Home / LinuxUser / 2009 / 11 / Friede, Freude, Eierkuchen?

Newsletter abonnieren

Lies uns auf...

Folge LinuxCommunity auf Twitter

Top-Beiträge

War doch klar...
(233 Punkte bei 16 Stimmen)
Re: War doch klar...
(162 Punkte bei 6 Stimmen)
Re: Skype für 64-Bit-Prozessor u. Suse 12.1
(161 Punkte bei 4 Stimmen)
Kubuntu verliert Finanzierung
(130 Punkte bei 4 Stimmen)
Offen fürs Geschäft
(80 Punkte bei 4 Stimmen)

Heftarchiv

LinuxUser Heftarchiv

EasyLinux Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Partner-Links:

Shopping
Topsuche
 
Yatego Deutschlands größte Shoppingmall. 10000 Shops,
3.5 Mio Artikel. Alle Bestseller, Servertechnik und Technik Themenwelten.

Notebooks und Netzwerkhardware bei Mercateo günstig kaufen.
Internet Telefonie mit VoIP Telefonen von Gigaset
Das B2B Portal www.Linx.de informiert über Produkte und Dienstleistungen.
Günstige Digitalkameras finden Sie im Preisvergleich.

Friede, Freude, Eierkuchen?

Editorial

22.10.2009

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Microsoft hat Frieden mit der Open-Source-Welt geschlossen und ist dabei, zur Open-Source- oder zumindest Open-Source-freundlichen Company zu mutieren. So fällt zumindest der Tenor vieler Berichte aus, die derzeit durch den Blätterwald geistern. Als Beleg für diese Behauptung taucht regelmäßig der Fakt auf, dass Microsoft ja mit Novell und neuerdings Red Hat intensiv an der Interoperabilität zwischen den Betriebssystemwelten arbeitet und obendrein sogar Virtualisierungstreiber für den Linux-Kernel bereitsgestellt habe. Als untrügliches Indiz für die neue Freundschaft zwischen FOSS und Microsoft wird jüngst regelmäßig die Anfang September gegründete Codeplex Foundation [1] zitiert: Die von Microsoft aus der Taufe gehobene Non-Profit-Organisation hat, so heißt es in der Ankündigung, "die Aufgabe, den Tausch von Code zwischen Software-Firmen und Open-Source-Communities zu ermöglichen und das gegenseitige Verständnis zu fördern". Friede, Freude, Eierkuchen. Linux Torvalds persönlich hat sogar verkündet, es sei schlicht krankhaft, Microsoft zu hassen [2] – wo die netten Leute aus Redmond doch so schönen und vor allen Dingen lizenzfreien Code für den Kernel liefern.

Ich brauche wohl dringend ärztliche Behandlung – ich sehe mich nämlich völlig außerstande, mich auch nur im Geringsten mit Microsoft anzufreunden. Warum? Sehen wir uns doch einmal die als Beweise für die angebliche Detente aufgeführten "Fakten" näher an. Da wären einmal die Kernel-Treiber, über die sich Linus offensichtlich so freut: Die fliegen demnächst wieder aus dem Kernel – wegen Unbrauchbarkeit. Dazu schreibt Greg Kroah-Hartman [3] auf der Kernel-Mailing-Liste: "Um [die Treiber] auch nur in einen halbwegs brauchbaren Zustand zu bekommen, waren über 200 Patches notwendig. Dummerweise scheinen die Microsoft-Entwickler spurlos verschwunden zu sein, niemand beantwortet meine E-Mails." Damit bestätigt sich jetzt der schon vor zwei Monaten nahe liegende Verdacht, dass Microsoft die Treiber nur deswegen unter die GPL stellte, um einem Verfahren wegen GPL-Verletzung zuvorzukommen [4]. Was den Wert von Microsofts Codeplex Foundation betrifft, braucht man sich nur folgende Fragen zu stellen: Wozu soll eine Open-Source-Stiftung gut sein, deren Direktorium fast ausschließlich aus Microsoft-Angestellten besteht und die zu 100 Prozent von Microsoft finanziert [5] wird? Wo ist da die Community? Warum schafft die Codeplex Foundation eine neue Lizenz [6], statt anzustreben, eingebrachten Code unter die GPL zu stellen?

Apropos Lizenz: Noch kurz vor der Gründung der Codeplex Foundation hat Microsoft versucht, 22 explizit Linux und freie Software betreffende Patente aus seinem Besitz an den Meistbietenden zu verhökern. Nicht nur Red Hat [7] sieht darin den offensichtlichen Versuch Microsofts, Patent-Trollen Material zuzuspielen, mit dem sie Linux hätten schaden können. Gott sei Dank gelang es dem Open Invention Network [8], einer zum Schutz von Linux vor Patentklagen gegründeten Organisation, die Patente aufzukaufen. Auch abseits vom fragwürdigen Patentgeschäft setzt Microsoft die gewohnten FUD-Kampagnen gegen Linux fort: So tauchten Anfang September in einem US-amerikanischen Forum Screenshots einer Trainingseinheit zu Windows 7 auf, mit denen Microsoft PC-Verkäufer darauf zu konditionieren versucht, Lügen über Linux zu verbreiten [9].

Kein Sinneswandel also bei Microsoft, nur ein (teilweiser) Wechsel der Methoden. Falls Sie also auch an der von Linus Torvalds diagnostizierten Anti-Microsoft-Malaise leiden, machen Sie sich keine Sorgen: Sie sind kerngesund – oder haben zumindest jede Menge Leidensgenossen.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[2] "Microsoft Hatred is a Disease": http://www.linux-mag.com/cache/7439/1.html

[1] Codeplex Foundation: http://www.codeplex.org

[3] "Microsoft developers seem to have disappeared": http://www.kroah.com/log/linux/staging-status-09-2009.html

[4] Open Source und Kommerz: Jörg Luther, "Interessenskonflikte", LinuxUser 09/2009, S. 3, http://www.linux-community.de/artikel/19204/

[5] "The CodePlex Foundation: First Impressions": http://www.consortiuminfo.org/standardsblog/article.php?story=20090914102959510

[6] Codeplex-Lizenz: http://codeplex.org/docs/Codeplex_Foundation_Assignment_Agreement.pdf

[7] Red Hat rügt Patentverkauf: http://press.redhat.com/2009/09/09/microsoft-and-patent-trolls/

[8] OIN kauft 22 Patente: http://www.openinventionnetwork.com/press_release09_08_09.php

[9] Verkäufer-Training zu Windows 7: http://www.linux-community.de/Internal/Nachrichten/Windows-7-Neue-Anti-Linux-Propaganda

Einem Freund empfehlen    Druckansicht Bookmark and Share
Kommentare
Ms ist inder Tat nicht hassenswert
Ulrich Lehmkühler (unangemeldet), Sonntag, 08. November 2009 23:39:11
Ein/Ausklappen

Linus hat recht, MS ist nicht hassenswert, sie wissen halt nur, daß sie Linux - wenn es wirkliche Verbreitung findet - in ein schwarzes Loch beamt. ""Really, I'm not out to destroy Microsoft. That will just be a completely unintentional side effect." (Linus Benedict Torvalds, 28.9.2003, so die Fußzeile http://www.linux-club.de/vi...?f=18&t=70574&start=0). Und zurecht: M$ würde sich selbst aufgeben, wenn es auf den OS/GPL-Zug aufspringen würde. Und da kann auch der schärfste Kritiker nicht verlangen. Man pflegt halt die Redmondsche Springprozession: Ein Schrift vor und zehn zurück (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Echternacher_Springprozession). Das heißt für die von Linux überzeugten: Nur nicht klein und weich werden - und nachgeben.


Bewertung: 92 Punkte bei 3 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
Friede, Freude, Eierkuchen?
micro maus, Donnerstag, 29. Oktober 2009 18:50:57
Ein/Ausklappen

das hat wohl kaum jemand wirklich geglaubt. Auch der kluge Linus nich'.
Es.ist halt ein Kräftemessen.
"Frieden" oder "Waffenstillstand" sind z.B. nix anderes als ein taktisch anerkannter Kräftestand (Status Quo). Es bleibt spannend. Und:
Ich befürchte sehr wohl, dass die Welt (oder auch die IT-Welt) von Geld regiert bleiben wird.
Nun, kommerzielle Software ist ja nicht automatisch schlechter, weil sie Geld kostet. Und alle, die irgendwann Geld für kommerzielle Software ausgegeben haben, leisteten ihren bescheidenen Beitrag für die Unternehmensgröße und ja - für die Überheblichkeit und den Machtanspruch der Firma Microsoft. Sie tun es morgen auch noch.

Jetzt werfe den ersten Stein, der meint, es tun zu müssen.
Windows 7 ist gelungen, Vista war es mehr als viele meinten. Man musste sich nur mit Vista ein wenig software- und hardwaremäßig beschäftigen (da klingelt 's doch irgendwie) Nun denn, Linux ist vielleicht für den Rest der Welt der Software-Diamant, den sie noch immer als Rohling betrachtet. Die Welt da draußen schlittert vor sich hin. Wir können ja immerhin noch streiten, ob KDE oder Gnome :-), bis wir in der vereinten Linux-Welt aufwachen.
Nun, wer's glaubt...
Jedenfalls Friede und auch noch Eierkuchen, nee, das gibt's nicht wirklich. Das hat doch niemand geglaubt. Wohlgemerkt - auch der gescholtene Linus nicht. Ich halte übrigens nich' viel davon, neue Konflikte zu erfinden.


Bewertung: 40 Punkte bei 4 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

554 Hits
Wertung: 95 Punkte (7 Stimmen)

Schlecht Gut

Infos zum Autor

Jörg Luther

Jörg Luther

Jörg Luther arbeitet seit 1995 als IT-Journalist. Seine Vorliebe für das freie Betriebssystem lebt er privat in der LUG Erding und beruflich seit 2004 als Chefredakteur des LinuxUser aus.

Zum Blog von Jörg Luther →


Infos zur Publikation

Infos zur Publikation

LinuxUser 03/2012

Aktuelle Ausgabe kaufen:

Heft bestellen Heft als PDF kaufen

LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,50 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

Im LinuxUser-Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben für 3 Euro. Das Jahresabo (ab EUR 56,10) können Sie im LNM-Shop bestellen.

Tipp der Woche

Duden Korrektor unter 64-Bit
Duden Korrektor unter 64-Bit
Tim Schürmann, 06.02.2012 10:36, 0 Kommentare

Der Duden Korrektor bietet eine äußerst nützliche Rechtschreib- und Grammatikkorrektur für LibreOffice und bringt in der aktuellen Version 8 e...

Aktuelle Fragen

Ubuntu 11.10 Compiz 3D Cube flackern
Moritz Obenauer, 12.02.2012 12:25, 0 Antworten
Hallo! Ich habe Ubuntu 11.10 mit Unity und den Compiz 3D Cube ein gerichtet. Er funktioniert...
Suse 12.1 Bootvorgang bleibt seit Update stehen
Wimpy *, 12.02.2012 09:22, 3 Antworten
Seit Update auf Kernel 3.1.9-1.4-desktop i686 bleibt der Bootvorgang stehen. Es erscheint der gr...
N24 Stick (Huawei E173) und Ubuntu 11.04
Patrick Obenauer, 11.02.2012 11:54, 1 Antworten
Hallo zusammen! Ich benutze einen alten Laptop, der mit Ubuntu 11.04 flott und problemlos läuft....
Wie kann man beim Einsatz von Compiz die Fenster-Dekoration einstellen?
GoaSkin , 10.02.2012 20:12, 0 Antworten
Hallo, ich nutze Linux Mint mit dem Gnome-Derivat Mate. Da die Distribution Compiz nicht autom...
rndc reload zone - failed bad zone
Ludwig jun. B., 06.02.2012 16:08, 2 Antworten
Schönen guten Tag, ich habe folgendes Problem. Immer wenn ich folgendes Kommando ausführen bek...