sie unabhängig vom Internetanbieter sind. Zudem dürfen Sie die meisten Provider-Angebote nicht zu geschäftlichen Zwecken nutzen, und einige arbeiten gar mit eigenen proprietären Protokollen, die sich im Gegensatz zu SIP nicht an Asterisk anbinden lassen.

Mittlerweile ist auch der Markt an SIP-fähiger Hardware rasant gewachsen, und fast jeder Telefonhersteller bietet Modelle mit VoIP-Unterstützung an [4] (Abbildung 1). Selbst einige Handys – beispielsweise Nokias E-Serie – verfügen über einen eingebauten SIP-Client, mit dem Sie von jedem Ort der Welt per WLAN telefonieren können. Daneben haben Sie die Auswahl zwischen klassischen DECT-Telefonen mit Ethernet-Anschluss, reinen WLAN-Mobilteilen oder auch Adaptern, die alten Geräten das SIP-Protokoll beibringen. Zu guter Letzt können Sie auch ein Softphone [5] benutzen, also eine Telefonielösung für den PC. Eine gute Übersicht dazu bietet das Ubuntuusers-Wiki [6].

Abbildung 1: IP-Telefone bieten heute alle Komfortmerkmale ihrer konventionellen Pendants. (Bild: Cisco Systems)

Sonderfall Faxgerät

Ausgerechnet eine etablierte Technik kommt mit VoIP nicht zurecht – das Fax. Bei der Übermittlung von Faxnachrichten sind Latenz und Leitungsqualität entscheidend, und vor allem die Sprachkompression macht einen Strich durch die Rechnung, wollen Sie den guten alten Fernkopierer übers Internet benutzen. Haben Sie keinen Analoganschluss als "Fallback", so können Sie bei den meisten Anbietern ein so genanntes Web-Fax nutzen, mit dem Sie die Nachrichten bequem per Browser versenden und per E-Mail erhalten. Möchten Sie nicht auf Ihr Fax-Gerät verzichten, dann benötigen Sie Unterstützung für das T.38-Protokoll (die leider bislang sehr selten ist).

Funktionalität und Flexibilität

Bei Asterisk handelt es sich um eine komplexe Telefonanlage, das alle Telefoniebedürfnisse vom Privatanwender bis zum großen Unternehmen mit angeschlossenem Callcenter befriedigen kann. Neben der Telefonie bietet es einen integrierten Anrufbeantworter ("Voicemail"), Telefonkonferenzen, interaktive Dialogdienste und vieles mehr. Zusätzlich können Sie mit zahlreichen Plugins die Funktionalität nochmals erweitern.

Das Besondere: Asterisk ist nicht auf SIP beschränkt, sondern kann über entsprechende Schnittstellen auch mit herkömmlichen ISDN-Leitungen oder analogen Telefonanschlüssen arbeiten. Während kleine Telefonanlagen oft nur wenige Funktionen beherrschen, steht Asterisk teuren ISDN-Anlagen in nichts nach und lässt sich flexibel an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Dazu bedienen Sie sich einer Skriptsprache und legen genau fest, was mit eingehenden und ausgehenden Anrufen passiert: Weiterleitungen, Ansagen, Besetztzeichen, Sprachnachrichten und vieles mehr gehören zum Repertoire. Auch eine tageszeitabhängige Konfiguration ist möglich.

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Infos zum Autor

Florian Effenberger

Florian Effenberger

Florian Effenberger engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für freie Software. Er ist Mitglied im Board of Directors der Document Foundation. Zuvor war er fast sieben Jahre im Projekt OpenOffice.org aktiv, zuletzt als Marketing Project Lead. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen darüber hinaus in der Konzeption von Unternehmens- und Schulnetzwerken samt Softwareverteilungslösungen auf Basis freier Software. Zudem schreibt er regelmäßig für zahlreiche deutsch- und englischsprachige Fachpublikationen und beschäftigt sich dabei auch mit rechtlichen Fragestellungen.


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